Greift Putin ein? Hilft Russlands Armee?

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Wann tritt das Hilfsabkommen mit Russland in Kraft? Gelb die “Republik Artsakh”. Hellbraun die Pufferzone, welche die “Republik” seit 1994 schützen soll. Dunkler die eigentlichen Staaten, westlich Armenien.

  • Im Karabach-Krieg sind die Vereinbarungen zur Waffenruhe nicht das Papier wert, auf das Aserbeidschan und Armenien die Abmachungen schrieben.Kaum ein Tag vergeht, an dem beide Parteien eine Feuerstellung brechen.

Türkischer Raketenwerfer in azerischem Dienst.

  • Der militärische Vorteil neigt sich allmählich den azerischen Angreifern zu. Sie erzielen Geländegewinne und belegen aus der Distanz ihr operatives Ziel, die gegnerische “Hauptstadt” Stepanakert, in unregelmässiger Kadenz mit Feuer.

Wann tritt der Bündnisfall ein?

Wiederholt rief der armenische Premier Nikol Pashinyan den russischen Präsidenten Wladimir Putin um militärische Hilfe. Mit Russland verbindet Armenien ein Hilfsabkommen, das auch Russlands bewaffnetes Eingreifen zugunsten Armeniens einschliesst. Putin ist allerdings kein Freund Nikol Pashinyans. Was muss passieren, dass Russland militärisch eingreift? Wann ist der Bündnisfall erreicht?

  • Muss Aserbeidschan in die Pufferzone eindringen, die Armenien und die “Republik Artsakh” 1994 errichteten, um Berg-Karabach zu schützen? Nein? Längst sind azerische Panzer- und Infanterieverbände in die Zone eingedrungen; und die russische Armee verharrte Gewehr bei Fuss.

So repräsentiert sich die “Republik Artsakh”.

  • Ist es das Gebiet der “Republik Artsakh”, gut 11’000 Quadratkilometer mit einer Bevölkerung von offiziell noch 150’000 mehrheitlich armenischen Einwohnern? Diese Frage wird akut, wenn die azerischen Angreifer Territorium der “Republik” in Besitz nehmen. Das ist militärisch an mehreren Fronten möglich, obwohl das Terrain in der “Republik” für den Angreifer anspruchsvoller wird.
  • Oder braucht es Aserbeidschans terrestrische Vorstösse auf das Land des Staates Armenien? Was die weitreichenden Waffen wie Jets, Drohnen und Artillerie betrifft, ist diese Schranke durchbrochen. Beide Parteien nehmen Ziele in Aserbeidschan und Armenien selbst unter Beschuss.

Geopolitisch explosive Gemengelage

Wie Russland reagiert, ist geopolitisch von einiger Tragweite.

  • Aserbeidschan kämpft im Verbund mit mehreren 1’000 syrischen Söldnern, die wie in Libyen und Syrien von der Türkei rekrutiert, bewaffnet und bezahlt werden. Die azerischen Streitkräfte setzen russische und jetzt vermehrt auch türkische Waffen ein. Die türkische Luftwaffe stellt Bayraktar-TB-2-Drohnen aus eigener Produktion (aus dem Werk von Präsident Erdogans Schwiegersohn).

Bayraktar-TB2-Drohne aus türkischer Produktion.

  • Obwohl Erdogan die NATO-Führung gelb und blau ärgert, gehört die Türkei dem Nordatlantikpakt nach wie vor an. Erdogan provoziert die USA mit dem Kauf und der Erprobung der russischen S-400- Flab-Batterien und reizt den NATO-Nachbarn im Westen, Griechenland, in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer zum Äussersten. Zwischen Ankara und Athen schwellt seit 1974 der Zypern-Konflikt.
  • Westliche Geheimdienste melden: Mit Sicherheit beteiligen sich türkische Offiziere – wie in Libyen – direkt am Karabach-Krieg. Nach dem “System” der russischen “Berater” in arabischen Armeen führen sie an der Spitze azerischer Stäbe deren Operationen; und sie sorgen für den Waffen- und Munitionsnachschub.

Taktisches Geschick

Seit seinem Amtsantritt am 1. Januar 2000 beweist Präsident Putin geostrategisches Augenmass und taktisches Geschick. Was er zu Berg-Karabach unternimmt, bleibt gut zu beobachten. Mit dem Autokraten Erdogan verbindet ihn ein ambivalentes Verhältnis.