BISS – Fieberhafte Suche nach abgestürztem F-35C

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Der abgestürzte F-35C, bevor er im Südchinesischen Meer untergeht.

Siehe auch > Abgestürzter F-35C – Japan warnt

  • Ein Bild geht um die Welt. Aufgenommen von der USS Carl Vinson (CVN-70), zeigt die Aufnahme den F-35C, der am 24. Januar 2022 auf das Flugdeck des Trägers prallte, ins Meer stürzte und versank.
  • Der Pilot rettete sich am Fallschirm. Auf dem Deck wurden sieben Matrosen verletzt, aber nicht schwer. “MEDEVAC” flog drei Verletzte in die Philippinen, vier werden auf der Carl Vinson gepflegt.
  • Der F-35C liegt auf dem Grund des Südchinesischen Meeres, auf das sechs Staaten Anspruch erheben. China treibt die Militarisierung des Meeres widerrechtlich voran – gegen einen internationalen Schiedsspruch.
  • Auch wenn Peking jegliches Interesse am Wrack dementiert, sind bei den Amerikanern die Nerven angespannt. Die Chinesen sind bekannt dafür, gegnerische Kampfjets “abzukupfern” und nachzubauen. Fiele ihnen ein F-35 in die Hand, wäre das der Grosse Preis.
  • Die US Navy rückt mit ihrer Bergungsequipe heran und unternimmt alles, das Wrack vor dem Feind zu bergen.

US Navy schützt Fundstelle

Die USS Carl Vinson kreuzt mit der USS Abraham Lincoln (CVN-72) im Südchinesischen Meer. Sie setzt vier Kampfstaffeln ein: drei Staffeln F/A-18EF Super Hornet und eine Staffel F-35C. Von den F-35 verfügt der Träger jetzt noch über neun, doch wird der fehlende zehnte ersetzt. Die Zahl der F/A-18EF beträgt 33 (elf pro Staffel).

F-35C Lightning II der “Argonauten”, der Strike Fighter Squadron 147, landet auf der USS Carl Vinson (CVN-70).

24. Januar 2021: Captain Scott Miller (links) übergibt die USS Carl Vinson an Captain Matthew Paradise. In der Mitte Konteradmiral Timothy Kott, Befehlshaber Carrier Strike Group One.

Die F-35C-Staffel nennt sich die “Argonauten”. Mit der Bruchlandung vom 24. Januar verliert die US Navy ein Flugzeug im Wert von rund 100 Millionen $ und, wie gesagt, eine Maschine voller Geheimnisse. Allerdings sind die teils sensationellen Schlagzeilen in der Presse zu relativieren.  Konteradmiral Timothy Kott, der die Trägergruppe Carl Vinson kommandiert, hat den Auftrag, alles zu unternehmen, damit die Amerikaner den Chinesen zuvorkommen:

  • Auf dem nun weltweit verbreiteten Bild (siehe oben) sind in der Gischt Trümmer zu erkennen. möglicherweise vom Fahrwerk, das abgerissen wurde. Die Stealth-Legierung der Oberfläche ist geheim: Die Besatzung der USS Carl Vinson barg die Trümmer sofort.
  • Unter Wasser ist anzunehmen, dass die US Navy im Bereich der Fundstelle ein Unterseeboot patrouillieren lässt, um allfällige Gegner vom Wrack abzuhalten.
  • Ebenso ist anzunehmen, dass der Kommandant der Trägergruppe den Raum über Wasser von mindestens einer Einheit überwachen lässt. Sie erschwert “neugierigen Zeitgenossen” die Spionage.
  • Die Navy wird die Bergung, so es dazu kommt, über und unter Wasser gut schützen. So einfach, wie das der Boulevard darstellt, werden es die Chinesen nicht haben. Auf Konteradmiral Kott und Captain Matthew Paradise, dem Träger-Kommandanten, lastet eine schwere Verantwortung, die sie gewiss vollumfänglich wahrnehmen; sonst wären sie in der US Navy nicht das, was sie jetzt sind.

Wer hat die Nase vorn?

Wer das Rennen um das kostbare Wrack gewinnt, weiss nicht einmal Neptun.

  • Für die Amerikaner spricht, dass sie die Absturzstelle auf den Meter genau kennen. Ebenso kommt ihnen ihre starke Präsenz – ein Trägerverband umfasst über und unter Wasser rund acht Schiffe – am Unfallort zugute.
  • Die Chinesen haben einen geografischen Vorteil: Mit ihren Aufklärern und dem Bergungsmaterial sind sie der Fundstelle im Südchinesischen Meer näher. Die US Navy muss ihr Bergungsschiff von weitem heranführen und könnte Zeit verlieren.
  • Anzunehmen ist, dass China die USS Carl Vinson und die USS Abraham Lincoln aus einer gewissen Distanz beschattet. Selbst wenn Amerikas Erzfeind keine Satellitenfotos vom Absturz hätte, tappen die Aufklärer nicht vollständig im Dunkel.
  • Für die USA und Lockheed Martin geht es um viel: Der F-35 ist das grösste, bedeutendste Rüstungsprojekt, das die USA je vorantrieben. Er ist ein vollkommen neues Flugzeug, voller neuer Technik.

An Bord der USS Carl Vinson. Auf dem Turm die 70 für CVN-70.

Vermutlich ein Pilotenfehler

Videosequenzen zeigen die verunglückte Maschine in schrägem Anflug. Es ist denkbar, dass ein Pilotenfehler vorliegt. Die Deckmannschaft muss den missglückten Anflug relativ spät entdeckt haben, sonst hätte der Aufprall nicht sieben Matrosen in Mitleidenschaft gezogen. Die Schäden an der Carl Vinson werden rasch behoben.

Der Pilot überlebt dank des amerikanischen Schleudersitzes und Fallschirms. Die Rettung ist auf “Null Meter über Boden” angelegt: Auch wenn der Sitz den Flieger auf Meereshöhe aus dem Flugzeug sprengt, jagt es diesen so weit in die Höhe, dass sich der Fallschirm öffnet und der Pilot sicher im Meer landet.

Der F-35, den die Royal Navy im Ionischen Meer verlor, war ein F-35B: ein Senkrechtstarter. Ein Materialwart hatte bei der Luke, die für Start und Landung senkrecht gestellt wird, eine schwere Unterlassung begangen. Der Jet hob nicht richtig ab, prallte auf, stürzte ins Meer und ging unter. Die Suche ist im Gang.

Affaire à suivre …