Die Flintel-Ursel, ausgerechnet!

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Was von der Leyen nicht sagte: Europas stärkste Armee, die britische, ist ausgeschieden. Im Bild die HMS Queen Elizabeth.

Einmal im Jahr schwingt Ursula von der Leyen das grosse Wort. Heute, am 15. September 2021, propagierte sie in ihrer “Rede zum Status der EU” wieder Europas Wehrhaftigkeit. Frankreichs Präsident Macron will 2022, wenn er dann noch im Amt ist, sogar ein europäisches “Verteidigungs-Gipfeltreffen” einberufen.

Mon Dieu, ausgerechnet Ursula von der Leyen, “UvL” genannt oder auch Flinten-Ursel! Ausgerechnet die Frau, die von 2013–2018 das einst starke Bundeswehr so heruntergewirtschaftet hat, dass sie in anderen NATO-Armeen bemitleidet wird. Exakt die Ministerin, die pauschal die Bundeswehr unter “braunen” Verdacht stellte und so jegliche Gefolgschaft bei der Truppe verlor.

So wenig, wie heute ihr unangebrachtes Selbstlob zu “EU und Corona” verfing, so wenig vermochte sie zu sagen, wie sie sich Europas schimmernde Wehr vorstellt. Was sie nicht sagte:

  • Europas stärkste Armee, die britische Streitmacht, ist ausgeschieden und wendet sich noch inniger als zuvor den amerikanischen Cousins zu.
  • Das deutsche Heer ist nur noch ein Schatten seiner selbst, auch unter AKK, unter Annegret Kramp-Karrenbauer, die bei Kader und Soldaten eine bessere “Presse” hat.
  • Es fehlt Europa an allem, was eine valable eigene Streitmacht ausmacht.
  • Die militärischen Interessen der EU-Ostländer und der mediterranen Staaten laufen diametral auseinander. Und so weiter, und so fort.

Ein Wort zu Kabul

Von der Leyen und Macron suchen die Zweifel zu nutzen, welche die Niederlage der USA und der NATO in Afghanistan wecken. Ja, das Versagen der stärksten Armee der Welt und der bis 1989 erfolgreichsten Militärallianz der Geschichte ist eklatant. Nur:

  • Lange waren in Afghanistan etliche europäische Armeen “an Bord”, nicht nur die Briten. Im Dezember 2002 liess sich in Berlin der SPD-Minister Peter Struck zum mittlerweile geflügelten Wort hinreissen: “Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt.” Im Norden leistete die Bundeswehr fast zwei Jahrzehnte lang ihren Beitrag zur Operation “ENDURING FREEDOM”. 59 Deutsche fielen.

2002. Deutsche Fallschirmjäger in Afghanistan.

2002. Deutsche Spezialkräfte am Horn von Afrika, bevor sie ein gekapertes Schiff entern.

  • Alles vergessen? Schuld am Debakel tragen ja eh nur die dummen Amerikaner!
  • Alle, auch Deutschland, unterschätzten die Taliban – so wie sie die kaputte afghanische Armee unterschätzten. Der deutsche Geheimdienst BND schrieb am 13. August 2021, die Ghani-Armee werde noch mindestens ein Vierteljahr standhalten. Am 15. August fiel Kabul.
  • Alle, wieder inklusive Deutschland, wurden überrumpelt und mussten in höchster Not Landsleute und – worüber schon gestritten wird – sogenannte “Ortskräfte” und deren Anhang evakuieren.
  • So sehr die USA vorher politisch versagt hatten, so sehr bewährte sich das amerikanische Militär auf dem Flugplatz Kabul. Ohne den Cordon, den Marines und Fallschirmjäger um das Areal zogen, ohne die ordnende Hand der Amerikaner und Briten hätte auch die Bundeswehr die Rettung nicht geschafft – so gut sie ihre Fluchtroute über Taschkent handhabte.

Es mutet darum, bei allen Fehlern, schäbig an, die Afghanistan-Katastrophe allein gegen die USA und für die Chimäre EU-Armee auszuschlachten.