Der Rückzug: Kiews Darstellung

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Yuriy Sak, Selenskys Berater.

Am 132. Kriegstag, am 5. Juli 2022, befragte auf CNN Rosemary Church den ukrainischen Professor Yuriy Sak zur Schlacht um Lysychansk. Sak ist ein Berater von Präsident Selensky. Das Gespräch ging um 9 Uhr MEZ auf Sender.

  • Sak bestritt, der Kampf habe mit einer ukrainischen Niederlage geendet. Der Gegner habe fälschlicherweise und zu früh einen Sieg ausgerufen. Die Schlacht sei so verlaufen, wie von Kiew geplant.
  • Insbesondere sei es in der Schlacht um Sewerodonezk und Lysychansk darum gegangen, den Feind abzunutzen. Das sei voll und ganz gelungen; habe der Kampf doch sieben Wochen gedauert. In den sieben Wochen habe die Ukraine den Russen schwere Verluste beigefügt.

Operativ ein Erfolg

  • Auch der Rückzug sei geordnet verlaufen. Das schwere Material sei rechtzeitig nach Siversk zurückgeführt worden. Ukrainische Einheiten hätten den Korridor nach Westen lange genug offen gehalten; andere hätten in Lysychansk den Rückzug gedeckt und ausgeharrt, als Moskau den vermeintlichen Sieg schon verkündete.
  • Der Rückzug sei rein taktisch gewesen. Es habe die Gefahr der Einschliessung wertvoller Truppen und schweren Materials bestanden. Mit der Absetzbewegung sei die Ukraine den Russen zuvorgekommen. Solch taktische Manöver dürften nicht als Niederlage bezeichnet werden. Zudem sei quantitativ die Übermacht der gegnerischen Artillerie erdrückend gewesen.
  • Operativ sei die Doppelschlacht von Sewerodonezk und Lysychansk für die Ukraine ein Erfolg. Wieder sei die russische Umfassung gescheitert.

Vage zum neuen Abwehrdispositiv

Nun gehe es darum, die Provinz Donezk zu halten. Vage blieb Sak aus verständlichen Gründen zum neuen Abwehrdispositiv. Für einen                                                                                                        erfahrenen Experten wäre es ein dummer Fehler gewesen, dem Gegner am Fernsehen die neuen Verteidigungslinien zu verraten.

  • Die ukrainischen Verbände gruppierten sich nach dem Kampf im überbauten Gelände (KIUG) im offenen Land neu. Sie seien intakt aus der siebenwöchigen Schlacht hervorgegangen.
  • Die Armee beziehe “neue Abwehrlinien”.
  • Ob es das ist, was in Washington das ISW zu wissen glaubt: eine weit zurückgestaffelte Front nordöstlich der Schnellstrasse E-40 (M03), oder doch ein weiter vorn liegendes System von Sperren und Stützpunkten, liess Sak korrekterweise offen. Zum vorderen Dispositiv liegen von Kriegskorrespondenten Berichte vor, wonach sich die neuen Positionen auf den Raum Siversk konzentrierten.

Hie Dnipro, da Donezk

Rosemary Church: “Donezk?”

Rosemary Church bat Sak, zur ukrainischen Beschiessung der Grossstadt Donezk Stellung zu nehmen.

  • Sak konterte mit dem Bericht, am 5. Juli 2022 habe der Gegner im Morgengrauen zehn Raketen auf die Stadt Dnipro (Dnipropetrovsk) am Dnjeprknie abgefeuert und zivile Wohnhäuser zerstört.
  • Im Gegensatz zu den Russen ziele die ukrainische Artillerie- und Raketentruppe “nie, wirklich nie” auf zivile Einrichtungen. Immer nur nehme sie militärische Objekte ins Visier. In Donezk hätten die russische Armee und prorussische Separatisten Munition und Waffen gelagert. Die ukrainische Armee habe den Auftrag und das Recht, diese militärischen Ziele zu bekämpfen.