Die Schlacht um Midway

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Sieger: links Spruance, rechts Nimitz.

Der Dritte im Bunde: Fletcher.

Text Dr. Peter Forster, Illustrationen jap. und amerikan. Kriegsarchive

Im Sommer 1942 stand Admiral Yamamoto Isoroku im Zenit seines Ansehens. Am 7./8. Dezember 1941 hatten die Flieger seiner kaiserlich-japanischen Flotte in Pearl Harbor der amerikanischen Navy schwer zugesetzt. Sie überfielen deren Pazifik-Stützpunkt wie aus dem Nichts und zerstörten mehrere Schlachtschiffe, aber keine Flugzeugträger.

Am 26. März 1942 setzte Yamamoto in Japan und auf den Marianen erneut eine redoutable Armada in Marsch – wieder gegen den Hauptfeind, die USA.

Mitten im Stillen Ozean waren dem japanischen Admiralstab das Midway-Atoll ein Dorn im Auge. Die Sand- und die Ost-Insel, letztere mit Flugfeld, lagen 1’660 Kilometer westwärts Hawaii. Nach der Katastrophe von Pearl Harbor strebten die USA den Besitz der Kette Hawaii–Midway–Wake–Guam–Philippinen an. Und Midway, das erste, wertvolle Zwischenglied, befand sich in ihrer Hand.

Die präzisen Originalkarten von 1942 sind grafisch teils schwer abzubilden, spätere Karten oft oberflächlich. Diese neuere US Karte zeigt summarisch Hauptzüge: rot Japan, blau USA.

Grafische Bearbeitung einer US Originalkarte.

In etwa die Ausgangslage zur Entscheidungsphase 4. Juni 1942: weiss vier jap. Träger, grau drei von der US Navy, grün die Midway-Inseln.

Die Manöver vom 4. Juni: blau Japan, schwarz USA.

See-, Luft- und Landeoperation

Yamamoto plante einen ausgeklügelten See-, Luft- und Landungsschlag. Militärisch war sein Plan nicht ganz so genial wie der Überfall auf Pearl Harbor. Kritiker warfen dem Admiral vor, er habe – im Gegensatz zu 1941 – kein Schwergewicht gebildet und Kräfte verzettelt. Yamamoto teilte seine Streitmacht auf:

  • Von Shikoku aus fuhr die 1. Flotte an den Bonin-Inseln vorbei ostwärts. Vizeadmiral Nagumo Chuichis 1. Trägerkampfgruppe, die Kido Butai, sollte die Landung auf Midway mit massiven Luftschlägen vorbereiten und den Gegner sturmreif schiessen. Überdies sollte sie der amerikanischen Seestreitmacht die Stirn bieten – alles in allem ein ehrgeiziger Auftrag.
  • Mehrere 100 Seemeilen dahinter befehligte Yamamoto die Hauptflotte. Er suchte die Schlachtschiffe vom Flaggschiff Yamato aus zu steuern. Die Yamato war damals das grösste Kriegsschiff der Welt (62’313 Tonnen, 27 Knoten, neun 45,6-cm-Geschütze). Überlange Distanzen und die Funkstille erschwerten Yamamoto die Führung.
  • Ebenfalls von Shikoku aus stach Vizeadmiral Kondo Nobutake mit der 2. Flotte in See. Kondo führte den Midway-Invasionsverband. Seine Schiffe hatten 6’500 kampferprobte Marine-Infanteristen an Bord, die auf der Sand- und der Ostinsel landen sollten. Insbesondere sollten sie den amerikanischen Luftstützpunkt in Besitz nehmen.
  • Von Guam aus steuerte eine Transportflotte den Zentralpazifik an. Der Logistikkonvoi sollte den Nachschub sichern.
  • Vor Hokkaido, Japans nördlicher Hauptinsel, hatten sich die Einheiten der 2. Trägerkampfgruppe versammelt. Der auch in Tarnung und Täuschung erfahrene Vizeadmiral Hosogaya Boshiro führte die schwache Nordflotte in Richtung Alëuten. Zwei Flugzeugträger sollten den Gegner ablenken. Das gelang nicht. Im Nordpazifik verzettelte Admiral Yamamoto wertvolle Kraft.

Der fähige Gegner: Admiral Nimitz

Yamamotos fähiger Gegenspieler war der deutschstämmige Texaner Chester Nimitz. Am 31. Dezember 1941 übernahm der Admiral vom unglücklichen Husband Kimmel den Befehl über die Pazifikflotte. Überlegt, im entscheidenden Moment mutig, aber nicht tollkühn war er ein Glücksfall für die USA und deren Alliierte, die Briten und die Niederländer.

Der japanischen Übermacht setzte Nimitz entgegen, was von der stolzen Pazifikflotte nach Pearl Harbor übrig geblieben war. Er wertete die Flugzeugträger auf und gliederte sie in Task Forces, zu deutsch in Kampfgruppen.

Deren Kern bildeten Träger. Kreuzer und Zerstörer schützten, Tanker und Tender versorgten sie. Je nach Auftrag und Lage stellte Nimitz seine Kampfgruppen wieder um. In der Hierarchie übernahm der Träger nun eindeutig den ersten Rang – vor den Schlachtschiffen, die in Pearl Harbor so brutal getroffen worden waren.

