BISS – Der Kampf um die Zürcher Standesstimme

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Reichenau, Oberzell, Kirche St. Georg: “Es geht auf keine Kuhhaut …”

 

Vor mir stapeln sich die beiden grossen Zürcher Tageszeitungen aus den Häusern Tamedia und NZZ, garniert von zwei Kommentaren der Blick-Chefredaktoren Dorer und Cavelty von Ringier.

Noch nie in 58 Jahren Redaktionsdienst erlebte ich eine derartige Ballung zu einem Einzelthema wie jetzt zum F-35. Wer bei Tamedia die sog. Leserbriefe und 1 x sogar eine Lokal-Ecke beachtet, der findet gegen den Jet jeden Tag meist grossflächige Texte, oft angerissen auf der Frontseite.

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Als Aussenstehender erhält man den Eindruck: Obwohl die eidg. Volksabstimmung erst 2022 oder 2023 ansteht, ist im Kanton Zürich der Kampf um die Standesstimme schon entbrannt. Die Tamedia-Zeitungen decken nach etlichen “Pressehändeln” den Kanton bestens ab, und die NZZ hält in der Stadt und entlang der wohlhabenden Seeufer Hochburgen.

Auch das Volksmehr zählt. Der Stand Zürich zählt mehr als anderthalb Millionen Einwohner. In der Schweiz wohnt jeder Sechste im grössten Kanton. Da lohnt sich ein Sondereffort zu jedem eidg. Urnengang.

Wer greift wie an?

  • Eindeutig in der Offensive agieren die Tamedia-Zeitungen. Ihr Ziel nimmt mit jedem neuen Auftritt Konturen an: Dem F-35 soll im Parlament geschadet werden. Der Typenentscheid ist Sache des Bundesrates; herummäkeln liesse sich jedoch am Bestand von 36 Flugzeugen, der zwar logisch ist, weil damit die drei Staffeln 11, 17 und 18 voll ausgerüstet werden.
  • Noch klarer schimmert das politische Ziel zur Volksabstimmung durch: Der F-35 soll an den Urnen abgeschossen werden.
  • Im Angriffsmodus befindet sich auch die Sonntagsausgabe des Blick. Der linksradikale Cavelty lässt am Entscheid des Bundesrates keinen guten Faden. Aber ihn kennt man, er kann nicht anders.
  • Wer all die Attacken auf den F-35 bündelt, erinnert sich unwillkürlich an das 1000 Jahre alte Wandbild in der romanischen Kirche St. Georg auf der Reichenau. Teufel spannen eine Kuhhaut auf: “Es geht auf keine Kuhhaut, was tagein, tagaus geplappert wird.”

Wer verteidigt die Armee?

Auch wenn die diversen NZZ-Beiträge diverser Autoren disparat anmuten, ist doch zu erkennen und zu erwarten, dass die Neue Zürcher Zeitung letztlich der VBS-Chefin Amherd, der Armasuisse, der Luftwaffe und der Armee den Rücken stärkt.

Nicht alles war schlau, was das zu lesen war, am wenigsten die Anrufung der französischen Opposition schon im Freitagsblatt nach der Bundesratssitzung. Doch gesamthaft erscheinen Stellungnahmen für den Jet – ein willkommenes Gegengewicht zur beispiellosen Tamedia-Kampagne.

Aufrecht steht auch der Blick zum F-35. Der Chefredaktor Dorer schlug schon am 1. Juli den Pro-Armee-Pflock unmissverständlich ein.