Der “kleine feine Unterschied”

Standard

 

 

Aufmarsch: selbstfahrende Artillerie, womöglich mit der MSTA-S-152-mm-Panzerhaubitze.

Die amerikanische Interpretation deutet auf das Zeltlager eines Mot-Schützenverbandes hin.

Experten werden nicht müde, an ihre “kleine, feine Unterscheidung” zwischen den NATO-Mitgliedern Estland, Lettland, Litauen und Polen einerseits und der allianzfreien Ukraine zu erinnern.

Sollte der Nordatlantikpakt gemäss Art. 5 seiner Charta einig sein, würde ein Putin-Angriff auf einen der Balten den Bündnisfall und einen grossen Krieg auslösen. Wenn nicht, dann *Gute Nacht” den Esten, Letten und Litauern – so zur Attacke der 76. Gardeluftlandedivision, derzeit stationiert im Lettland-nahen Pskow.

In der Ukraine dagegen annektierte Russland im März 2014 lautlos die Krim; und auch im an Ressourcen reichen Donbass haben sie den Schuh in der Tür. Allerdings warnen jetzt die USA den Autokraten Putin, in der Ukraine weitere Gebiete zu besetzen.

Hat Putin genug Ukraine besetzt?

Militärisch ist seit 2014 bekannt: Am Ufer der Moskwa, im imperialen Gebäude der russischen Armeeführung in Moskau, lagert der Generalstab seine Aufmarsch- und Angriffspläne für die weitere Inbesitznahme ukrainischen Territoriums:

  • 2014, nach der Krim-Annexion, stand der Erdschluss vom Donezkbecken zur Strasse von Perekop nahe. Panzerverbände wären dann vom Donbass über Mariupol und Perekop zur Krim vorgestossen. So hätten sie die direkte Landverbindung entlang des Meeres von Asow hergestellt. 2019 weihte Putin als “Lokführer” die Auto- und Eisenbahnbrücke nach Kertsch ein, wodurch er terrestrisch einen eigenen sicheren Zugang zur Krim und nach Sewastopol erhielt.

Die Auto- und Bahnbrücke über die Strasse von Kertsh sichert Putin den eigenen Landzugang zur Krim – ohne den militärisch zu erobernden Korridor dem Meer von Asow entlang.

Über die Strasse von Kertsch zur Krim.

  • In einer zweiten, massiv politischen Planung würde Russland die Ukraine bis zum Dnjepr besetzen und so die Ukraine halbieren. Insbesondere die Hauptstadt Kiew müsste am Dnjepr in Besitz genommen werden.
  • Die dritte Planung wäre sozusagen “Dnjepr plus”. Die Angreifer würden im Süden zur “russischen” Hafenstadt Odessa durchstossen und anschliessend an die transnistrische Grenze marschieren. Längst haben sie Transnistrien, alles Land östlich des Dnjestr, von Moldawien abgeschnitten. Sie halten Transnistrien mit einer Division besetzt.
  • Stiessen die kampfstarken Verbände des “Panzergenerals” Gerassimow bis Transnistrien durch, ergäbe sich ein kohärenter russischer Landgürtel bis nach Moldawien herein.

Gegen NATO-Erweiterung

Putin hat in Sachen NATO aus seiner Seele nie eine Mördergrube gemacht: Die Vorgänger Gorbatschow und Jelzin hätten in der 1990er-Jahren Stalins Imperium leichtfertig verspielt und schändlich die NATO-Osterweiterung zugelassen. Ergo gilt es für ihn den NATO-Beitritt von Georgien, Moldawien und der Ukraine zu verhindern – um jeden Preis. Überall hält Putin den Schuh in die Tür. Russisch besetzt oder gar annektiert sind:

  • Gegen Georgien Südossetien jenseits des Raka-Tunnels und Abchasien am Schwarzen Meer.

Abchasien und Südossetien. Russisch besetzt, braun hervorgehoben.

  • Gegen die Ukraine die Krim und das Donbass.
  • Gegen Moldawien Transnistrien.

Die USA und Grossbritannien helfen Georgien und der Ukraine mit Geld, Waffen und Instruktoren. Allerdings klaffen in den Armeen beider Länder Fähigkeitslücken, so in den Luftwaffen. Nicht umsonst legen Gelehrte auf den “kleinen, feinen Unterschied” zu NATO-Staaten so grossen Wert.