Nach Pearl Herbor 1941 übernehmen in der Hierarchie der US Navy Flugzeugträger die Spitze.

Zudem besass Nimitz im Pazifik eine schlagkräftige U-Boot-Waffe mit 60 modernen Einheiten. Er war ein vom Krieg gestählter U-Boot Mann (nachdem er 1908 in jungen Jahren den Zerstörer USS Decatur auf Grund gesetzt hatte, teilte ihn die Marineführung zu den pigboats um, zur U-Boot-Flotte, was er jedoch nicht als Strafe empfand).

Übermacht trotz Verzettelung

Yamamoto Isorokus Streitmacht war den Amerikanern im Faktor Kraft trotz Verzettelung überlegen. Er warf fast die gesamte Vereinigte Flotte in die Waagschale: elf Schlachtschiffe, die vier grossen Träger Akagi, Kaga, Soryu und Hiryu, vier leichte Träger, vier Seeflugzeugträger, 18 schwere und acht leichte Kreuzer, 55 Zerstörer, 23 Transporter, 13 Tanker und 20 U-Boote.

Akagi.

Kaga.

Soryu.

Hiryu.

Auch die japanische Luftstreitmacht rückte stark heran. Sie umfasste 111 Jäger, 117 Torpedobomber, 87 Sturzkampfbomber, vier Aufklärer, 114 Seeflugzeuge und 33 speziell assignierte Jäger, die an Bord von Trägern transportiert wurden. Sie sollten den zu bildenden Luftstützpunkt Midway alimentieren.

Der Doolittle Raid

Chester Nimitz nutzte, unterlegen, wie er in Sachen Kraft war, die Faktoren Raum und Zeit. Im Stillen Ozean kamen kühner Angriffsgeist, Kaltblütigkeit, vorausschauende Aufklärung und extrem belastbare Logistik zum Tragen.

Ins Kapitel Mut und Initiative fiel schon der legendäre Doolittle Raid vom 18. April 1942. Der charismatische Luftwaffenoberst James Doolittle startete 650 Seemeilen (1’205 km) ostwärts Tokio auf dem Träger Hornet mit 16 Bombern vom Typ B-25 zum Flug über die japanische Hauptstadt – mit Ziel China; für die Rückkehr zur Hornet reichte der Treibstoff nicht.

Bomber B-25 Mitchell an Bord der USS Hornet.

James Doolittle.

Auf Befehl des Präsidenten Roosevelt versetzten Doolittles Bomben auf Tokio Japans Führung in Angst und Schrecken. Die jäh ausgelöste Nervosität trieb den Kronrat, den General- und Admiralstab zu überhastetem Aktionismus. Yamamoto profitierte: Er setzte den Angriff auf Midway durch, vor dem seine Rivalen gewarnt hatten.

Die Alëuten oder Midway?

Der Pazifik misst von Chile bis Indochina 8’600 Seemeilen (15’920 km). In der Nord-Süd-Ausdehnung ist die strategische Beringstrasse von der Antarktis 4’860 Seemeilen (9’000 km) entfernt. Von den Sammelpunkten im Westen peilte Yamamoto das Ziel Midway über 3’305 Seemeilen (6120 km) an. In Anbetracht dieser Distanzen sollte den Sieg davontragen, wer vom Gegner mehr wusste als dieser von ihm.

Über Pearl Harbor hatte Yamamoto die Amerikaner noch kalt erwischt. Ein halbes Jahr später spielte Admiral Nimitz seinen stärkeren Nachrichtendienst gnadenlos aus. Die zweimotorigen Flugboote PBY-5/-5A Catalina klärten den Feind aus der Luft auf; im Nonstop-Flug bewältigten sie 2’000 Seemeilen (3’704 km).

In seinem HQ liess Nimitz dem eigenwilligen Chef Kryptografie, dem Fregattenkapitän Joseph Rochefort, freie Hand. Rochefort dankte dem Befehlshaber früh mit dem genauen Angriffstag der Japaner. Schon am 25. Mai meldete er, Yamamoto habe Kondos Landeoperation auf den frühen Morgen des 4. Juni angesetzt; was auf die Stunde stimmte.

Ebenso klug ging Rochefort vor, als Nimitz Gewissheit zum Angriffsziel verlangte: “Sind es die Alëuten oder ist es Midway?” Der Admiral musste das wissen. Zahlenmässig unterlegen, musste er seine Kräfte in maximal zwei Kampfgruppen bündeln, die er erst noch einem gemeinsamen Kommando zu unterstellen gedachte. Die USA durften es sich nicht erlauben, ihre neue Hauptwaffe, die Trägerflotte, zu verzetteln.

Rochefort greift zur Kriegslist

Die Alliierten hatten den japanischen Funkcode JN-25 geknackt. Nach der Schlacht im Korallenmeer (7./8.Mai 1942) fing Rocheforts Abhörstation OP-20-G einen Einsatzbefehl an alle feindlichen Träger ab. Für Yamamotos Ziel Midway hatten die japanischen Kryptologen das Kürzel AF eingesetzt.

