Der letzte Pharao

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Im Yom-Kippur-Krieg vom Oktober 1973: Mubarak, Kommandantder Luftwaffe (Mitte), Sadat, Oberbefehlshaber (rechts).

Im Militärspital von Kairo, einem der besten Krankenhäuser von Ägypten, starb am 25. Februar 2020 General Hosni Mubarak, der sein Land von 1981 bis 2011 mit harter Faust regiert hatte. Vor seinem politischen Aufstieg war Mubarak Militärpilot. Im Yom-Kippur-Krieg von 1973 befehligte er die am Anfang erfolgreiche Luftwaffe. Mubarak wurde 91 Jahre alt.

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Der Schicksalstag, der 6. Oktober 1981: Mubarak und Sadat an der Militärparade, an der Terroristen Sadat erschossen.

  • Muhammad Hosni Mubarak wurde am 4. Mai 1928 in Musaliha, Gouvernement al-Minufiyya, geboren.
  • Er war vom 14. Oktober 1981 bis zum 11. Februar 2011 der autokratisch regierende Staatspräsident der Arabischen Republik Ägypten.
  • Im Zuge der Proteste während des Arabischen Frühlings 2010/11, bei denen in Ägypten etwa 850 Demonstranten ums Leben kamen, trat er zurück.
  • Im Zusammenhang mit der tödlichen Gewalt gegen Demonstranten wurde er Anfang Juni 2012 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
  • Im August 2013 ordnete ein ägyptisches Strafgericht an, Mubarak aus der Haft zu entlassen.
  • Am 2. März 2017 wurde er vom obersten Berufungsgericht Ägyptens freigesprochen und am 24. März 2017 mit der Auflage aus dem Militärspital entlassen.
  • Er durfte Ägypten nicht mehr verlassen.

Der junge Kampfpilot.

Mubaraks militärische Laufbahn

  • Mubarak trat nach der Schule direkt in die Ägyptischen Streitkräfte ein und machte seinen Abschluss an der Militärakademie knapp 21-jährig am 2. Februar 1949.
  • Danach trat er in die Luftwaffenakademie ein. Er wurde am 13. März 1950 Offizier der Luftstreitkräfte.
  • In den 1950er Jahren war er zwei Jahre Pilot in Spitfire-Staffeln und dann Instruktor an der Luftwaffenakademie.
  • Von Februar 1959 bis Juni 1961 besuchte er in Moskau die Frunse-Militärakademie; und er nahm am sowjetischen Jetpilotenraining teil.
  • In den folgenden Jahren wurde er Staffel- und Geschwaderführer. Er flog als Kampfpilot Einsätze im Yemenitischen Bürgerkrieg.
  • Er wurde Kommandant der Airbase im Westen von Kairo und der Luftwaffenakademie. 1969 wurde er zum Stabschef und dann zum Befehlshaber der ägyptischen Luftstreitkräfte ernannt.
  • Mubarak kämpfte im Yom-Kippur-Krieg 1973 und wurde zum Air Chief Marshal befördert.

Aufstieg und Fall

Vizepräsident Mubarak, Präsident Sadat.

  • Im April 1975 ernannte ihn Präsident Sadat zum Vizepräsidenten. 1979 entsandte ihn Sadat zu den Friedensgesprächen mit Israel.
  • Nach der Ermordung Sadats durch al-Jihad wurde Mubarak am 14. Oktober 1981 Staats- und Ministerpräsident Ägyptens.
  • Bis Februar 2011 regierte er Ägypten im Ausnahmezustand, den er während seiner gesamten Regierungszeit immer wieder verlängerte. Im Februar 2011 wurde er durch die Revolution in Ägypten gestürzt.
  • Mubarak regierte autokratisch und stützte sich auf die Vertreter der „Oktobergeneration“ (Dschil Uktubar).
  • Grundlage seiner Macht war bis zuletzt die Armee, die sich als Bewahrerin der nationalen Identität, der Unabhängigkeit und der Stabilität versteht.

Präsident Mubarak – der letzte Pharao.

Kritische Würdigung in der Wochenzeitung “Zeit”

“Du hast mich da reingeritten, du und deine Mutter”, fauchte Hosni Mubarak in den dramatischen Stunden nach seinem Sturz seinen Sohn Gamal an. “Ihr habt meinen Platz in der Geschichte Ägyptens ruiniert”, sagte er noch. Dreimal hatte sich der alte Autokrat 2011 während des 18-tägigen Volksaufstands am Nil mit versteinerter Miene und tiefen Augenrändern in nächtlichen Fernsehansprachen an seine rebellischen Landsleute gewandt.

