Der Tod des Erzverräters

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George Blake 2001 in Moskau bei der Präsentation von Briefen, die andere Spione in britischen Gefängnissen geschrieben hatten.

  • In Russland starb am Stephanstag, am 26. Dezember 2020, einer der infamsten Verräter der Spionagegeschichte – wenn man das Ausmass und die Ruchlosigkeit seines Verrates bedenkt, wohl der schlimmste des frühen Kalten Krieges: Am 42. Jahrestag der sowjetischen Afghanistan-Invasion schied George Blake im hohen Alter von 98 Jahren aus dem Leben; aber mit dem Marsch auf Kabul hatte er, der er schon 1961 aufgeflogen war, nichts mehr zu tun.
  • Blake wurde in Rotterdam als Georg Behar geboren und lernte Sabotage, Tarnung und Täuschung in der niederländischen Résistance gegen Nazi-Deutschland. 1948 setzte ihn der MI6, der britische Auslandgeheimdienst, in Seoul ein. Beim kommunistischen Überfall auf Südkorea wurde er gefangen genommen. 1953 lief er heimlich zum sowjetischen KGB über. Als gemeiner Doppelagent verriet er Hunderte westlicher Kameraden an die Russen. Es war die Zeit, in der die Sowjetunion enttarnte Westspione reihenweise hinrichtete.
  • Zu Blakes langem Sündenregister gehört ein Verrat, der im Kalten Krieg die Briten fürchterlich zurückwarf. In Berlin erhielt er Kenntnis vom Tunnel, der in den Osten gegraben wurde – als verdeckte Passage für Spione und Flüchtlinge in den Westen. Er verriet dem KGB auch dieses Geheimnis, womit das kühne Tunnel-Projekt gescheitert war.

Blake 1961 nach seiner Verhaftung.

  • Acht Jahre trieb George Blake sein Doppelspiel, bis er 1961 aufflog. Die Briten verurteilten ihn zu 42 Jahren Gefängnis. Er hoffte auf den Austausch “prominenter” Häftlinge, was zu jener Zeit bei Berlin über die Glienicker Brücke abgewickelt wurde. Doch den Erzverräter Blake gab das Vereinigte Königreich nicht frei – nur um 1966 zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass der Schuft ausgebrochen und sich raffiniert ins sichere Ost-Berlin durchgeschlagen hatte.
  • Die Sowjetunion und ab 1991 Russland feierte ihn als “Helden”. Noch Präsident Putin, selber ex-KBB-Agent, jedoch nicht Verräter, zeichnete den 85-Jährigen 2007 in Moskau aus.