Der Deserteur nahm nur den Kompass mit

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Bergdahl, hier als Sergeant, auf dem Weg zum Gericht in Fort Bragg. Am Schluss wurde er degradiert und unehrenhaft aus der Armee ausgeschlossen.

Am 31. Mai 2014 erlangten die Guantanamo-Fünf mit einem Schlag “Weltruf”. Die fünf Erzterroristen wurden im berüchtigten Lager Guantanamo gegen den amerikanischen Afghanistan-Deserteur Bowe Bergdahl freigelassen. Jetzt erscheinen zwei von ihnen prominent in der neuen Taliban-Regierung, allerdings nicht offen:

  • Abdul Haq Wasiq übernahm den Geheimdienst des Islamischen Emirats Afghanistan. Er hört zum inneren Kreis der paschtunischen Chefs, die am 15. August 2021 in Kabul die Macht übernahmen. Er hört alles, liest alles, weiss alles.
  • Mullah Mohammad Fazl setzte sich als Vize-Militärminister an die zweite Position der siegreichen Taliban-Armee. Ihm eilt ein denkbar grausamer Ruf voraus.

Ihre Freilassung verdankten sie Barack Obama. Der 44. Präsident der USA konnte es nicht ertragen, dass die Taliban im Grenzland zu Pakistan den Gefreiten Bowe Bergdahl gefangen hielten. Obwohl bekannt war, dass Bergdahl am 30. Juni 2009 von der Fahne gegangen war, liess ihn Obama in Gefangenschaft zum Sergeant befördern. Vor allem aber setzte er alle Hebel in Bewegung, den Landsmann zu befreien.

Rot die Grenzprovinz, in der Bergdahl dem Haqqani-Clan in die Arme lief.

Wer ist Bowe Bergdahl?

Der Mann, der den Guantanamo-Fünf zur Freiheit und den Kriegsverbrechern Wasiq und Fazl zu Kabinettsposten verhalf, kam 2008 nach Afghanistan. Usanzgemäss führen die amerikanischen Annalen seine Einteilung von unten nach oben auf. Er diente in der Blackfoot Company, 1st Battalion, 501st Infantry Regiment, 4th Brigade Combat Team (Airborne), 25th Infantry Division, Fifth Army – in einem absolut respektablen Verband.

Bergdahl als Gefreiter.

Als er desertierte, liess er seine Ausrüstung samt Waffe ordentlich im Camp zurück. Nur den Kompass nahm er mit. Er wolle nach Indien fliehen, hatte er einem Kameraden anvertraut. Allein er verirrte sich in Afghanistans Bergen und fiel dem gefürchteten Haqqani-Clan in die Hand. Die Haqqani-Familie, fanatische Jihadisten, beherrschten damals schon die Pässe nach Pakistan; heute stellen sie in der Person des Stammesführers Siradjuddin Haqqani den neuen, mächtigen Innenminister.

Bowes Häscher brachten ihn ins Landesinnere, wo er bis Ende Mai 2014 gefangen war. Obama machte mit den Haqqanis einen Kuhhandel. Für Bowes Freilassung versprachen sie umgekehrt, fünf Guantanamo-Häftlinge freizugeben. Gegen den Deal erhob sich im Lager der Republikaner ein Sturm der Entrüstung. Um diesen abzufedern, drehte Obama eine Ehrenrunde. Er bat den Emir von Katar, die freigelassenen Taliban ein Jahr lang in Gewahrsam zu nehmen.

In Gefangenschaft. Zum Beweis hält ein Haqqani Bergdahls Erkennungsmarke in die Kamera.

Guantanamo-Fünf lachten sich ins Fäustchen

Bergdahls Rückkehr spaltete Washington komplett. Obama empfing ihn als “ehrbaren” Amerikaner. Die Republikaner tobten. Mehrmals kam Bergdahl vor Gericht. Doch erst unter Trumps Präsidentschaft erfolgte das Urteil. Er wurde wegen Fahnenflucht degradiert, unehrenhaft aus der Armee ausgeschlossen und zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Guantanamo-Fünf lachten sich nach ihrer Freilassung ins Fäustchen. Den Gewahrsam nahmen sie geduldig in Kauf; denn sie wussten: Nachher waren sie zu 100% frei. Sie reisten von Katar in den Herrschaftsbereich der Taliban zurück, diffundierten und tauchten im August 2021 wieder auf. Nun üben sie “in Amt und Würden” Macht aus – unter der Fahne des Jihad und der Scharia.