Die elf Tage, die den 2. Weltkrieg entschieden

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Von Dr. Peter Forster

In den elf Tagen vom 1.–11. Dezember 1941 ballten sich Schlachten und strategische Überfälle zu einer der seltenen Konvulsionen, die Historiker gern mit dem Etikett “Wende” versehen.

  • Am 1. Dezember 1941 stellte in Tokio General Tojo Hideki im 19-köpfigen Kronrat den Antrag, die kaiserlich-japanische Armee solle am 8. Dezember gleichzeitig Pearl Harbor und Britisch-Malaya angreifen. Kaiser Hirohito nickte stumm – zum Zeichen der Zustimmung.
  • Am 2. Dezember befahl der Stratege Yamamoto Isokuro von seinem Flaggschiff aus sechs Flugzeugträgern, die unentdeckt von den Kurilen über den Pazifik dampften: Niitakayama nobore 1208″, greift am 8. Dezember an! Yamamotos drei Worte sind einer der berühmtesten Funksprüche der Militärgeschichte: Der Admiral bestimmte in exemplarischer Kürze den Tag der Attacke auf Pearl Harbor – mitten in der Funkstille, die er angeordnet hatte.
  • Am 5./6. Dezember trat die Rote Armee nord- und südwärts Moskau zu ihrer zügig geplanten Gegenoffensive gegen die deutsche Wehrmacht an, die sich der sowjetischen Hauptstadt auf Sichtweite angenähert hatte. Stetig drängte sie die Invasoren bei minus 40° Kälte zurück.
  • Am 8. Dezember erteilte um 7.49 Uhr Oberstleutnant Mitsuo Fuchida über Hawaii seinen Piloten den Befehl: Tora, Tora, Tora!” – Attacke, alle gegen Pearl Harbor. Am selben Tag landeten drei japanische Infanteriedivisionen bei Singora, Patani und Koto Bharu auf der malayischen Halbinsel. Schon am 15. Februar 1942 sollten sie die britische Festung Singapur vom Land her nehmen: Die Briten hatten zuvor im Golf von Siam die “kleinen braunen Männlein” auf ihren offenen Landungsschiffen elend unterschätzt.
  • In der Stunde der strategischen Überfälle erklärte Japan den Vereinigten Staaten den Krieg. Diese nahmen ihre Verteidigung unverzüglich auf. Im Kongress stimmten selbst eingeschworene Isolationisten dem Kriegseintritt zu. Am 11. Dezember zog Nazi-Deutschland nach: Nun warf Hitler den USA den Fehdehandschuh hin – ein Fehler von weltgeschichtlicher Tragweite.

So geriet Deutschland innert Tagen in Rücklage. Vom 1. September 1939 an hatte die Wehrmacht halb Europa erobert. Jetzt Scheiterte vor Moskau das Unternehmen “BARBAROSSA”. Die Sowjetunion liess sich nicht, wie von Hitler prophezeit, noch vor dem Jahresende 1941 unterwerfen. Unter unerhörten Opfern gewann die Rote Armee im russischen Winter allmählich die Oberhand. Im Pazifik triumphierten für kurze Zeit die Japaner. Aber wie Hitler sollten sie sich täuschen: Aus dem europäischen Waffengang wurde der Weltkrieg, den Deutschland und Japan gegen die geballte ost- und westalliierte Militärmacht verlieren mussten – im Mai und August 1945.

Den Diktator Hitler traf die Niederlage vor Moskau so schwer, weil die Sowjets ihr Potential zum Gegenschlag perfekt geheim gehalten hatten. Generaloberst Alfred Jodl, im Oberkommando der Wehrmacht Chef Operationen, schrieb später, dem “Führer” sei klar geworden, “dass von diesem Kulminationspunkt an kein Sieg mehr errungen werden konnte.”