“Freiheitsliga für Russland” – an der Izjum-Front

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Die weiss-blau-weisse Flagge der “Freiheitsliga für Russland”.

Erstmals, am 116. Kriegstag, am 19. Juni 2022, lüftet die Ukraine den Schleier über ihre “Freiheitsliga für Russland”, der Wlassow-Armee des 21. Jahrhunderts, einen Spalt breit.

Sieben Mann, ein Russenpanzer

Von der Izjum-Front im äussersten Nordwesten des Donbass erscheint das Bild einer Gruppe Russen in ukrainischen Diensten; sie haben einen alten Russenpanzer erobert.

  • Die Gruppe zählt sieben Mann. Der stämmige Kämpfer rechts vorne könnte der Gruppenführer sein, in der “Freiheitsliga” ein Unteroffizier. Alle haben ihr Gesicht mehr oder weniger verhüllt. Sie gehören aber nicht zu Spezialkräften, sondern verdecken ihr Antlitz nicht zuletzt, um ihre Familien in Russland zu schützen.
  • An den vier Kämpfern in der vorderen Reihe ist je ein weisses Emblem zu erkennen, sei es auf dem linken Ärmel, unter dem Kragen oder auf der Brust.
  • Stehend hält ein Soldat die weiss-blau-weisse Fahne der “Liga” in die Kamera. Die Flagge entspricht der Fahne der russischen Protestbewegung gegen Putin und dessen Partei “Einiges Russland”. Den roten Streifen in der offiziellen russischen Tricolore ersetzen die Putin-Feinde und die “Liga” durch einen weissen.
  • Drei Mann tragen den NATO-Helm ohne Überzug, die andern Mützen oder Sturmhauben. Sichtbar sind Gewehre mit Holzschaft.
  • Beim eroberten Russenpanzer muss es sich um ein altes Modell handeln. Nach menschlichem Ermessen nahm der Fotograf den Kampfwagen von hinten auf. Die beiden Dieselfässer gehörten in der Roten Armee und im Warschauer Pakt lange zum Standard. Sie steigerten die Reichweite der damaligen Panzer.
  • Ob die Gruppe auf dem Bild einen Schützen- oder einen Kampfpanzer in Besitz nahmen, ist schwer zu sagen. Wenn es ein T-62 oder ein T-64 war, ist das Rohr nicht zu sehen. Die “Rohre” in der linken, unteren Bildecke sind relativ schlanke Baumstämme.

Ein gewisses Vertrauen

Mit der Angabe Izjum-Front verrät der ukrainische Generalstab auch, wo er Einheiten der “Freiheitsliga” einsetzt. Im Donbass unterscheiden wir drei Frontabschnitte:

  • Lysychansk–Sewerodonezk.
  • Izjum–Slaviansk.
  • Popasna–Nachschubstrasse T-1302.

Solange sich ein Teil der Asot-Garnison im umkämpften Chemiewerk hält, dominiert die Schlacht um Sewerodonezk, wie das Ringen um Mariupol die maritime Front beherrschte.

Der Kampf südlich der passage obligé von Izjum bleibt aber im Brennpunkt. Von Nordwesten und Norden her führen russische Angriffskeile nach Slaviansk, zum erklärten Teilziel der Russen. Dass die ukrainische Führung die “Freiheitliga” im Süden von Izjum die zentrale Schnellstrasse E-40 (M03) mitverteidigen lässt, bezeugt ein gewisses Vertrauen in die neue “Wlassow-Armee”.

Und der E-40-Einsatz entspricht der Jahrhunderte alten Regel: “Setze Söldner und Freiwillige an gefährlichen Fronten ein.”