Die 3. Schlacht um Kiew hat begonnen

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Kalibr-Abschuss vom Kaspischen Meer (Aufnahme vor demKrieg).

Wieder, wie im Zweiten Weltkrieg, rückt Kiew in den Brennpunkt kriegerischen Geschehens. Am 25. Februar 2022, 10 Uhr MEZ, verdichten sich die Meldungen, wonach im Norden der Hauptstadt russische Panzerspitzen – je nach Quelle – wenige Kilometer vor dem Stadtrand oder sogar in Vororten stehen.

Die Offensive auf die Kapitale, strategisches Ziel Nummer 1, erfolgt beidseits des auch militärisch bedeutsamen Stromes Dnjepr, auf zwei Hauptachsen, unterstützt von einem dritten Stoss von Nordosten her. Die westliche Angriffsformation überschritt die Ablauflinie und die ukrainische Grenze von Belorus her. Nach ersten Berichten sollen sich bisher aber keine weissrussischen Truppen am Einmarsch beteiligt haben.

Iskander und Kalibr

Wieder wurde Kiew am Freitag Ziel heftiger Raketenangriffe. Kurz vor 4 Uhr Ortszeit schlugen mehrere weitreichende Geschosse in der Kapitale ein. Sie trafen kritische Infrastruktur, wie die Militärsprache das nennt: Armee- und Energieanlagen. Mehrere andere Städte im ganzen Land, auch im prowestlichen Westen, wurden noch in der Nacht von Raketen und Marschflugkörpern eingesetzt.

Iskander in Kalininbgrad (Afunahme vor dem Krieg).

Gewährsmänner vom Geheimdienst berichten vom Einsatz der Cruise Missiles Kalibr (NATO SS-N-30) und Iskander-Raketen (SS-26), die konventionell beide starke Sprengköpfe im Bereich von 480–500 Kilogramm ins Ziel tragen. Entsprechend verheerend nehmen sich die Bilder der Verwüstungen aus.

Speznaz-Sabotage?

Die Abgeordnete Ivanna Klaibush stellte am britischen Fernsehen die These auf: Russische Saboteure legen in der Kiew zentrale Einrichtungen der Versorgung lahm. Sie greifen gezielt Strom-, Wasser- und Gasleitungen an. Diverse andere Quellen bestätigen diesen schweren Vorwurf an Russland.

Das Bild, das von dieser potentiellen Sabotage gezeichnet wird, entspricht exakt den Warnungen, die in der westlichen Welt seit langer Zeit vor verdeckten Speznaz-Aktionen erhoben werden. Es ist denkbar, dass die russische Führung Speznaz-Agenten vor dem Krieg in ukrainischen Städten placierte oder jetzt zu neuralgischen Punkten einschleuste. Der britische General und Autor Richard Shirreff, der jetzt mehreren Fernsehenstationen mit seinen sachlichen Analysen gut tut, schildert in “War with Russia” eine raffinierte Falle des Speznaz-Majors Vronsky.

Für Geschichtsfreunde

Im Zweiten Weltkrieg wurden um Kiew zwei verlustreiche Schlachten geschlagen:

  • Von Mitte August bis zum 26. September 1941 besetzte die deutsche Wehrmacht in der 1. Schlacht von Kiew die Hauptstadt. Der Sieg am Dnjepr reihte sich in Hitlers Anfangserfolge des Unternehmens “BARBAROSSA”, dass dann im extrem kalten Winter 1941/42 zuerst in Moskau an Stlins und Schukows Widerstand auflief.
  • Vom 3.–13. November 1943 eroberte die Rote Armee unter General Watutin die Stadt zurück. Die 2. Schlacht um Kiew zählte zu den sowjetischen operativen Durchbrüchen, welche die strategische Schlacht um den Dnjepr entschieden.