Donbass: Nahkampf gegen Speznaz auf 15 Meter

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RPG-7 im weissrussischen “Bataillon Belarus”.

Es folgt einer der seltenen Frontberichte. Die westlichen Medien rapportieren vorzugsweise über Flüchtlinge und aus den Frontorten vom schweren Leid der Einwohner. Das ist ihr gutes Recht: Das können sie auch. Detaillierte Aussagen von Frontsoldaten dagegen sind rar.

Die folgenden Aussagen weissrussischer Söldner entfalten aus der Schlacht um Lysychansk eine gewisse Logik. Zum Verlauf jenes Ringens liess sich aus Communiqués beider Parteien ein schlüssiges Lagebild konstruieren. Diesem entsprechen die Gespräche, die weissrussische Gefangene mit dem örtlichen Kommandantengeführt haben sollen. Trotz der denkbaren Authentizität merken wir an: Von ukrainischer Seite fehlt jegliche Bestätigung. Aber die Lektüre lohnt sich, namentlich auch zum Wald- und Nahkampf – und zum Einsatz der gepanzerten Fahrzeuge Tigr.

Abwehrkampf zusammen mit Georgiern 

In der Schlacht um Lysychansk kämpfte gegen die Russen auch das weissrussische “Bataillon Belarus”. Die Weissrussen hatten zuerst den Auftrag, mit Georgiern die örtlichen Erdölanlagen zu halten. Dann sollten sie den Rückzug der schweren Waffen decken. Die meisten Söldner wurden gefangen genommen. Nun gibt Russland Gespräche mit Gefangenen frei. Diese berichten von den Gefechten, die sie um die Raffinerie und dann auf der ukrainischen Flanke gegen die angreifenden und durchstossenden Russen führten.

  • Zuerst waren die Weissrussen an der Front bei der Ölraffinerie Lysychansk engagiert. Diese liegt ganz im Westen der Stadt, in Richtung Siversk–Slaviansk-Kramatorsk, direkt in der russischen Angriffsachse.
  • Die überlebenden Söldner erzählten dem russischen Militärkommandanten, die Raffinerie sei hart umkämpft gewesen. Die Verteidiger hätten Auftrag gehabt, die Anlage möglichst lang zu halten und so russische Truppen zu binden.
  • Die Weissrussen hätten zusammen mit Georgiern gegen die Russen gekämpft. Aber alles habe nicht mehr gefruchtet: Ukrainer, Georgier und die Einheit des “Bataillons Belarus” gaben die Raffinerie preis und mussten sich zurückziehen.

Nahkampf im Walde

  • Die Führung habe auch den Söldnertruppen neue Abwehrabschnitte zugeteilt. Nun sei es darum gegangen, den Korridor offenzuhalten, durch den die Ukrainer ihre Panzer und Geschütze in den Raum Siversk zurückbrachten. Mit diesem Rückzug hätten sie ihr schweres Material vor dem Zugriff der Russen gerettet.
  • Der neue Abschnitt habe sich am Übergang vom offenen Gelände in die ausgedehnten Wälder im Raum Lysychansk–Sewerodonezk befunden. Sie, die Weissrussen, hätten am Waldrand und dahinter neue Stellungen bezogen. Gegen die angreifenden Russen sei es zum Kampf auf kurze Distanz gekommen. Nun hätten die Kämpfe teils auf eine Entfernung von 15 Metern getobt.
  • Die Weissrussen hätten versucht, das Gefecht aus der Deckung zu gewinnen. Sie seien von Loch zu Loch gekrochen, hätten die Stellung gewechselt, um die Russen zu überraschen – und alle hätten geschossen. Aber der Kampf sei verloren gewesen.

Ein Weissrusse gegen fünf bis zehn Speznaz

  • Die Russen hätten  Maschinengewehre auf sie gerichtet. Auch hätten sie mit schweren Waffen in den Wald geschossen und versucht, belarussische Stellungen zu zerstören. Die Übermacht der Angreifer sei erdrückend gewesen. Je nach Abschnitt sei ein Weissrusse fünf bis zehn Russen gegenübergestanden. Dazu ergänzen die russischen Quellen, dass es sich bei den Angreifern um Spezialkräfte – lies: Speznaz – gehandelt habe.
  • Die Weissrussen, die das Glück hatten zu überleben, seien zu einer Sammelstelle für Gefallene gebracht und von der Front evakuiert worden. Ein letzter Rest habe sich im offenen Gelände auf die nächste Anhöhe durchgeschlagen, sei aber von Kampfpanzern und gepanzerten Fahrzeuge Tigr ausgeschaltet worden.