Donezk: Vorstoss mit TOS-1-Flammenwerfern

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Der schwere Flammenwerfer TOS-1A in der Raupenversion.

  • Am 19./20. Mai 2022 erzielten russische Panzer- und Mot-Schützenverbände im Donbass einen ersten taktischen Durchbruch. Nach der Eroberung des Ortes Popasna stiessen sie mit Erdkampf-, Artillerie- und Flammenwerfer-Unterstützung vor.
  • Aufsehen erregt der Einsatz schwerer Flammenwerfer TOS-1A “Solntepek”. Am Popasna-Frontabschnitt wurden TOS-1A mit dem charakteristischen Aufbau auf dem Panzer festgestellt. Mit seinen 24 Flammenwerferrohren ist er schwer mit anderen Waffen zu verwechseln.
  • Die zwei Dutzende Rohre speien Feuer aus dem überschweren Kaliber 300 mm, das der TOS-1A mit den Stalinorgeln 9A52 Smerch oder 9A54 Tornado-S gemeinsam hat.
  • Schon im Februar und März meldeten in der Schlacht um Charkow die Verteidiger das Auftauchen eines TOS-1A-Ungetüms. Der Flammenwerfer soll in den Vororten der Millionenstadt schweren Schaden angerichtet haben.
  • In der Ukraine wurde bisher nur die Raupenversion des TOS-1A beobachtet. 2020 zeigte die Armee  an der “Siegesparade” auf dem Roten Platz die Version auf einem Radfahrgestell, doch rollte 2021 und 2022 in der Kolonne nur das Raupenmodell über den Paradierplatz.
  • Vom Popasna-Frontvorpsrung meldeten beide Parteien auch den konzentrierten Einsatz von Haubitzen, Kanonen, Raketenwerfern und Mörsern.

ISW-Karte vom 19. Mai 2022.

  • Die Konzentration des weit reichenden Feuer belegt: Für den russischen Generalstab wiegt der Auftrag der politischen Führung schwer, es seien die beiden Donbass-Oblast Lugansk und Donezk in der amtlichen Grenzen ganz in Besitz zu nehmen.
  • Im Moment dominiert das Ziel, die Stadt Serevodonezk am äussersten Nordosten der Donbassfront sei ganz zu erobern.
  • Wie die ISW-Lagekarte vom 19. Mai 2022 zeigt, sind von Popasna (im grossen grünschwarzen Kreis) die kleine und die grosse Zange denkbar. Die kleine würde Severodonezk eng einschliessen. Die grosse führt zum Zwischenziel Slawiansk an der Europastrasse E-40 (M03), die von Izjum im Nordwesten diagonal durch die Karte verläuft.
  • Seit Generalstabschef Gerassimows Frontinspektion greifen die Russen auch an der Izjumachse wieder mit starken Verbänden an. Gelb sind russische Terraingewinne eingezeichnet. Allerdings sind die Angreifer von der grossen Zange von Nordwesten und Südosten her noch sehr weit entfernt. Und sie erkauften die letztlich fast marginalen Geländegewinne mit viel Blut und empfindlichen Materialverlusten.
  • Der Durchbruch bei Popasna ist, wie gesagt, rein taktischer, nicht operativer Natur. Die ukrainischen Verteidiger sind gut eingegraben und reagieren schnell auf russische Verlagerungen. Zugute kommt ihnen der vorzügliche Geheimdienst der polnischen, britischen und amerikanischen Verbündeten.