Die Japaner pflegten im Pazifikkrieg Ziele zu codieren. Rabaul im Bismarck Archipel war R, Saipan PS, Oahu auf Hawaii AH, Port Moresby am Golf von Papua RZP. Mehrere A-Codes bezeichneten Inseln im Grossraum Hawaii. Rochefort vermutete, AF könnte Midway sein. Nun griff der Fregattenkapitän zur Kriegslist. Über ein geschütztes Seekabel wies er den Kommandanten auf Midway an, unverschlüsselt einen Funkspruch nach Hawaii abzusetzen: “Melden Sie offen, Midway mangle es an Wasser.”

Prompt kroch der Gegner dem schlauen Rochefort auf den Leim. Im Tagesrapport teilte die Zentrale allen Schiffen mit, auf AF gehe das Wasser aus. So identifizierten die Amerikaner das Angriffsziel zweifelsfrei. Sie hatten dann noch das Erfolgsergebnis, dass der feindliche Nachschub für die Garnison auf Midway zusätzlich ein Tankschiff mit Frischwasser mitführte.

48 Stunden, nicht drei Monate

Sofort befahl Chester Nimitz alle Flugzeugträger nach Pearl Harbor. Die USS Yorktown war im Korallenmeer übel zusammengeschossen worden. Am 27. Mai lief sie auf Hawaii im Trockendock ein. Nimitz wurde beschieden, die Reparatur dauere drei Monate. “Kommt nicht in Frage”, konterte der Admiral, “zwei Tage und nicht mehr.”

In einem Kraftakt sondergleichen reparierten 1’400 Werftarbeiter den Träger in 48 Stunden. Tag und Nacht trennten sie mit Schneidbrennern verbogenen Stahl ab. Zerschossene Platten wurden nicht ersetzt und die Löcher einfach mit Stahl überplattet.

Wie sich Yamamoto täuschte

Weder logistisch noch im Geheimdienst waren die Japaner Nimitz gewachsen. Gravierende Schwächen warfen sie in der Elektronischen Kriegführung zurück. In der Funkmessortung und im Radarkrieg hatten sie den Anschluss verpasst.

Admiral Yamamoto.

Yamamoto unterstellt: Nagamo.

Zu ihrem eigenen Schaden arbeiteten in Tokio das Heer und die Marine oft gegeneinander. Die Teilstreitkräfte beäugten sich misstrauisch. Die Chefs des Generalstabes, Sugiyama Hajime, und des Admiralstabes, Nagano Osami, waren sich spinnefeind. Das Imperiale Oberkommando besass keinen integrierten Stab. Es fehlte auch beim Angriff auf Midway die Kooperation. Der Oberbefehlshaber, Kaiser Hirohito, verhielt sich passiv.

Anfang Juni 1942 übte Yamamoto Isoroku seine Befehlsgewalt nur begrenzt aus. Es herrschte Funkstille, wie vor Pearl Harbor. Nagumos Kido Butai  hatte sich vom Flaggschiff der Vereinten Flotte ostwärts um 600 Seemeilen (1’110 km) entfernt. Yamamoto übermittelte die Ergebnisse seiner limitierten Funkaufklärung nur an Schiffe in Sichtweite. So erfuhr Nagumo nicht, dass die Abhörer an Bord der Yamato schon am 30.März von Pearl Harbor her Signale meldeten, die auf das Auslaufen gegnerischer Flugzeugträger hinwiesen.

Versagt hatte die U-Boot-Aufklärung, die Yamamoto um Hawaii aufgezogen hatte. Er vertraute immer noch auf den Überraschungseffekt zu seinen Gunsten: Seine Operation würde am 4. Juni in der Midway-Landung kulminieren – wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Darin sollte sich Japans bedeutendster Stratege gründlich täuschen.

Dem Gegner die Initiative entreissen

Im Gegensatz zum Gegner verfolgte die amerikanische Führung ihr Ziel einheitlich. Nach dem Rückschlag von Pearl Harbor galt es, den Stützpunkt Midway zu schützen, dem Gegner möglichst schweren Schaden zuzufügen und ihm das Gesetz des Handelns zu entreissen. Nimitz war entschlossen, für die USA die Initiative zu erringen – und zu behalten.

Er wusste: Der Invasionsverband näherte sich Midway von Westsüdwesten her. Den Luftangriff erwartete er von Nordwest. Am 27. Mai legte die Task Force 16 mit den Trägern USS Enterprise und USS Hornet in Richtung Nordosten ab. An der Spitze der Kampfgruppe hatte Konteradmiral Raymond Spruance den erkrankten William Halsey abgelöst.

USS Enterprise.

USS Hornet.

USS Yorktown.

Nur zwei Tage danach stach die USS Yorktown unter Konteradmiral Frank Fletcher in See. Fletcher befehligte die Task Force 17 und gleichzeitig den ganzen Trägerverband, inklusive die Kampfgruppe 16. Die Yorktown war Fletchers Flaggschiff. Spruance kommandierte die Task Force 16 von der USS Enterprise aus.

