Die Wagner-Söldner, schon wieder – aber falsch

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Der Speznaz-Oberst Dmitri Utkin gründete die Wagner-Truppe.

Ja, die Söldner-Armee Wagner macht oft keine Gefangenen. Ja, sie massakriert, wider jegliches Recht, überwältigte Gegner, weil sie „Feinde nicht füttern will.“ Ja, sie steht im Dienst des Kremls – und es kann sein, dass sie der Generalstab in Moskau im Gewaltaufmarsch gegen die Ukraine irgendwo irgendwie als Mini-Rädchen einplant.

Da sträubt sich die Feder

Aber die Wagner-Kriegsverbrecher gleich derart überhöhen, wie das gestern in der seriösen Sonntagspresse geschah? Da steht schwarz auf weiss:

  • “Die Besetzung der Krim 2014 erledigten Söldner der Wagner-Gruppe.“
  • „Nun könnte sie (die Wagner-Gruppe) im Ukraine-Konflikt eine entscheidende Rolle spielen.“

Barer Unsinn! Da sträubt sich die Feder – und der Computer stürzt ab. Die lautlose Besetzung der Krim war 2014 eine generalstäblerisch geplante Operation, die General Gerassimow mit der ersten gross angelegten Hybrid-Offensive der Geschichte eingeleitet hatte.

Der militärische Anteil der Krim-Annexion wurde von Spezialkräften und ausgewählten Spitzenverbänden des russischen Heeres getragen. Die Speznaz kamen direkt aus Sotschi, wo sie die Olympischen Spiele gesichert hatten.

Aber Wagner-Infiltranten? Längst war die Halbinsel fest in russischer Hand, als Journalisten in Sewastopol „kleine grüne Männchen“ entdeckten, die sie als Wagner-Söldner identifizierten. Nur steht zweifelsfrei fest: Der russische Generalstab vertraute die stille Eroberung der Krim erfahrenen, differenzierten Kräften an, nicht den unzuverlässigen, oft fremden Söldnern einer soeben gegründeten Pseudo-Armee.

Ein Mini-Rädchen, mehr nicht

Dasselbe in Grün, 2022. Präsident Putin lässt je nach Quelle zwischen 100‘000 und 175‘000 Mann aufmarschieren. Die Ballungsräume verraten ein Angriffsdispositiv, das den ukrainischen Generalstab dazu zwingt, seine Kräfte zu verzetteln, wenn er für den Tag X überall präsent sein will. Und da soll die Wagner-Truppe „eine entscheidende Rolle spielen“?

Yelnya. Minutiös geplanter Aufmarsch: Panzer, Geschütze, Lastwagen – und da sollen Wagner-Söldner “eine entscheidende Rolle spielen”?

Nicht einmal als agents provocateurs taugen Oberst Utkins Kriegsknechte. Wenn Provokationen den Vorwand für Offensiven schaffen, setzt Russland seine bewährten Speznaz an. Der britische General Shirreff liefert die Vorlage: In seinem Meisterwerk War with Russia lässt Major Vronsky vom 45. Speznaz-Regiment in Riga ethnische Russen erschiessen, um den Überfall der 76. Luftlandedivision aus Pskow zu provozieren.

Hätte die NZZ-Schreiberin Petra Ramsauer ihren Shirreff gelesen, wüsste sie: Um im weltweit gefährlichsten Nervenkrieg seit Kuba 1962 eine Schlüsselrolle zu spielen, braucht es mehr als einen kriminellen Söldnerhaufen.

Das Emblem des 45. Garde-Speznaz-Regimentes.

Yevgeni Prigoshin, Putins “Koch” und Verbindungsmann zur Wagner-Gruppe.