Der Mann von der Strasse …

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Die Karte zum Kampfjet zeigt das theoretische Ja-Ständemehr; allerdings zählt dieses wohl zu einer Volksinitiative, nicht aber zum Referendum. Zum Ausdruck gelangt für das Volksmehr die Bedeutung der Urschweiz plus Glarus (dunkelblau).

Die Redaktion dankt allen, die nach der denkwürdigen Kampfjet-Abstimmung per Mail, Brief oder Telefon Verbindung aufnahmen. Es herrscht Erleichterung, dass die sechs Milliarden knapp durchkamen; aber auch Besorgnis: “Wie weiter?” Dazu noch einmal: Wir dürfen uns von der GSoA-Drohung (Volksinitiative) nicht erpressen lassen – diese ist chancenlos, wenn das Ständemehr in der Zentralschweiz, der Ostschweiz, im Mittelland und im Wallis hält.

Stellvertretend für alle andern folgen Gedanken von Hans Köchli, Rorschacherberg, zu Äusserungen, im Krieg werde die Neutralität ausgesetzt und die Schweiz gehe dann sofort mit der NATO zusammen. Hans Köchli schreibt:

  • “Ich glaubte, nicht richtig zu lesen. Auch General Guisan hat im Zweiten Weltkrieg mit dem französischen Generalstab konspiriert, aber nur für den alleräussersten Fall und unter absoluter Geheimhaltung. Die Deutschen kamen doch dahinter.”
  • “Aber, dass man solche Sätze (gemeint sind Gedanken zur Aussetzung der Neutralität und zur Hinwendung zur NATO, red.) im Frieden und auch noch im Vorfeld dieser heiklen Abstimmung ausspricht, halte ich für bedenklich. Der Mann auf der Strasse wird sich gesagt haben, ja, wenn das so ist, wird dannzumal die NATO eingreifen und den Rest werden die Eurofighter übernehmen, also sparen wir die unerhörten Ausgaben.”
  • “Wir sind froh, dass die Rüstungsvorlage gerade noch durchgefluscht ist. Auch Sie werden sich sehr gefreut haben, denn zum Erfolg haben Sie sehr viel beigetragen.”

Dazu kurz:

  • Zu General Guisan: Am 16. Juni 1940 erbeutete die Wehrmacht in La Charité-sur-Loire in einem Eisenbahnwagen Frankreichs Geheimarchiv. Deutsche fanden Absprachen mit Guisan und suchten den General unter Druck zu setzen.
  • Mit der NATO ging die Schweiz 1996 die Partnerschaft für den Frieden ein. Der Bundesrat hielt fest, die Schweiz könne dem Pakt nicht beitreten. Der NATO-Artikel 5 ist mit der Neutralität unvereinbar. Er verlangt, dass jedes Mitglied jedem anderen im Angriffsfall beistehen muss.
  • Zum knappen Erfolg an den Urnen: Der Sieg hat viele Mütter und Väter. Dazu gehören namentlich Bundesrätin Amherd und namenlos gut 1’600’000 Schweizerinnen und Schweizer, die den Kampfjet retteten – nicht aber Redaktoren.