Die drei Träger wurden je von zwei Kreuzern und sechs Zerstörern begleitet.

Spruance – “Feiner Mann von noblem Charakter”

Raymond Spruance hatte zuvor die 5. Kreuzerdivision kommandiert. Nun fuhr er – als Ersatz für Halsey – einem Auftrag entgegen, wie er ihn im Kampf noch nie ausgeübt hatte: der Führung von Trägern in einer Seeluftschlacht. Der 56-jährige Konteradmiral wuchs am 4. Juni über sich hinaus. Aggressiv, sobald der Gegner Schwächen zeigte, zurückhaltend, wenn es galt, Gewinne zu konsolidieren, behielt er in der Hektik des Gefechts kühlen Kopf. Der Marinehistoriker Morison nannte seine Führung superb. Admiral Nimitz lobte ihn als feinen Mann von noblem Charakter. Für Midway erhielt der persönlich bescheidene Spruance die Distinguished Service Medal.

Die Träger wurden alle von je zwei Kreuzern und sechs Zerstörern begleitet.

Wie von Nimitz angeordnet, bezogen die beiden Kampfgruppen rund 300 Seemeilen (555 km) nordostwärts Midway Position. Den Catalina-Flugbooten erteilte Nimitz den Auftrag zu Aufklärungsflügen in einem Radius von 600 Seemeilen (1’110 km) von Midway aus.

Erste Konfrontation

Die Schlacht um Midway setzte am 3. Juni rund 470 Seemeilen (870 km) westsüdwestlich des Atolls ein. Eine Catalina hielt den Kurs der japanischen Transportflotte exakt fest und meldete die Daten ans Kommando. Um 16.24 Uhr griffen B-17-Bomber den Konvoi an, ohne zuerst grossen Schaden anzurichten. Am 4. Juni beschädigten die Amerikaner die Akebono Maru, einen von Kondos Tanker.

Der Kampf der Flugbotte: Catalina (USA) gegen …

… die mächtigen Kawasaki (Japan).

Der 4. Juni 1942 ging als eigentlicher Schlachttag in die Annalen ein. Wieder war es eine Catalina, die den Trägerverband des Vizeadmirals Nagumo entdeckte, auch er mit Kurs auf Midway. Als der Pilot um 5.30 Uhr der Zentrale meldete, er habe die Träger des Feindes entdeckt, befand sich Nagumo noch 200 Seemeilen (370 km) von Midway entfernt; wie erwartet näherte er sich dem Operationsziel von Nordwesten.

Rund 100 Bomber und Jäger

Ein zweiter Flieger bestätigte die Nachricht des ersten und ergänzte, die Japaner flögen mit rund 100 Jägern und Bombern auf Midway zu. In der Tat hatte Nagumo um 4.30 Uhr die Attacke auf die Amerikaner ausgelöst. Ohne Zeitverzug starteten auf der Ost-Insel:

  • Von der Staffel VMSB-241 16 Sturzkampfbombern SBD-3 Dauntless. Diese sollten sich als stärkste Waffe der Verteidiger erweisen.
  • Von derselben Staffel VMSB-241 elf Sturzkampfbomber SB2U-3 Vindicator, auch das starke Maschinen.
  • Vom Detachement VT-8 sechs Torpedobomber TBF-1 Avenger, ohne eigene Jäger den gegnerischen Mitsubishi-A6M Zero schutzlos ausgesetzt.
  • Von der 69th Bombardement Squadron/3rd BG(M) vier mittlere Bomber 26-B Marauder mit je einem Torpedo an Bord.
  • Von der 431st Bombardement Squadron 14 schwere Bomber B-17E Flying Fortress; teils waren sie noch Invasionsverband in der Luft, als sie Befehl erhielten, sich der weit gefährlicheren Trägerflotte anzunehmen.
  • Von der Jagdstaffel VMF-221 17 F4F-3 Wildcat und 20 F2-3 Buffalo.

Der Kampf auf Leben und Tod entbrennt

Um 6.15 Uhr, als die Staffel VMF-221 mit ihren Wildcat und Buffalo versucht, die Japaner noch vor Midway abzufangen, entbrennt der Kampf auf Leben und Tod, der erst am 6. Juni mit der Versenkung der Yorktown enden wird. Von den frühen Morgenstunden des 4. Juni an ergeben die Kriegstagebücher einen wahrhaft dramatischen Schlachtverlauf.

Noch vor 6.30 Uhr: Die amerikanischen Jäger verlieren den ersten Luftkampf gegen die wendigeren Zero. Sie verlieren alle F4F-3 und F2-3.

6.30–6.50 Uhr: Bombardement auf beide Midway-Inseln. Auf der Ost-Insel bleiben das Flugfeld und die Pisten weitgehend intakt. Auf der Sand-Insel zertrümmern die Angreifer den Hangar der Flugboote und einen Teil des Oellagers.

Nagumos Fehler

Dass der Angriff den Luftstützpunkt nicht zerstörte, verleitete Chuichi Nagumo zum zweiten schweren Fehler seiner Laufbahn.

