Dr. med. Rietiker: Für faktenbasierte Corona-Politik

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Dr. med. Stephan Rietiker.

Von Dr. med. Stephan Rietiker, Generalstabsoffizier und President & Board Member AurigaVision AG, Zug, stammen folgende Forderungen zur Corona-Politik des Bundes:

1. Die Ressourcen sind gezielt unter Einbezug von Armee und zivilen Organisationen auf den Schutz und Ausbau der Kapazitäten der Alters- und Pflegeheime sowie Spitäler auszurichten. Die Anstellungsbedingungen sind zu verbessern. Positiv getestetes Personal bleibt zu Hause.

2. Monitoring der Situation nicht mehr anhand des Voodoo-R-Werts, sondern basierend auf den Kapazitäten in Spitälern/Intensivstationen.

3. Einreisende in die Schweiz sind bis zum Erreichen einer Basisimmunität engmaschig zu kontrollieren und ggf. auszuweisen. Ein weiteres Desaster à la Verbier muss verhindert werden.

4. Restaurants, Schulen und Läden sind wieder zu öffnen. Keine Home-Office Pflicht. Keine Restriktionen bei Sport im Freien.

5. BAG und Covid-Task Force sind neu zu besetzen und kommunizieren nicht mehr in der Öffentlichkeit. Die Kommunikation obliegt einzig dem Bundesrat.

Auch nach den Feiertagen überbieten sich das BAG, die Covid-Task Force sowie vereinzelte Politiker mit falschen, irreführenden und inkohärenten Aussagen, die jeglicher Evidenz entbehren. Anstatt sich mit den Fakten seriös auseinanderzusetzen, wird gebetsmühlenartig an der nachweislich falschen Strategie der Reduktion der «Fallzahlen» um jeden Preis festgehalten.

Es ist zugegebenermassen nicht einfach, den öffentlich publizierten Zahlensalat des BAG korrekt zu interpretieren. Dazu kommt die amateurhaft entwickelte, praxisuntaugliche Covid-App. Und nun kommt noch das Desaster mit der Impfstrategie dazu: obschon jedermann klar war, dass eine Impfung irgendwann einmal erhältlich sein würde, hat es der Bund unterlassen, ein funktionierendes Logistikkonzept bereit zu halten.

Wir befinden uns nun in der grotesken Situation, dass wir zwar über Impfstoff verfügen, aber aufgrund von Software-Problemen erst mit Verspätung mit dem Impfen beginnen können. Wann werden die Verantwortlichen endlich in die Pflicht genommen? 

Wir rufen die Fakten in Erinnerung: 

1. Laut BAG Statistik sind über 60% der hospitalisierten PatientInnen über 75 Jahre alt. Laut einer kürzlich publizierten Statistik des Kantons Zürich stammen 2/3 der Todesfälle aus Alters – und Pflegeheimen. Dagegen machen Infizierte am Arbeitsplatz, in Schulen und Restaurants/Bars mit je unter 5 % einen verschwindend kleinen Teil aus. Somit ist klar, dass der Ruf nach Homeoffice-Pflicht, Schliessung von Schulen sowie Beibehaltung der Schliessung von Restaurants und Bars komplett am Ziel vorbeischiessen.

Anstatt die Wirtschaft systematisch kaputt zu fahren, sollten die Ressourcen dazu verwendet werden, um wirksame Schutzkonzepte für die Alters – und Pflegeheime sowie die Spitäler zu implementieren. Daneben gilt es, dem Pflegepersonal endlich marktgerechte Löhne zu zahlen und zeitgemässe Anstellungsbedingungen anzubieten. Überdies sollten alle verfügbaren pensionierten Pflegekräfte in oder in verwandten Disziplinen (Rettungssanitäter u.a.) systematisch angegangen und integriert werden. Ganz zu schweigen von den zusätzlichen Pflegemöglichkeiten, die die Armee bieten könnte.

Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dass unsere Behörden während des Sommers geschlafen haben. Und selbstredend muss endlich verboten werden, dass positiv getestetes Pflegepersonal unter dem Deckmantel der «Systemrelevanz» ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen kann. Das ist ein Skandal. 

2. Der viel zitierte R Wert ist ein pseudowissenschaftliches Konstrukt (und wurde schon als «Voodoo» bezeichnet) einiger unerfahrener und medizinisch kaum gebildeter Professorinnen der ETH und der Universität Basel, der im Wesentlichen einen Schätzwert darstellt, der jederzeit nach Belieben manipuliert werden kann. In der klinischen Medizin wird er nicht verwendet.

BAG Statistik vom 4.1.2021: durchschnittliche Positivitätsrate mit 13% rückläufig, ebenso die Anzahl Hospitalisationen und Todesfälle. (siehe Graphik). Die durchschnittliche Belegung der Intensivbetten schwankt um ca. 75%, was nicht alarmierend ist. Weshalb BAG und Covid Taskforce weiterhin auf Panik machen, ist vor diesem Hintergrund unerklärlich. 

3. Virusmutanten: Mutationen von Viren treten immer dann auf, wenn das Virus andere/neue Verbreitungswege sucht. Bei den Mutanten aus Südafrika und Grossbritannien geht man davon aus, dass sie zwar infektiöser sind als das bisherige Virus, aber eindeutig nicht gefährlicher und durch den neuen Impfstoff abgedeckt sind. Der Ruf nach weiteren Einschränkungen entbehrt jeglicher Grundlage: durch die seitens unserer Behörden verfolgte falsche Eindämmungsstrategie wurde die natürliche Immunisierung der Bevölkerung («Basisimmunität») verlangsamt, was Tür und Tor für die Entstehung von Mutanten öffnete. 

Ob mit oder ohne Impfung: der Spuk wird bald vorbei sein! Bei gegenwärtig rund 500’000 positiv Getesteten darf derzeit aufgrund der Dunkelziffer (Faktor 6-10) konservativ gerechnet mit einer durchschnittlichen Immunitätsrate von 3 Mio. (ca. 30% der Schweizer Bevölkerung) gerechnet werden. Geht man von derzeit ca. 30’000 neuen «Fällen» pro Woche aus, kommt man pro Woche inkl. Dunkelziffer auf ca. 180’000 neue positive Fälle bzw. pro Monat auf ca. 720’000 neue positiv Getestete.

Daraus folgt, dass spätestens im April 2021 zwischen 60-70% der Bevölkerung immunisiert sein werden und wir damit eine Basisimmunität auch ohne Impfung erreichen werden. Es ist selbstredend, dass die schnelle und reibungslose Impfkampagne diese Entwicklung noch beschleunigen würde.