Deutschland stärkt Präsenz im Indopazifik

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Die “Bayern” (F 217), eine Fregatte der Brandenburg-Klasse.

Die Redaktion dankt Oberst i Gst Jürg Kürsener für die folgenden Informationen und Einschätzungen. Es geht dabei um die stets stärker werdende Front freier Nationen im Indopazifik – angesichts der unverhohlenen Macht- und Expansionspolitik der Volksrepublik China. Jürg Kürsener hat die Fahrt der deutschen Fregatte “Bayern” in die indopazifische Region gut beobachtet.

  • Über die Festtage hält sich die “Bayern” im befreundeten Staat Singapur auf. Sie gelangte von Wilhelmshaven über Salalah, Karachi, Diego Garcia, Perth, Darwin, Palau, Guam, Tokio und Busan nach Singapur. Weitere Stationen sind Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon), Colombo und Mumbai.
  • Die “Bayern” erreichte den Stadtstaat Singapur von der Hafenstadt Busan ganz im Südosten der koreanischen Halbinsel her. Auf ihrer Fahrt in den Süden vermied sie die politisch brisante Strasse von Taiwan und umfuhr sie auf einem östlichen Kurs. Gleichzeitig ist festzuhalten: Die “Bayern” durchquerte das Südchinesische Meer.
  • An einer Tagung des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in Singapur nahm Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, der 55-jährige, im März 2021 ins Amt eingesetzte Inspekteur der deutschen Bundesmarine, zur Position seines Landes Stellung.
  • So betonte Schönbach, Deutschland sei gewillt, in Anbetracht der geopolitischen Lage im Südchinesischen Meer seinen Beitrag zur Stärkung der Abwehrfront zu leisten. Bei der nächsten Entsendung deutscher Kriegsschiffe ziehe er in Betracht, dass dann auch die Taiwan-Strasse durchquert werde.

Einschätzung gemäss Oberst i Gst Kürsener

  • Deutschland zählt zu den grossen, bedeutenden Handelsnationen der Welt. Die freie Schifffahrt auf den Handelsrouten der Weltmeere wiegt für das Land schwer. Die politische Führung ist sich dessen bewusst und will zur Sicherheit der Seefahrt beitragen.
  • 2023 ist mit der Entsendung von zwei modernen Fregatten des Typs 125 in den indopazifischen Raum zu rechnen. Die Fregatte “Bayern” gehört noch zum Typ 123, ist aber im Alter von 25 Jahren eine durchaus redoutable Einheit.

Die HMS Queen Elizabeth im Suezkanal.

Wertvoll gestaltet sich die westliche Kooperation namentlich auch in der Bildung von Trägerverbänden. Ein Flugzeugträger operiert nicht allein. Er wird begleitet und geschützt von rund zehn Über-und Unterwasserschiffen. Dabei eröffnen sich Chancen zur sinnvollen Zusammenarbeit:

  • So beendete der britische Flugzeugträger “Queen Elizabeth” im Dezember 2021 seine lange, siebenmonatige Indo-Pazifik-Fahrt. Die niederländische Fregatte “HNLMS Evertsen” (F805) und der amerikanische Arleigh-Burke-Zerstörer “USS The Sullivans” (DDG-68) begleiteten das Flaggschiff des Vereinigten Königreichs.
  • Zur Bildung und zum Funktionieren eines modernen Trägerverbandes braucht es a.o. Fähigkeiten. Erforderlich ist jahrelanges Training. Bei der Fahrt der “Queen Elizabeth” im Raum East of Suez arbeiteten Briten, Niederländer und Amerikaner gut zusammen. Oberst i Gst Kürsener kann sich vorstellen, dass deutsche Einheiten künftig zusammen mit Flugzeugträgern von NATO-Partnern auch im Indopazifik operieren, so mit der “Queen Elizabeth”.

F-35B an Bord der HMS Queen Elizabeth im Suezkanal.

Generelle Erstarkung im Indopazifik

Jürg Kürsener konstatiert eine generelle Erstarkung der freien Nationen gegenüber Chinas Ansprüchen. Eine westliche Stärkung bringt der AUKUS-Pakt von Australien, dem Vereinigten Königreich und den USA. Eher eine eigene Karte spielt Frankreich, das im Pazifik eigene Besitzungen unterhält. Paris wahrt die französische Präsenz in der Konfliktregion, doch auf eigene Faust. Für Oberst i Gst Kürsener ist es schwer denkbar, dass sich ein französisches Schiff unter britischem Kommando am Verband der “Queen Elizabeth” beteiligt.