Den ersten hatte er am 7. Dezember 1941 begangen. Nachdem von Pearl Harbor die erste und die zweite Welle auf die Akagi zurückgekehrt war, verzichtete er auf eine dritte. Gegen den Rat seiner Unterführer machte er für sein Nein die schwierigen Abläufe an Bord seiner Träger geltend. Der Wechsel der Flugzeuge vom Hangar zum Deck und umgekehrt war einer gewissen Mechanik unterworfen, die Nagumos Männer indes beherrschten.

7 Uhr vor Midway: Nagumo empfängt die Meldung des Leutnants Tomonaga Joichi, der feindliche Stützpunkt sei nicht zerstört. Wieder ordnet der Vizeadmiral eine verhängnisvolle Umstellung der Munition an: die Umrüstung von Torpedos auf Bomben und von See- auf Landzielbomben. Schliesslich will er den Midway-Auftrag ganz erfüllen; doch Nagumo beraubt seine Schlachtflieger im kritischen Moment der Munition gegen Seeziele.

Aber auch den Amerikanern unterläuft in der Anfangsphase ein Fehler. Sie setzen ihre Jäger gesamthaft gegen die anfliegenden Japaner ein – statt teils zum Schutz der eigenen Bomber. Das heisst mit bösen Folgen: Die Streitmacht, die Nagumos Träger attackieren, fliegt bar jeglichen Geleitschutzes. Sie erleidet schwere Verluste: fünf von sechs TBF-Avenger, zwei von vier B-26, acht von 16 SBD-2, drei von elf SB2U-3. Die Trefferausbeute ist gering.

Spruance und Fletscher greifen an

7 Uhr: Auf der USS Enterprise ringt der Kommandant der Task Force 16, Konteradmiral Raymond Spruance, um seinen Entschluss. In zwei Minuten entscheidet er: “Zurückschlagen, angreifen, in der Tiefe!” Er gibt den Befehl zum Gegenschlag und lässt 117 Flugzeuge abheben. Sechs Jahrzehnte später sollte General Jim Mattis, als Offizier des Marine Corps einer der Feldherren des 21. Jahrhunderts, Spruances Entschlusskraft würdigen: “Zwei Minuten, die die Flut im Pazifik wendeten. So gewinnt man Kriege.”

Das Rückgrat des Angriffsverbandes bilden 68 Sturzkampf- und 29 Torpedobomber. Die Stuka Douglas SBD-3 sind dem Gegner überlegen, die Torpedowaffen der Douglas TBD-1 weniger. Spruance befiehlt den Piloten, bis an die Grenze ihrer Reichweiten von 150–180 Seemeilen zu gehen. Auch diese mutige Massgabe wird in Militärakademien bis auf den heutigen Tag gelernt.

Bis um 8.38 Uhr wartet Konteradmiral Fletcher. Die USS Yorktown muss das Flugdeck für zurückkehrende Aufklärer freihalten. Flechter teilt seine Offensivkraft auf: Mit der ersten Welle setzt Fletcher zwölf TBD-1, 17 SBD-3 und 26 F4F-4-Jäger ein. Mit dem zweiten Schub wirft er sein ganzes Potential in die entscheidende Phase der Schlacht.

Zwischen 8.30 und 9 Uhr melden sich Leutnant Tomonaga und seine Piloten zurück auf den Trägern. Während sie landen, sichtet ein Flugboot Kawanishi-H8K2 feindliche Schiffe. Wieder, wie vor Pearl Harbor, lässt Nagumo umrüsten. Er unterbindet die Neumunitionierung seiner Bomber. Das kostet wertvolle Zeit und Kraft – trotz der eingeschliffenen Abläufe an Bord der Träger.

USA: zuerst schwere Verluste

Demgegenüber sind die Amerikaner rechtzeitig in der Luft. Aber die Konteradmirale Fletcher und Spruance wissen zuerst nicht, welchen Kurs ihre Flieger nehmen sollen:

  • Den Piloten der USS Hornet befiehlt Commander Stanhope Ring: “Kurs auf Nord”. Aber seine Staffeln VB-8, VS-8 und VF-8 verfehlen den Gegner.
  • Mehr Entdeckungen machen Lieutenant Commander John Waldron und die Besatzungen seiner 15 Torpedobomber – mit tragischem Ende. Waldron hat “Kurs auf Süd” angeordnet. Seine TBD-1 stossen als erste auf Feind, werden aber komplett abgeschossen.
  • Die Torpedobomber der USS Enterprise eilen zu Hilfe. Allein ohne Jagdschutz werden auch sie zum Opfer der Japaner: Von 14 Maschinen gehen zehn verloren.

Miserabel ergeht es auch den TBD-1 der USS Yorktown: Der Gegner schickt zehn der zwölf Apparate auf den Grund des Stillen Ozeans.

McCluskys einsamer Entschluss

So verläuft die Phase von 4.30–10.15 Uhr für Nimitz alles andere als erfolgreich. Jedoch bezahlen die Japaner für ihre Abschüsse einen hohen Preis: Sie haben ihre Zero-Jäger zu tief herabgezogen. Den nun rasch eintreffenden amerikanischen Sturzkampfbombern eröffnet die Lücke in der Höhe die Chance der freien Entfaltung – und der totalen Überraschung.

