Donnerschlag in Russland

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In Moskau beschloss die Staatsduma, das russische Parlament, dass der 67-jährige Präsident Putin 2024 erneut für das Staatspräsidium kandidieren darf. Die Duma änderte die Verfassung so ab, dass Putins dannzumal vier volle Amtszeiten „annulliert“ werden.

  • Vorbehalten bleibt die Zustimmung des Verfassungsgerichtes und des russischen Volkes. Das Volk soll in einem Referendum am 22. April 2020 über die Verfassungsänderung abstimmen.
  • Den Antrag, Putins bisherige Amtszeiten seien zu „annullieren“, kam von der Abgeordneten, die 1963 als erste russische Kosmonautin ins All geflogen war.
  • Im Januar hatte Putin zu einem ersten Donnerschlag ausgeholt, als er ankündigte, die Duma und das Volk erhielten mehr Kompetenzen. „Was steckt dahinter?“ rätselten Legionen Kremlologen. Jetzt erteilte der Präsident selbst die Antwort.
  • Nach Putins Dankesrede verabschiedete die Duma den Präsidenten mit einer stehenden Ovation.

Putin de facto seit dem 1. Januar 2000

  • In den späten 1990er-Jahren förderte Präsident Jelzin den ex-KGB-Offizier Putin. Per 1. Januar 2000 machte er ihn zum Nachfolger.
  • 2008, nach zwei Amtszeiten, musste Putin das Präsidium dem Platzhalter Medwedjew abtreten. Schon im fünftägigen Georgienkrieg, den er persönlich führte, machte der zum Premier „degradierte“ Putin indes klar, dass er immer noch das Sagen hatte.
  • 2012 trat Putin die dritte Amtszeit bis 2018 an. 2014, nach der Krim-Annexion, war er auf dem Höhepunkt seines Ansehens.
  • Seit 2012 dauern die Amtszeiten sechs Jahre. 2018 wählte das Volk Putin erneut zum Staatschef — bis 2024.

Stalin herrschte 29 Jahre, Breschnew 18 Jahre

  • Stalins Schreckensherrschaft dauerte von 1924—1953, mithin 29 Jahre.
  • Breschnew beherrschte die Sowjetunion von 1964—1982, mithin 18 Jahre.
  • Sollte das russische Volk Putins neuesten Coup billigen und ihn 2024 zum fünften Mal wählen, könnte der Präsident de facto Stalin überholen.