Ermutigung zur Auffahrt

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Zeichnung von Deborah Keller.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr neues Zeichen der Ermutigung zur Auffahrt.

 

Gebet 

Jesus, 

obwohl dir alle Macht gegeben ist 

und in deinen Händen liegt, 

missbrauchst du diese nicht, 

sondern segnest 

deine Jünger, 

deine Freunde, 

Gottes Kinder – auch mich. 

Segnend nimmst du Abschied, 

erfüllst mit Segen, 

mit guten Worten, 

mit DEM guten Wort des EINEN. 

So erfüllt 

können sie andere segnen, 

Gutes sagen, 

weitertragen und weitersagen, 

was von dir kommt. 

Du segnest mit deinen Händen, 

übermittelst heilvolle Kraft: 

einen Vorgeschmack auf das Kommende. 

Mit diesem Segen erfüllt lohnt es sich zu warten 

auf das Verheissene: 

Grösseres, Beistand, Trost. 

Weil alles in deinen Händen liegt, 

beuge ich mich unter deine Hand 

und bitte dich: 

Halte deine Hände über mir; 

lege deinen Namen auf mich 

und segne mich. 

DU Quelle allen Segens, 

DICH preise ich! 

AMEN 

© Sabine Herold (13.5.2021) 

Hast du schon einmal eine Abschiedsrede gehalten oder bestimmte, persönlich gewählte Worte zum Abschied gesagt? 

Wie verabschiedest du dich in der Regel von anderen Menschen? 

Was für einen Gruss, welche Abschiedsformel gebrauchst du? 

Vielleicht Tschüss, Auf Wiedersehen, Leb wohl, Ciao, Adieu…? 

Und vermutlich macht es auch einen Unterschied, wie nah dir jemand steht. 

Wie hat Jesus sich von seinen Freunden verabschiedet? 

Mit welchen Worten? Mit welchen Zeichen? 

Von den Abschiedsworten Jesu sind einige überliefert. Der Evangelist Johannes führt in vier Kapiteln aus, was Jesus seinen Jüngern alles gesagt hat – sozusagen sein Vermächtnis an seine Freunde (vgl. Joh 13-16). 

Hier im Lukasevangelium spricht der Auferstandene Jesus mit seinen Jüngern und bereitet sie auf den konkreten Abschied vor. Diese Abschiedsworte enden mit einer Verheissung, einer wunderbaren Aussicht: Die Verheissung vom Heiligen Geist wird sich erfüllen. Jesus gibt ihnen dazu klare Anweisungen: Sie sollen so lange in der Stadt bleiben, bis sie mit Kraft aus der Höhe ausgerüstet werden. (Lukas 24,36-49) 

Und dann? Dann führt Jesus seine Jünger aus Jerusalem hinaus bis nach Betanien, das oberhalb der Stadt am Osthang des Ölbergs liegt. Nun liegt Jerusalem dem Auferstandenen und seinen Jüngern sozusagen zu Füssen. Dann ist kein Wort mehr überliefert, aber Jesus wirkt weiter – mit seinen Händen und mit seinem Segen (Lukas 24,50-53). In diesen vier Versen kommt das Verb segnen (griech. eu-logeo) drei Mal vor. 

Was ist segnen? Segnen beinhaltet einerseits ein machtvolles Wort und ebenso eine bekräftigende Handlung, wie zum Beispiel eine Handauflegung oder das Erheben der Hände. 

Der Auferstandene hebt die Hände und segnet seine Jünger. Mit diesem Zeichen ermutigt Jesus seine Freunde und lässt ihre Zuversicht wachsen: Seine Hände, seine Nähe und Gegenwart, seine Kraft und Stärke sind über ihnen, begleiten und halten sie. 

Segnen bedeutet «Gutes sagen» und meint einerseits jemandem Gutes wünschen und gute Worte zusprechen, z.B. durch einen Segenswunsch; andererseits bedeutet es «gut von jemandem reden», also jemanden loben, preisen und danken. 

Jesus segnet seine Jünger. Er segnet sie zum Abschied – menschlich gesehen zum Abschied für immer, aus Gottes Perspektive jedoch nur für eine «kleine Zeit». Er schenkt ihnen eine Art «Erb-Segen», indem er ihnen seine Kraft weitergibt (vgl. Mt 28,18-20). Er spricht ihnen seine Gegenwart und seine Hilfe zu. Was hat er beim Segnen wohl gesagt? 

Mir kommen spontan zwei Segenstexte in den Sinn: 

Vielleicht hat er den «Aaronitischen Segen» gesprochen (Numeri 6,22-27), denn es ist, wie wenn Jesus als DER Hohepriester seinen Jüngern am Ende von seinem Dienst und Werk auf Erden seinen Segen zuspricht und mit dem Erheben der Hände den Namen Gottes und seine Gegenwart auf sie legt. Zugleich befähigt und ermächtig er sie für ihren zukünftigen Dienst in der Welt. 

Der andere Segenstext steht in Psalm 121, der mit den Worten beginnt: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Ölberg. Er wird emporgehoben, während er sie segnet und sie unter Gottes Schutz stellt. Sie schauen auf zu ihm. Jesus nimmt Abschied, aber immer wieder hat er sein Wiederkommen zugesagt. Psalm 121 endet mit den Worten: Der HERR behüte dich, wenn du gehst und wenn du kommst – jetzt und für alle Zeit (V.8). Jesus geht jetzt, aber er wird wiederkommen, und er wird ihren Eingang und Ausgang behüten und segnen. 

Letztendlich bleibt es aber ein Geheimnis, mit welchen Worten Jesus seine Jünger zum Abschied segnete. 

Während des Segnens entschwindet er ihren Augen, doch der Segen bleibt und wirkt weiter. Die Jünger werden von einer tiefen Ehrfurcht und Freude erfüllt. Indem sie sich niederwerfen, sagen sie Jesus sozusagen «Lebewohl» und bringen ihre Anbetung und Verehrung ihm gegenüber zum Ausdruck. Ihre Antwort ist wiederum Segnen, nämlich indem sie über Gott Gutes sagen, ihn loben und preisen. 

So antworten sie auf die Segnungen durch Jesus bzw. Gott mit dem Segnen Gottes, d.h. mit der Anerkennung seiner Macht, indem sie ihn loben und preisen. 

Und so warten sie von nun an voller Zuversicht im Haus Gottes auf die Verheissung Jesu: den Heiligen Geist. 

Ein gesegnetes Auffahrtsfest