In den Brennpunkt rückt Lieutenant Commander Wade McClusky, der Bomberchef der USS Enterprise. Auch er fliegt zunächst nach Süden. Als er am Abfangpunkt keine Japaner entdeckt, fasst er den Entschluss, der in die Geschichte der Seeschlachten eingeht. Er ahnt: Die Japaner drehen gegen Norden ab. Und wendet seine Bomber in diese Richtung.

Wade McClusky, für Spruance “der überragende Held”.

Konteradmiral Spruance lobt den 42-jährigen McClusky als den “überragenden Helden der ganzen Schlacht.” Chester Nimitz doppelt nach: McCluskys Intuition, Mut und Kaltblütigkeit hätten die Schlacht entschieden. Der Lieutenant Commander erhält das Navy Cross und noch im Krieg das Kommando über die USS Corregidor.

Um 9.47 Uhr sichtet McClusky den japanischen Zerstörer Arashi, der hinter dem Trägerverband gewartet hat, um das U-Boot USS Nautilus zu bekämpfen. Prompt “geleitet” die Arashi McClusky zu Nagumos Hauptmacht. Im Moment, in dem er die Kido Butai erkennt, stossen die spät gestarteten Sturzkampfbomber der USS Yorktown unbehelligt zu ihm.

Dauntless im Sturzflug 

Gemeinsam setzen die SBD-3 Dauntless der Enterprise und der Yorktown um 10.20 Uhr auf 5’000 Metern Höhe zum Sturzflug an, der die Schlacht entscheidet. Von 10.20–10.30 Uhr treffen die Bomber die Kaga, die Soryu und Nagumos Flaggschiff, die Akagi, tödlich.

Die Amerikaner überrumpeln die Japaner exakt in der Minute, in der Vizeadmiral Nagumo seine Flieger aufs neue in den Kampf schicken will. Auf den Flugdecks explodieren Zero-Jäger reihenweise; sie sind voll aufgetankt, voll munitioniert. Brennendes Benzin und explodierende Munition reissen Wunden. Der Stolz der kaiserlichen Marine, ihr Kernverband, die Kido Butai, ist zum Untergang verdammt.

Es sind Sturzkampfbomber SBD-3 Dauntless, die das Ringen entscheiden.

SBD-3 Dauntless setzen zum Sturzflug an.

Flieger 1942. Seltene Aufnahme SBD-3 Dauntless. Gut erkennbar die Crew.

Der berühmte Flieger Fuchida Mitsuo berichtet: “Auf der Akagi lassen alle Flugzeuge die Motoren laufen. Das Schiff dreht gegen den Wind. Um 10.25 Uhr kommt von der Brücke der Startbefehl. Die weisse Fahne wird geschwenkt, der erste Jäger setzt zum Start an. Da ertönt vom Ausguck der Alarmruf. Ich schaue auf und sehe, wie schwarze Maschinen auf unser Schiff herabstürzen. Unsere Maschinengewehre feuern hektisch, doch zu spät. Die plumpen Umrisse der Dauntless-Bomber werden grösser, und plötzlich schweben gespenstisch schwarze Bomben auf uns herab.”

Das Massaker

Auch die Kaga wird voll getroffen und geht in einem fürchterlichen Flammenmeer auf. Der Kapitän lässt das Bild des Kaisers auf einen Zerstörer bringen. Hernach nimmt sich der Gegner der Soryu an. Auch da lösen detonierende Granaten und brennender Treibstoff ein Inferno aus. Explosionen fegen alles, was auf dem Deck war, ins Meer.

Chuichi Nagumo erinnert sich: “Als auf der Soryu Feuer ausbricht, erscheint auf dem Funkturm der Steuerbordseite der Kapitän Yanagimoto Ryusaku. Von dort befiehlt er seine Männer in Sicherheit. Keiner nähert sich ihm. Vom Flammenmehr schon erfasst, weigert er sich, seinen Befehlsstand zu verlassen. Unter Banzai-Rufen stirbt er den Heldentod.”

Die Soryu und die Kaga sinken rasch. Die Akagi treibt weidwund im Pazifik. Sie wird von intakten japanischen Zerstörern mit Torpedos versenkt: Das Flaggschiff der Kido Butai darf dem Feind nicht die Hand fallen.

Die Hiryu entkommt …

Der vierte Träger, die Hiryu, hat sich rechtzeitig von den drei anderen entfernt. Ihr Kapitän Yamaguchi Tamon will den amerikanischen Torpedobombern ausweichen und steuert sein Schiff nordnordostwärts. Gegen 11 Uhr lanciert er gegen die USS Yorktown eine erste Angriffswelle: 18 Aichi-D3A-Sturzkampfbomber und sechs Mitsubishi-A6M-Zero-Jäger. Sie treffen den amerikanischen Träger und beschädigen dessen Kesselanlage.

