General McKenzie: “Das Versagen der Politik”

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General McKenzie: Warnungen in den Wind geschlagen.

In Washington wischen sie die Scherben des Kabul-Debakels auf. Vor dem Senat stehen die Generale Austin, Milley und McKenzie Red und Antwort.

  • Bemerkenswert offen tritt Kenneth Frank McKenzie auf. Er, der Befehlshaber Central Command, habe früh vor der Illusion gewarnt, das korrupte Ghani-Regime und dessen morsche Armee könnten Afghanistan halten.
  • Er habe rechtzeitig die Konsequenzen festgehalten, die der überstürzte, zu früh angekündigte Rückzug der USA und der NATO zeitige. Die Politik habe versagt: Sie habe die Warnungen in den Wind geschlagen.

General Milley: 20 Jahre nicht 20 Tage

  • Mark Milley, der Generalstabschef, gesteht den strategischen Fehler der USA ein. Er sucht das Versagen namentlich im gescheiterten Staatenbau. Präsident George W. Bush brachte in den Nuller-Jahren das Nation Building auf: den Ansatz, für einen militärischen Sieg oder nach einem gelungenen Feldzug könnten fremde Mächte intakte Staaten aufbauen.
  • Wie wir von Irak, Libyen, Syrien und jetzt auch von Afghanistan wissen, ist das ein Luftschloss.
  • Nicht ohne Bitterkeit erinnert Milley daran: “Unsere Niederlage war nicht eine Sache der letzten 20 Tage, sie geht auf Fehler von 20 Jahren zurück.” Vier Präsidenten – gemeint sind Bush, Obama, Trump und Biden –, 20 Kommandanten vor Ort, sieben Generalstabschefs, etliche Verteidigungsminister et cetera hätten die Katastrophe zu verantworten.
  • Als Schlüsselfehler hebt Milley den Doha-Scheinfrieden vom 29. Februar 2020 hervor, der den Zerfall der afghanischen Armee beschleunigte.

Lloyd Austin: Evakuation war Erfolg

  • Lloyd Austin, in seiner politischen Rolle als Pentagon-Chef, beharrt auf dem Erfolg der Evakuation: “Wir wollten zuerst rund 70’000 herausholen, am Schluss waren es 128’000.” Das sei eine grosse logistische Leistung. Dem wird niemand widersprechen.
  • Auch Austin nennt in der politischen Abrechnung das Doha-Abkommen verhängnisvoll. Der Gegner habe gewusst: Die Schutzmacht zieht ab.
  • Hinzufügen müsste man: So schädlich wie Doha war Obamas Rede vom 1. Dezember 2009 in West Point. Wohl würden die USA 30’000 Soldaten mehr in Afghanistan stationieren. Aber 2011 werde ihr Rückzug beginnen. 2014 müssten die Afghanen allein übernehmen. Das war das erste Signal an die Taliban: Warten lohnt sich!
  • Sie übten Geduld – mit durchschlagendem Erfolg, wie der Kriegsausgang beweist.

Barack Obama am 1. Dezember 2009 in West Point.