Die Drohnen-Grossmacht

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Rund ums östliche Mittelmeer, jetzt auch im Kaukasus gefürchtet: die Kampfdrohne TB2.

Bayraktar-Abschuss in Libyen. Der Warlord Haftar meldet die Zerstörung von fünf TB2. Türkische Offiziere dementieren.

  • Allmählich erringt Aserbeidschan im Karabach-Krieg die Oberhand. Die Angreifer stützen sich auf ihre weit reichende Artillerie mit 30 starken 9A52-Smerch-Raketenwerfern sowjetisch-russischer Herkunft. Mit den präzisen Smerch-Raketen zerstören die Azeris Ziel in Nagorno Karabach, der armenischen Exklave, die mit Russland verbündet ist.
  • Ebenso gefährlich für den armenischen Verteidiger ist die azerische Drohnen-Übermacht. An Kampf- und Aufklärer-Drohnen verdankt Aserbeidschan seine Trümpfe dem Verbündeten Türkei. Die private und staatliche türkische Rüstungsindustrie weist Achillesfersen auf; aber in Sachen Drohnen ist sie state of the art.

Baykar gegen Turkish Aerospace Industries

Wie in Israel, wo die private Firma Elbit in Haifa und die Staatsunternehmen IAI und Rafael erbittert um jeden Auftrag ringen, lässt der türkische Autokrat Erdogan die Konkurrenz spielen. In der Drohnen-Produktion stehen sich gegenüber:

  • Die Privatfirma des Unternehmers Selcuk Bayraktar, eines Erdogan-Schwiegersohns. Seine Firma Baykar warf mit Erfolg die relativ schwere Kampfdrohne TB2 Bayraktar auf den Markt, Sie steht in der ganzen Grossregion im Einsatz: in der Türkei, gegen Kurden im Nordirak, im syrischen Bürgerkrieg zur Verteidigung des Idlib-Kessels, in Libyen gegen den Warlord Haftar – und in Berg-Karabach gegen Armenier, die in Städten und Dörfern ausharren.
  • Den staatlichen Rüstungssektor vertreten die Turkish Aerospace Industries (TAI). Das grosse, mächtige Staatsunternehmen lancierte um die Jahrtausendwende die Erfolgsgeschichte der türkischen Drohnen. Die in Ankara damals machtvollen Streitkräfte erteilten TAI den Auftrag, für den Krieg gegen die kurdische PKK schlagkräftige Kampfdrohnen zu entwickeln. Das Ergebnis ist die Anka-S, die TAI in Kampf- und Aufklärer-Version anbietet.

Anka-S vom Staatsunternehmen TAI.

Anka-S der türkischen Streitkräfte.

TB2-Bayraktar gegen Armenien

  • Die azerische Propaganda macht aus dem TB-2-Bayraktar-Einsatz kein Geheimnis. Tag für Tag zeigt sie genaue Trefferbilder von Drohnen-Geschossen – in israelisch-amerikanischer Tradition stets Volltreffer, versteht sich im Krieg um Herzen und Köpfe.
  • Dumm ist nur, dass zum Beispiel das IISS, das Internationale Institut für Strategische Studien, in seiner aktuellen Military Balance 2020 unter Aserbeidschan nur drei Aerostar-Drohnen aufführt. Dabei handelt es sich um mittlere Aufklärerdrohnen, die das IISS unter Armee, nicht unter Luftwaffe einreiht.
  • Somit liegt der Schluss nahe: Armenien beklagt sich zu Recht über den Einsatz türkischer Waffen im Karabach-Krieg. Es besteht kein Zweifel: Auf azerischer Seite werden Kriegstag für Kriegstag türkische TB-2-Bayraktar-Kampfdrohnen gegen armenische Ziele eingesetzt.
  • Entweder lieferte Selcuk Bayraktar der azerischen Armee seine beste Kampfdrohne; oder dann unterstützen Türken direkt den turkstämmigen Verbündeten Aserbeidschan.