Dreimal, daran erinnern sich die Ägypter gut, lehnte Mubarak einen raschen Rücktritt ab – obwohl ihn sein Sohn Gamal und seine Frau Suzanne dazu drängten. Nun ist der 91-Jährige nach einer Operation auf der Intensivstation des Kairoer Militärhospitals am Nilufer gestorben. Zurück bleibt die Erinnerung an einen Machthaber, der während des Arabischen Frühlings vor neun Jahren mit störrischen Fernsehauftritten das Volk mehr und mehr in Rage brachte.

Krank vor Gericht.

Am Ende forderten die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz sogar seinen Tod am Galgen – für den Schießbefehl auf die Demonstranten, für die Ausplünderung des Landes und die jahrzehntelange Tyrannei.

Erst am 11. Februar 2011 gab er schließlich auf und liess sich nach Scharm al-Scheich ausfliegen. 850 Menschen waren bis dahin bei den landesweiten Unruhen gestorben, die meisten erschossen von Scharfschützen der Polizei. Mehr als 6’500 Menschen wurden verletzt, auffallend viele durch Schrotkugeln in die Augen.

2011: Protest in Kairo.

Mubarak stand zu Abdel Fattah al-Sisi

Inzwischen ist die Erinnerung an dieses dramatische Finale des Arabischen Frühlings am Nil genauso verblasst wie die damaligen Forderungen der Volksmassen nach “Brot, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit”.

Ganze zwölf Monate lang regierte der demokratisch gewählte Nachfolger Mubaraks, der Muslimbruder Mohammed Mursi, der 2018 nach sechs Jahren Kerker an den Folgen seiner Haftbedingungen starb. Grundlage dafür war der im Juli 2013 durchgeführte Putsch, angeführt von dem damaligen Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi, der sich und die Armee mit Gewalt an die Macht zurückbrachte.

Im Militärspital.

Viele verfemte Mitstreiter Mubaraks tauchten danach wieder auf. Auch der 2011 verhaftete Alt-Präsident, der wegen seines Schießbefehls auf die Demonstranten und wegen Korruption vor Gericht stand, wurde im März 2017 von allen Vorwürfen freigesprochen.

Und so lebte Mubarak bis zuletzt zurückgezogen in der Familienvilla im Stadtteil Heliopolis. In die Politik Ägyptens mischte er sich nicht mehr ein, auch wenn er keinen Zweifel daran ließ, dass er Feldmarschall Sisi für den Richtigen an der Spitze des 100-Millionen-Volkes hielt.

Strikter Tagesplan

Bis vor wenigen Wochen noch folgte er einem strikten Tagesplan, den er auch in seinen 30 Jahren als Ägyptens Staatschef stets praktiziert hatte. Mubarak war kein Mann spontaner Eingebungen, charismatischer Auftritte, mitreißender Visionen und zündender Programme.

Rabin, König Hussein, Mubark, Arafat.

Er bevorzugte das Gewohnte und pflegte die staatsmännische Routine, die ihn am Ende auch die Wucht des Arabischen Frühlings unterschätzen liess. Selbst auf dem Höhepunkt der Unruhen begann er seinen Arbeitstag pünktlich früh um sechs Uhr, ging die wenigen Schritte von seiner Wohnung in sein Amtszimmer, immer im blauem Anzug, als würde es im Land keine Proteste geben.

Dabei hatte Mubaraks unprätentiöser Charakter in den ersten Jahren nach dem aufwühlenden Mord an dem Vorgänger Anwar al-Sadat zunächst beruhigend und wohltuend auf das traumatisierte Volk gewirkt.

Zudem versprach der Luftwaffengeneral 1981 bereits in den ersten Wochen seiner Präsidentschaft, nach zwei Amtszeiten seinen Hut zu nehmen. Doch drei Jahrzehnte später wollte er noch immer nicht die Macht abgeben, mit Folgen. Weit über die Hälfte aller Ägypter kannten Hosni Mubarak nur als Staatsoberhaupt.

Und so war es auch vor allem der Nachwuchs, der 2011 den Protestzug gegen ihn und seine alte Garde anführte.

Mit den Grossen der Welt

Mit dem chinesischen Herrscher Mao.

Mit Thatcher und Chirac.

Mit Reagan.

Mit Bush junior.

Mit Gaddafi. Ob Gaddafi ein Grosser war, sei dahingestellt.