Kurz vor 12.30 Uhr schickt Yamaguchi die zweite Welle ostsüdostwärts, erneut gegen die Yorktown. Die Flieger melden: “Wir lassen den Feind als Wrack zurück. Das Schiff qualmt und treibt steuerlos im Wasser.” Der kurze Funkspruch erweist sich als falsch: Die Seeleute der Yorktown löschen das Feuer und setzen die Maschinen notdürftig wieder in Betrieb. Zurückkehrende Bomber werden fürs erste auf Spruances Träger umgelenkt, wo sie Verluste ersetzen.

Konteradmiral Fletcher verschärft die Jagd auf die Hiryu. Auf der Yorktown wird das Flugdeck von Trümmern geräumt; die Piloten bringen ihre Maschinen wieder in die Luft. Sie müssen den Feind aufspüren, der ihrem Schiff zugesetzt hat. Gegen 16 Uhr meldet ein japanischer Beobachter auch die Enterprise und die Hornet im Anmarsch. Ihm unterläuft ein verhängnisvoller Fehler: Er meldet vier, nicht zwei Träger. Yamamotos Nachrichtenchef zählt fortan mit der Yorktown fünf gegnerische Träger, nicht drei.

… und wird versenkt

Gegen 17 Uhr verstärken von der Enterprise SBD-3 Dauntless das Detachement von der Yorktown. Um 17.05 greifen die Sturzkampfbomber die Hiryu an, erneut aus grosser Höhe. Vier Bomben treffen das vordere Flugdeck und setzen den Träger in Brand. Kapitän Kaki Tomeo will sein Schiff um keinen Preis aufgeben. Tapfer kämpfen Offiziere und Mannschaft bis gegen Mitternacht gegen die Schmach der Niederlage an.

Vizeadmiral Nagumo berichtet: “Um 23.50 Uhr richtet der Kapitän eine Botschaft an die Männer. Alle bringen dem Kaiser ihre Ehrerbietung zum Ausdruck. Unter Banzai-Rufen bringen die Matrosen die Kommandoflagge ein. Um 0.15 Uhr erhalten sie Befehl, das Schiff zu verlassen. Das Bild seiner Kaiserlichen Hoheit wird abgenommen und die Besatzung auf die Zerstörer Kazagumo und Makigumo verladen. Die Rettung des Porträts und der Männer wird um 1.30 Uhr beendet. Yamaguchi bleibt zurück. Er schwenkt die Mütze und teilt gefasst das Schicksal seines Schiffes.”

Noch in der Nacht zum 5. Juni sinkt die Hiryu, wie vor ihr die Soryu, die Kaga und die Akagi.

Yamamoto bäumt sich auf

Admiral Yamamoto wirft in letzter Verzweiflung seine Schlachtschiffe in den Kampf. Er treibt sie von der Yamato mit höchster Fahrt auf Midway zu. Allerdings erkennt er: Der eigene Jagdschutz ist verloren, das Gros der besten Piloten gefallen, die feindliche Kampfkraft von (vermeintlich) fünf Trägern zu stark.

Um 2.55 Uhr gibt sich Yamamoto Isoroku, der Sieger von Pearl Harbor, geschlagen. Er bricht den Widerstand ab. Er befiehlt allem, was noch übrig ist, den Rückzug. Die Schlacht um Midway ist zwar nicht ganz beendet, aber entschieden.

So gilt es noch zu vermelden

  • Am 6. Juni traf das japanische U-Boot I-168 die USS Yorktown mit zwei Torpedos schwer. Längsseits des Trägers lag der Zerstörer USS Hammann. Auch er erhielt einen Torpedotreffer und sank innert Minuten. Die Yorktown musste am andern Tag aufgegeben werden: In der Bilanz stand dem Untergang des in Pearl Harbor so heroisch reparierten Schiffes die Versenkung aller vier japanischer Flugzeugträger gegenüber.
  • Am 7. Juni schickten amerikanische Bomber den feindlichen Schweren Kreuzer Mikuma auf den Grund des Pazifiks.

Der schwere Kreuzer Mikuma.

  • Am 14. Juni wurde mehrere 100 Seemeilen westlich von Midway ein kleines Rettungsboot entdeckt. Am 19. Juni fand die USS Ballard 35 Matrosen der Hiryu. Sie hatten es in der Nacht zum 5. Juni nicht mehr auf die rettenden Zerstörer geschafft, aber ein leeres Boot gefunden und waren zwei Wochen im Meer getrieben. Die Ballard nahm sie ordentlich auf und gefangen.

Gab der Admiral zu früh auf? 

Über Yamamotos Befehl zum Rückzug ist seit 1942 viel Tinte vergossen worden. Kritiker monieren, der Oberbefehlshaber habe die Schlacht zu früh abgebrochen. Denn er hätte immer noch die Übermacht besessen und die Konfrontation für sich entscheiden können. Gegen Yamamoto wird angeführt:

  • Seine Hauptflotte und Vizeadmiral Kondos Invasionsverband seien intakt gewesen.
  • Insbesondre habe er noch die beiden leichten Flugzeugträger Zuiho und Hosho und die vier Seeflugzeugträger Chitose, Chiyoda, Nisshin und Kamikawa Maru besessen.
  • Ungeachtet der schweren Verluste seien 120 Kampfflugzeuge einsatzbereit geblieben.
  • Hinzu hätte er die beiden Träger der Nordflotte von den Alëuten abrufen können – mit zusätzlich 50 Flugzeugen.
  • Auch der Gegner habe viele Flugzeuge verloren, namentlich Jäger und Torpedobomber. Auch der amerikanische Jagdschutz sei durchlöchert worden.

