Die Türken rochen den Braten

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Das Emblem des türkischen Geheimdienstes MIT mit dessen Gründer Atatürk.

  • In westlichen Demokratien rollen Köpfe. Minister büssen dafür, dass sie den Taliban-Durchmarsch nach Kabul nicht rechtzeitig erkannten. In den Niederlanden trat die Aussenministerin zurück, in London degradierte Premier Johnson seinen Vertrauten Raab zum Justizminister.
  • Andere rochen den Braten früher. Die Franzosen leiteten ihren finalen Rückzug schon im Juni ein; militärisch hatten sie als erster NATO-Staat ihre Verbände eh vor allen anderen zurückgenommen. Der türkische Geheimdienst richtete früh eine Fluchtroute für verbündete Afghanen ein. Zu letzterer Operation kennt der amerikanische Dienst “Intel News” Details.

USA überliessen Türken temporär eigenen Sektor

  • Demnach wurde in der türkischen Botschaft in Kabul ein Evakuationsplan erarbeitet – für den Fall, dass die Taliban in die Hauptstadt eindringen. Als es am 15. August 2021 so weit war, setzten die Türken den Plan um.
  • Sie hatten mit den amerikanischen Streitkräften, die den Flughafen beherrschten, eine Absprache getroffen: Auf dem Flugfeld erhielt die türkische Armee temporär einen eigenen Sektor, den ihre Soldaten sicherten. Eine Maschine der türkischen Fluggesellschaft landete in Kabul und wurde zum abgesperrten Sektor geleitet.

August 2021, Flughafen Kabul: Türkische Soldaten.

  • Türkische Soldaten brachten rund 40 prominente Afghanen zum Flugzeug, das nur kurze Zeit auf dem Tarmac verweilte und die “Flüchtlinge” rasch ausflog. Unter den Würdenträgern befanden sich Mohammad Hanif Atmar, der Aussenminister der Ghani-Regierung, deren Vizepräsident Sarwar Danish – und Ghanis Geheimdienstchef.
  • Unschwer ist zu erkennen, welch enormes geheimes Wissen die Türken in ihr Land schafften. Die gut drei Dutzend hochrangiger Afghanen erhielten politisches Asyl und stehen dem türkischen Geheimdienst Millî İstihbarat Teşkilâtı (MIT) zur Verfügung.