Gegen “die Politik der Gemütlichkeit”

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Karl Jaspers: “Gift für die Freiheit”.

Erlauben Sie einen Abstecher in die politische Philosophie. Von 1948 an lehrte an der Universität Basel der Philosoph Karl Jaspers, den man mit Fug in der deutschsprachigen Welt der Nachkriegszeit als den führenden Kopf seines Faches ansprechen darf. Gegen Ende seines Lebens erwarb er das Schweizer Bürgerrecht. Er liegt – wie unzählige andere Persönlichkeiten, so Jacob Burckhardt, Karl Barth, Edgar Bonjour oder Korpskommandant Heinrich Iselin – auf dem Friedhof am Hörnli in Riehen begraben.

Zeit seines Lebens war Karl Jaspers ein politischer Philosoph. In Jaspers monumentalem Werk findet sich ein Zitat, das exakt auf die gegenwärtige Situation der Schweiz zutrifft. Karl Jaspers wendet sich entschlossen gegen die politische Gemütlichkeit:

“Zum Gift für die Freiheit wird die Politik der Gemütlichkeit, die die dilatorische Behandlung anstehender Probleme für politische Klugheit hält und sich schlau dünkt, weil sie eine Verbindung von höflich vermittelnden Verhandlungen, liebenswürdigem Humor, Befriedigung von Eitelkeiten, Herstellung von Stimmung, Erfindung einigender, aber nichtssagender Phrasen und geschickten Manipulationen sich leistet, weil die die ideale Handhabung der formalen Demokratie mit der Idee der Demokratie verwechselt.”

Kein Kommentar, nicht einmal zur Befriedigung von Eitelkeiten > siehe “Pannen-Alain” > “Wir können Corona”.