 Träger entscheiden die Seeluftschlacht

Gegen die Kritik führte Yamamoto noch im Sommer 1942 seine Argumente ins Feld:

  • Er habe auch in der kaiserlichen Flotte den Vorrang der Flugzeugträger durchgesetzt. In der japanischen Doktrin bilde die Seeluftschlacht den Kern. In Bezug auf die Träger sei Japan nach der Schlacht hoffnungslos im Hintertreffen gewesen. Die Zuiho und die Hosho wären der Enterprise und der Hornet unterlegen gewesen.
  • Ohne die Überlegenheit bei den Trägern wären seine, Yamamotos, Hauptflotte und Kondos Verband aufgelaufen. Er selber habe in den USA und in Europa das Aufkommen des Seeluftkriegs studiert und halte an der Doktrin fest, dass ohne eigene Träger direkte Angriffe zum Scheitern verurteilt seien. Deshalb habe er entschieden, sich in Richtung des eigenen Stützpunktes Wake zurückzuziehen.
  • Der Hinweis auf die Nordflotte sei müssig. Die beiden Flugzeugträger wären bestensfalls am 8. Juni vor Midway eingetroffen. Dann aber hätten die Amerikaner von Hawaii her ihre Flugzeugverluste wettgemacht.
  • Überdies habe er den Versuch gewagt, den Gegner von Midway wegzulocken und ihn vor Wake, wo eine starke eigene Fliegergarnison stand, in die wirkliche Entscheidungsschlacht zu locken. So hätte sich der Verlust der strategischen Initiative unter Umständen doch noch kompensieren lassen.

Yamamotos Gedanken haben einiges für sich. Einzig das letzte Argument steht auf tönernen Füssen. Admiral Nimitz tat Yamamoto nicht den Gefallen, die Japaner über den Midway-Luftschirm hinaus in die Weiten des Stillen Ozeans zu verfolgen. Er begnügte sich, wie gesagt, mit der Versenkung der Mikuma am 7. Juni.

 Die Zeit arbeitet gegen Japan

Im Nordpazifik liess Yamamoto Isoroku die unbewohnten Inseln Attu und Kiska besetzen, womit die Imperiale Flotte doch noch ein Operationsziel erreichte. Die beiden Inseln liegen am westlichen Ende der Alëuten. Ihr Besitz stärkte den japanischen Abwehrgürtel wenig. Die Nordoperation erwies sich als Fehlschlag.

Gravierender traf Japans Führung, dass sie bis zum bitteren Ende im August 1945 gegen die USA die strategische Initiative nie mehr zurückerlangte. Von nun an bestimmte der Feind das Gesetz des Handelns. Wie Admiral Yamamoto schon vor Pearl Harbor befürchtet hatte, arbeitete die Zeit gegen das Kaiserreich. Auf dem pazifischen wie dem europäischen Kriegstheater erdrückte Amerika den Gegner nur schon mit der rapide anlaufenden Produktion von Waffen, Schiffen, Panzern und Fahrzeugen.

Zudem schickte Präsident Roosevelt auf beiden Theatern fähige Admirale und      Generale in die Schlacht. Sie nahmen es mit ihren japanischen und deutschen Gegenspielern jederzeit auf – und kämpften frei von den politischen Fesseln und Widersprüchen, die die Achse so empfindlich lähmten.

US Zeichnung: Wende im Pazifik.

Geboren zwischen 1884 und 1888

Leuchtende Beispiele der amerikanischen Kriegskunst sind Nimitz (geboren 1885), Spruance (1886) und Fletcher (1885). Vor Midway rangen sie ihren numerisch überlegen Gegner nieder. Sie verteidigten ihren Stützpunkt gegen Yamamotos (1884), Nagumos (1887) und Kondos (1886) Flotten in einer Schlacht, die am 4. Juni gegen 10.30 Uhr auf Messers Scheide stand.

Dass sie alle, Freund und Feind, innert vier Jahren geboren wurden, mag einer Laune der Geschichte entsprungen sein. Was sie, bei allem Gegensatz in Tradition und Doktrin, verband, war ihr Wille, ihrem Land und dessen unterschiedlichen Werten mit aller Kraft zu dienen – die einen dem imperialen Reich der aufgehenden Sonne verpflichtet, die anderen der stärksten Demokratie der Welt.

Doch schliessen wir mit der militärischen Substanz: dem überragenden Wert sicherer Nachrichten und des Gebots, Kräfte zu bündeln. Chester Nimitz schrieb seinem Vorgesetzten, dem Befehlshaber der Navy, Flottenadmiral Ernest King, am 28. Juni 1942: “Hätten wir nicht die frühe Information über die Japaner gehabt und wären unserer Flugzeugträger verstreut gewesen, womöglich bis zum Korallenmeer, so hätte die Schlacht um Midway auch ausgehen können.”