Die Dunkelkammer?

Standard

 

Dunkelkammer? Biwak im Val Serdena.

Kurz vor dem Revirement 2018, v.l. die Obersten i Gst Guerini, jetzt Kdt KSK; Fehr, damals Kdt KSK; Stoll, jetzt Kdt AZ KSK.

Die zweite volle Juli-Woche neigt sich ihrem Ende zu. Es herrscht Sommerloch, Saure-Gurkenzeit. Zum dritten Mal in fünf Tagen schiesst sich eine Tageszeitung auf die Grenadierschulen ein. Der neue Vierspalter bringt zur Schule in Isone einen Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss:

“Die Schule hat den Ruf einer Art Dunkelkammer innerhalb der Schweizer Armee.”

  • “… hat den Ruf …” – reine Mutmassung, wo sind Belege? was heisst Ruf? Gerücht? Verdächtigung? Unterstellung gar?
  • “… einer Art …” – ist dem Autor doch nicht ganz wohl? entweder hat sie den Ruf oder sie hat ihn nicht, aber “einer Art”?
  • “… Dunkelkammer …” – eine Metapher wie “Schlapphüte”, “Blutdiamanten”, “Prügeltürke” gemäss dem Motto: Worte können töten.

Stimmt das?

Wer das KSK, wer Isone, Ceneri, Magadino kennt, schüttelt den Kopf. Wie andere Truppen öffnet sich das KSK immer wieder – in geordneten Bahnen, wie alle anderen auch. Drei Beispiele von unzähligen:

  • Als Bundesrat Maurer einen Tag lang das KSK inspizierte, war die Presse eingeladen. Das KSK ging so weit, dass sich selbst das AAD 10, zu Recht das geheime Element des Kommandos, in einer langen Sequenz sein Können präsentierte. Schreiben erlaubt, Fotografieren erlaubt. Die Kämpfer trugen, wieder zu Recht, Sturmhauben; das ist auf der ganzen Welt Brauch.
  • Kaj-Gunnar Sievert, anerkannter Autor zu Spezialkräften, führte eine Gruppe Offiziere völlig ungehindert zwei volle Tage durch das KSK, zuerst Fallschirmaufklärer in Magadino, dann Grenadiere in Isone. Keine Geheimnisse, Kameras klicken, Schreibblöcke werden gezückt.
  • Als die Grenadiere den 75. Geburtstag ihrer Truppe feierten, luden sie offen nach Isone ein. Der damalige Kommandant der Grenadierschulen, Oberst i Gst Guerinini, jetzt Kdt KSK, führte in aller Offenheit ins Grenadierhandwerk ein. Jeder weiss, was nicht an die Öffentlichkeit gehört; und jeder weiss, wo offen informiert werden kann. Das ist überall so.

Persönliche Beobachtung

Seit Jahrzehnten beobachte ich unsere Spezialtruppen, in Losone, Magadino, Ceneri, Isone, Val Serdena … In den letzten Jahren zusammen mit Marius Schenker, einem Spitzenkönner unter den Schweizer Militärfotografen. Wir bewegten uns stets frei, Gefechtsschiessen, Biwak, Überleben im Feld, Nachtläufe, Prüfungen und so weiter. Nie hatten wir auch nur eine Sekunde den Eindruck, in einer Dunkelkammer zu arbeiten – beide übrigens als Männer, die noch wissen, wie eng und schwarz eine richtige Dunkelkammer anmutet.

Von Marius Schenker stammen alle Bilder auf dieser Seite.

In aller Öffentlichkeit – das Können der Grenadiere.