Die Doppelschlacht von Brjansk und Wjasma

Standard

 

 

Der Kessel von Wjasma. Blau Wehrmacht, rot Rote Armee.

Im Oblast Brjansk rekuperieren derzeit Verbände der vor Kiew geschlagenen russischen Armee. Zum Ort Brjasnk im heutigen Grenzland läuten den Freunden der Militärgeschichte die Ohren. War da nicht ein Waffengang? im Herbst 1941? mit den Panzerarmeen 2, 3 und 4? Mit dem legendären Guderian?

Ja, das war die berühmte Doppelschlacht von Brjansk und Wjasma, in der die Wehrmacht rund 670’000 Soldaten der Roten Armee einkesselten. Es war noch in der Kriegsphase, in der die deutschen Truppen tief in die Sowjetunion hinein vorstiessen. Allerdings begann im Okrober auch die Schlammperiode. Die berüchtigte Schlammhexe Rasputiza schlug zu. Und Hitler gab den verbrecherischen Befehl, die Landser dürften keine Winterausrüstung erhalten; denn der Feldzug sei eh entschieden. Vom 5. Dezember 1941 wendete sich vor Moskau bei 30° unter Null das Blatt: Die Wehrmacht musste sich zurückziehen.

Der Angriff der Heeresgruppe Mitte

Am 2. Oktober 1941 trat die Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Fedor von Bock zum Unternehmen “TAIFUN” an. Das Ziel der Grossoffensive lautete Moskau.

Ein erstes operatives Zwischenziel war die Einnahme von Brjansk und Wjasma. Um beide Städte massierten sich starke Einheiten der sowjetischen Westfront. Ohne auf grossen Widerstand zu stossen, erreichten schnelle Verbände der 2. Panzerarmee unter Heinz Guderian bereits am folgenden Tag Orel 100 Kilometer östlich von Brjansk. Während sie nach Norden einschwenkten, stiessen Panzerkeile der 2. Armee nordöstlich der Stadt nach Süden vor, um die Einschliessung von Brjansk zu vollziehen.

Die Schlacht von Brjansk.

Rund 200 Kilometer nördlich wurden 55 sowjetische Divisionen eingeschlossen. Auch bei Wjasma umgingen die 4. Panzerarmee unter Erich Hoepner und die 3. Panzerarmee unter Hermann Hoth den Schwerpunkt der sowjetischen Verbände, um sich im Rücken des Gegners zu vereinigen.

Während die eingeschlossenen Truppen letzten erbitterten Widerstand leisteten, stießen die 4. und 9. Armee zwischen den Kesseln sowie an deren Aussenrändern in Richtung Moskau vor. Doch rund 670’000 sowjetische Soldaten gerieten in der Doppelschlacht in deutsche Gefangenschaft. Die für die Rote Armee vernichtende Niederlage steigerte bei Hitler und seinen Generalen die überrissene Vermutung, die Schlacht um Stalins Hauptstadt wäre bereits jetzt zu ihren Gunsten entschieden.

Allerdings verhinderte die Anfang Oktober einsetzende Schlammperiode den weiteren zügigen Vormarsch. Unter der Unwegsamkeit litten alle gepanzerten und motorisierten Verbände, die für einen Kilometer oft mehr als eine Stunde brauchten.

Guderian, mit Rommel Deutschlands berühmtester Panzergeneral

Guderian (Mitte) 1939 mit deutschen und polnischen Offizieren.

Die Einkesselung von Brjansk gehörte zu General Heinz Guderians operativen Meisterleistungen. Mit dem Wüstenfuchs Erwin Rommel teilte er im Zweiten Weltkrieg den Ruhm, Deutschlands bedeutendster Panzergeneral gewesen zu sein. Mit ihm, Hoth und Hoepner hatten die Panzerarmeen 2, 3 und 4 vorzügliche Kommandanten. Doch nicht sie machten auf Dauer Hitlers grausame Fehler wett.

Heinz Guderian hatte schon vor dem Krieg den Aufbau der deutschen Panzerwaffe energisch vorangetrieben. Ihre erste Bewährungsprobe bestand sie 1940 in Frankreich, wo sich Guderian – wie Rommel – als schwungvoller, durchsetzungskräftiger Panzeroffizier auszeichnete.

Guderian 1940 in Frankreich.

1941 in Russland.