Friendly Fire 2: Der tragische Fehler von 1991

Standard

 

Lage am 27. Februar 1991. Rot der Vorstoss auf Kuwait.

Der gravierende Fall von “friendly fire” vom 20. Juli 2020 in Fort Bliss, Texas, weckt in den amerikanischen Fachmedien die Erinnerung an den tragischen Fehler, der einem Abrams-M1A1-Bataillon im Kuwait-Krieg von 1991 unterlief.

  • Gegen den Widerstand einer Formation der Republikanischen Garde rückte die 3. Brigade der 1. Panzerdivision auf irakischem Territorium auf Kuwait vor. Der schwere Vorfall ereignete sich früh am 27. Februar, als es noch dunkel war – vor der stets kurzen orientalischen Morgendämmerung.
  • Das Spitzenbataillon wurde von der Garde mit RPG-7-Granaten beschossen, die indes an der starken Panzerung der Abrams-Tanks abprallten. Auch das Feuer anderer Infanteriewaffen fügte den Angreifern keinen Schaden bei.

Der tragische Irrtum

  • Als das Spitzenbataillon weiter vorstiess, fuhr es in einen Hinterhalt der Garde. Fast eingeschlossen, überstand es aber das konzentriere gegnerische Feuer erneut – dank der kompakten Abrams-Panzerung. 

Kuwaitkrieg: Amerikanischer Abrams M1A1.

  • Aber: Ein zweites Bataillon operierte rund 2’000 Meter hinter dem Spitzenverband. Die Panzerkommandanten suchten das Geschehen vor ihnen trotz der Dunkelheit zu beobachten. Sie hielten die RPG-7-Geschossen, die wirkungslos an den Abrams-M1A1 explodierten, für feindliches Feuer, das sie selber bedrohte.
  • Nun beging der Kommandant des Bataillons den tragischen Fehler: Statt dass er abwartete, ob seine Panzer tatsächlich unter irakisches Feuer gerieten, befahl er, die vermeintlich gegnerischen Stellungen auszuschalten.
  • Das hintere Bataillon führte den Befehl “gründlich” aus. Es nahm die vermeintlichen feindlichen Feuerquellen resolut unter Beschuss – und traf. Die Abrams-Besatzungen merkten in der Nacht nicht, dass sie eigene Kameraden abschossen.

Sechs Gefallene, 25 Verwundete

Das Ergebnis war grauenhaft:

  • Sechs Amerikaner kamen im Feuer der eigenen Kameraden um.
  • 25 Soldaten wurden verletzt, teils schwer.
  • Fünf M1A1 wurden komplett zerstört, wie auch fünf Bradley-Schützenpanzer.
  • Insgesamt verloren im Kuwaitkrieg nur 21 Amerikaner das Leben, was dem umsichtigen Befehlshaber, dem General Norman Schwarzkopf, hoch angerechnet wurde.
  • Fünf dieser 21 Opfer waren dem Fehler des Kommandanten des hinteren Bataillons zuzuschreiben.