Für Russlands Elite: AK-12/15 ersetzt AK-74M

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    AK-15, gut erkennbar der Teleskop-Hinterschaft (Bild KK).

Das russische Heer rüstet seine Elitetruppen zügig vom Standardgewehr AK-74M auf die neue Waffe AK-12/15 um.

Beide Waffen kommen von der erfolgreichen Waffenschmiede Kalaschnikow in der Grossstadt Ischewsk im Föderationskreis Wolga, gegründet vom legendären Michail Kalaschnikow, dem Erfinder des AK-47 – Jahrzehnte lang die Standardwaffe vieler Armeen, “verewigt” sogar auf der Fahne von Moçambique.

Bestandteil von “RATNIK”

Beide neuen Waffen bilden einen zentralen Bestandteil von “RATNIK” (russisch für Krieger). “RATNIK” ist die russische Antwort auf westliche Programme wie “Infanterist der Zukunft”. Es umfasst auch

  • einen verstärkten Schutz gegen Infanteriewaffen und Granatsplitter (Körperpanzer und beschusshemmende Westen),
  • einen Helm mit Nachtvisier und Infrarot, Funk für verschlüsselte Kommunikation,
  • elektronische Ortung und Navigation über Satellitensysteme wie GLONASS und GPS,
  • Reflexvisiere
  • und Freund-/Feinderkennung für Soldaten und Gefechtsfahrzeuge.

Kaliber 5,45 und 7,62 mm

  • Die Magazine der AK-12/15-Gewehre fassen 30 Schuss. Das AK-12-Kaliber beträgt 5,45 mm, das AK-15-Kaliber 7,62 mm. Das Verteidigungsministerium gab beide Kaliber frei und treibt die Umrüstung voran.
  • AK-12/15 schiesst aus den 30er-Magazinen 700 Schuss/Minute.
  • Beide Waffen können mit GP-25/34-Granatwerfern vom Kaliber 40 mm unter dem Lauf ausgerüstet werden.
  • Ebenso mit Lasern und Schalldämpfern. Die Speznaz legen enormen Wert auf Schalldämpfern; sie entwickeln jetzt sogar einen schallgedämpften 82-mm-Mörser für verdeckte Aktionen.

AK-12/15 der 1.,2. und 3. Generation

Erste AK-12 wurden schon im März 2014 auf der Krim fotografiert, als Speznaz die Halbinsel mit der Waffe in der Hand, aber kampflos einnahmen. Diese Gewehre gehören laut Kalaschnikow-Konzern zur 1. Generation.

2020 wird die verstärkte 2. Generation eingeführt, 2022 sogar eine 3. Generation.

Erste AK-15 gelangten 2016 ans Licht der Öffentlichkeit. Diesem Gewehr schreibt der Hersteller dank dem stärkeren Kaliber noch mehr Durchschlagskraft  zu als dem AK-12. Wie alle Kalaschnikow-Produkte gilt AK-15 als einfach zu handhaben, zuverlässig und belastbar in allen Lagen, auch in jedem Klima.

Teleskopischer Hinterschaft

Dem Schützen stehen drei Feuerarten offen:

  • Gesichert.
  • Halb-Automat.
  • Voll-Automat.

Der Schütze bedient die Sicherung mit dem Daumen der rechten Hand. Die Sicherung ist bewusst nicht beidhändig angelegt. Die Munition ist kompatibel mit dem alten Standardgewehr AK-103 und dem Leichten MG RPK. Der Hinterschaft ist teleskopisch und erinnert an die US Waffe M4. So kann der Schütze den Hinterschaft anpassen.

Die Zielvorrichtung ist sehr einfach. AK-15 kann mit einem Picantinny-Typ-Zielfernrohr versehen werden. Die maximale Reichweite beträgt 800 Meter; sehr zielgenau ist die Waffe bis 500 Meter. Der Gruppenführer kann Ziele mit einem Laserpointer bezeichnen. Im Nahkampf kann der Kämpfer sein Messer-Bajonet aufsetzen.

Technische Daten AK-15

  • Kaliber 7,62×39 mm
  • Gewicht 3,74 kg (geladen 4,1 kg)
  • Länge 106,6 cm
  • Lauflänge 41,5 cm
  • Mündungsgeschwindigkeit 715 m/sec
  • Schuss pro Minute 700
  • Schuss pro Magazin 30

Bewertung: Reicht das Geld?

Wie beim Kampfpanzer T-14 Armata und dem Stealth-Jet Su-57 ist den russischen Ingenieuren auch mit AK-12/15 ein moderner, robuster Wurf gelungen. Aber genau so wie beim Panzer und beim Jet stellt sich die Frage: Wie weit reichen Russlands Finanzmittel, um die Waffe auf breiter Form einzusetzen?

Präsident Putin setzte 2000 und 2008 den Streitkräften Ziele, die sie weitgehend erreichten. Am 9. Mai 2015, als er T-14 paradieren und den damaligen Suchoi T-50 (heute Su-57) über den Roten Platz fliegen liess, verlangte er von der Armee, sie müsse 2020 zu 70% modern gerüstet sein. Allerdings befand sich Putin damals auf dem Höhepunkt der Macht. Der Krim-Ruhm war noch frisch, und Erdöl und Erdgas trugen Erlöse ein, die ihm die ehrgeizige Zielsetzung erlaubten.

Inzwischen drücken die Sanktionen, und die Ressourcenpreise verharren im Keller. Es bleibt zu sehen, ob die Rüstungsbranche und die Streitkräfte bis 2020 die Ziele des Präsidenten erreichen. Das liegt weniger an ihnen als an der angespannten wirtschaftlichen und finanziellen Situation Russlands.