Brutaler Krieg der Kampfdrohnen

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Dieses Bild verteilt die Regierungspropaganda. Es soll eine abgeschossene Wing-Loong-II der Haftar-Armee zeigen (gl).

Im libyschen Stellvertreterkrieg ist der Krieg der Kampfdrohnen entbrannt.

  • Für die Regierungsarmee setzt eine verstärkte türkische Kompanie eigene Bayraktar-TB-2-Drohnen ein; für die Regierung mischt offenbar auch Italien mit RQ-1B Predator mit.
  • Für die aufständische Nationalarmee führen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) chinesische Wing-Loong-II ins Treffen.
  • Beide Armeen bekämpfen sich zudem mit Gegenmassnahmen: sei es durch Abschuss der feindlichen Kampfdrohnen, sei es durch Elektronischen Krieg (EKF).
  • Schauplatz des Drohnenkrieges sind die Vororte der Hauptstadt Tripolis. Dort unterbanden Regierungsbataillone den Vormarsch von General Haftars Rebellen. Die Fronten sind verzahnt, die Lage ist verhärtet. Beide Parteien versprechen sich von ihren Kampfdrohnen taktische Gewinne.

Bayraktar-TB-2. Erkennbar die Raketen (by).

“Wie aus dem Nichts”

An der Front im Süden von Tripolis achten die Verteidiger achtsamer auf die über ihnen kreisenden Kampfdrohnen als auf die nahen Stellungen der Haftar-Truppen. “Sehen kann man die Drohnen meist nicht. Sobald ihre Kameras eine Gruppe Soldaten entdecken, schiessen sie ihre Raketen wie aus dem Nichts”, klagt Jamal Alaweeb, der Abschnittskommandant auf Regierungsseite.

1000 Drohnenangriffe wollen seine Männer seit Spril 1019, als Haftar zum Sturm auf Tripolis blies, allein an ihrem Frontabschnitt gezählt haben. Ebenso wollen sie chinesische Haftar-Drohnen abgeschossen haben.

Was kann die Wing-Loong-II …

  • Die VAE brachten Haftar früh ihre Wing-Loong-II. Mit den Kampfdrohnen verlegten sie spezialisiertes Personal in mindestens Kompanie-, wenn nicht Bataillonsstärke zur Nationalarmee. Den Einsatz der chinesischen Drohnen besorgen diese Spezialisten, darunter Söldner mehrerer Ränge, auch Kader.

Wing-Loong-II mit ganzem Raketen-Arsenal (ch).

  • Die Wing-Loong-II kommt von Chengdu Aircraft Industry Group in Zentralchina. Sie hat normal eine Reichweite von 200 Kilometern, was in Libyen taktisch ausreicht; über Satellit reicht sie 10 x weiter: 2’000 Kilometer. Die Nationalarmee betreibt eine vorgeschobene Operationsbasis im Bereich von 200 Kilometern bis Tripolis. Wenn die VAE die Wing-Loong-II von der Basis Bengazi in der Cyreneika aus führt, dann operiert sie Satellit.
  • Eine Wing-Loong-II kostet zwei Millionen $.
  • Ausgelegt ist die Wing-Loong-II für Langzeitmissionen in mittlerer Höhe. Ihre Nutzlast beträgt 480 Kilogramm. Bewaffnet ist die Kampfdrohne mit der chinesischen Lenkwaffe BA-7 Blue Arrow.

Rakete BA-7 Blue Arrow in der libyschen Wüste (gk).

… und was die Bayraktar-TB-2?

  • Zu einem Stückpreis von fünf Millionen $ kaufte die Sarraj-Regierung in der Türkei 20 Bayraktar-TB-2-Drohnen. Bedient werden sie von Türken.

Bayraktar-TB-2 über Tripolis …

… und über Idlib (tt).

  • Die Bayraktar-TB-2 tauchten gegen die Asad-Armee auch in Syrien auf, wo die türkische Führung unter General Akar in der Schlacht um Idlib zum Einsatz der Kampfdrohne griff. Die unbemannte Waffenplattform reicht 150 Kilometer weit; auf das genügt im Kampf um Tripolis auf taktischer Ebene.
  • Bayraktar-TB-2-Drohnen sind für halb- oder vollautonome Langzeitflüge in mittleren Höhen ausgelegt. Darunter verstehen 6’800 bis 7’600 Höhenmeter.

Die schwere MAM-L (ro).

  • Die Nutzlast beträgt 55 Kilogramm. Die Bayraktar-TB-2 trägt entweder zwei schwere Raketen Roketsan MAM-L oder acht leichtere Lenkwaffen MAM-C. In der Schlacht um Tripolis wollen Hatar-Truppen schon Überreste beider türkischer Raketen gefunden haben. Der anatolischen Rüstungsindustrie dient der Libyenkrieg auch als “Testgelände im scharfen Schuss” – genau so wie Syrien.

Die leichtere MAM-C (ro).

Abschüsse – beidseitig?

Beide Parteien wollen gegnerische Drohnen entweder abgeschossen oder dann per EKF zum Absturz gebracht haben; und beide stellen, nicht unerwartet, eigene Verluste in Abrede. Doch legen Haftars und Sarrajs Propagandatruppen Bildbeweise von zerstörten feindlichen Drohnen vor; nur kann niemand überprüfen, ob diese echt oder gefälscht sind.

Auf Seite der Regierung kämpft auch Italien. In der Rebellen-“Hauptstadt” Tobruk legt Haftars Propagandazelle sogar das “Originalbild einer abgeschossenen italienischen RQ-1B Predator” vor. Original oder Fälschung – schwer zu beurteilen! Überhaupt sind verlässliche Nachrichten von der gut 80 Kilometer langen Kriegsfront nur mühsam zu erhalten.

Tripolis, Hafen: Türkisches Kriegsschiff bringt Nachschub für die Regierungsarmee, darunter 20 Kampfdrohnen Bayraktar-TB-2 (gj).

Türkische Söldnertruppe in Libyen (tt).

Pro-Haftar-Kundfebung in Bengazi (ha).