Der Experte zu den Scharfschützen

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Das legendäre Dragunow-Gewehr – von Kalaschnikow (Werkbild).

Major Patrick Nyfeler, Armeemeister 2010 mit dem Sturmgewehr und exzellenter Waffenkenner, nimmt zum Beitrag über die Scharfschützen Stellung:

Sehr spannender Artikel – und das Forsyth-Buch werde ich mir gleich gönnen 🙂

Grundsätzlich zu allem einverstanden … in der Regel werden jedoch .50-Präzisionsgewehre gegen Material und Scharfschützengewehre in den Kalibern .338 Lapua Magnum (oder auch .408/.416 Cheytac etc.) gegen Personenziele eingesetzt. Das ist aber nur ein Grundsatz, der keinesfalls in Stein gemeisselt ist (auch wenn die .50er-“Kanonen” sehr schwer und „sperrig“ sind).

Rechts die von Major Nyfeler erwähnte .338 Lapua Magnum.

Zum Dragunow: Es ist sicher eine taugliche Waffe, entspricht aber von der Kombination Waffe und Optik (insbesondere der Vergrösserung) eher den Designated Marksman Rifles, die als präzise Unterstützungswaffen der Infanterie angesehen werden können. Mit der geringen Vergrösserung der Optik sind Ziele, die nicht wie “Sumpfhühner in der Fläche rumstehen”, auf grössere Distanzen schwer eindeutig zu erkennen und zu treffen …

Die ursprüngliche Dragunow hatte eine 4-fach-Optik; später gab es scheinbar Modelle mit 3-10-fach-Optiken.

Zusammen mit dem Kaliber, das +/- der GP11 entspricht und einem Halbautomaten, der „anständig“ präzise ist, können gut sichtbare Mannziele einigermassen sicher auf 500–600 m getroffen werden.

Die anderen erwähnten (modernen) Gewehre in Zusammenspiel mit einer leistungsfähigen und lichtstarken Optik schaffen da die 2–3-fache Distanz (1000–1800 m) auf Mannziele (Oberkörper).

Das alles jedoch nur mit sehr umfangreichem Training, unter „anständigen“ Wetterbedingungen und einem einigermassen ruhigen (oder sich zumindest gleichmässig bewegendem) Ziel.

Zur Geschichte. Ich habe in einem Scharfschützenbuch gelesen, dass bereits im Sezessionskrieg (1861–1865) und im Zweiten Burenkrieg (1899–1902) Sniper eingesetzt wurden … auch wenn es wohl einfach die erfahrenen Jäger und Schützen mit etwas hochwertigeren Waffen waren, die gezielt hochrangige Ziele ausgeschaltet haben.                 Patrick Nyfeler

 

PS. der Redaktion. Major Nyfelers geschichtliche Anmerkung trifft zu. Es ist verbürgt, dass die Südstaaten-Armee Scharfschützen gegen den Yankee-Präsidenten Lincoln und dessen Oberbefehlshaber Grant einzusetzen suchte. Beide “Ziele” verhielten sich indessen taktisch so geschickt, dass die Konföderierten keinen Erfolg hatten.

Präsident Lincoln wurde nicht auf dem Gefechtsfeld ermordet, sondern fünf Tage nach dem Waffenstillstand von Appomotax Court House (9. April 1865) am 14. April 1865 in Ford’s Theatre in Washington – mit einer Pistole.

Siehe auch >

Scharfschützen – die Elite für sich