Der General – Jim Mattis’ Memoiren

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Mattis als Divisionskommandant in Irak (Random).

Es gilt hier ein ausserordentliches Buch anzuzeigen: die Memoiren des US Marinecorps-Generals Jim Mattis, der dem Präsidenten Trump als dessen erster Verteidigungsminister diente, bis er nach dem ersten Kurden-Verrat kündigte.

Damit das festgehalten ist: Wer eine Abrechnung mit der sprunghaften Politik des Präsidenten erwartet, der wird enttäuscht. Nachträglich Dreck zu werfen, das gehört sich nicht – und für eine Retourkutsche ist General Mattis viel zu nobel, viel zu beherrscht.

Wie ein Marine führt, denkt und handelt

Dafür erhalten die Leser eine grandiose Schilderung der vierzig Jahre, in denen Mattis dem Marinecorps diente. In aller Offenheit, mit unerbittlicher Disziplin, erzählt er von seiner Kriegs- und Führungserfahrung zweimal im Irak und lange in Afghanistan. Ebenso packend berichtet er von seiner Zeit als NATO-Befehlshaber für Transformation und als Chef des Central Command, das für den Hexenkessel Mittelost zuständig ist.

Jim Mattis als Befehlshaber Central Command.

Vor allem aber erleben wir, wie ein Marine denkt, handelt, führt, befiehlt und für seine Soldaten sorgt. Mattis hofft, dass das Buch seinen Respekt für all die Männer und Frauen zum Ausdruck bringt, die dem Land selbstlos dienen. Das gelingt ihm meisterhaft.

Leadership! Das ist es, was Mattis vorlebt und soldatisch prägnant ausdrückt:

  • Kompetenz,
  • Anstand,
  • Bereitschaft, die harte Wahrheit zu hören und zu sagen,
  • Fürsorge für die dem Kommandanten Anvertrauten,
  • Lesen und Verarbeiten der Lehren aus der Geschichte.

Massiv steht Mattis, erstens, für die Auftragstaktik ein. Er erteilte seinen Unterführern klare, einfache Befehle, was er von ihnen erwartete. Aber er gab ihnen die Chance, selber zu entscheiden, wie sie einen Auftrag zu erfüllen hatten.

Zweitens verlangt er von Kadern aller Stufen, dass sie ihren Untergebenen die Absicht klipp und klar kommunizieren. Hier flicht er eine politische Anmerkung ein: Das gelte für Präsidenten wie für Kommandanten.

Treue zu Verbündeten

Einen politischen Unterton – in allem Anstand, ohne Polemik – hat sodann das Bekenntnis zu Treue und Verlässlichkeit: Verbündete müssten sich auf die USA verlassen können. Ein Schelm, wer bei dieser Passage nicht an Trumps Umgang mit NATO-Partnern und kurdischen Kampfgefährten denkt – auch wenn Mattis, wie gesagt, keinerlei Schmutz wirft.

Das Buch trägt den Titel: CALL SIGN CHAOS. Auf den ersten Blick unverständlich für die Memoiren eines disziplinierten, loyalen Offiziers. Mattis löst den Titel “Rufzeichen Chaos” mit einer wahren Gegenheit auf:

Kommandant Mattis betritt den Führungsraum. Sein Stabschef schrieb an die Wand: “CHAOS!” Mattis fragt: “Was soll das?” Der Stabschef: “Commander Has Always Outstanding Solution.” – Der Kommandant hat immer eine hervorragende Lösung.

Jim Mattis: CALL SIGN CHAOS. Learning to Lead. Random House, N.Y.