Den bewaffneten Wächter schafften sie ab

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    Das Grüne Gewölbe vor dem Einbruch (scd).

Spurensicherung am aufgebrochenen Gitter (drp).

Zum unglaublichen Einbruch in das Grüne Gewölbe des Schlosses Dresden werden kriminaltaktische und -technische Detail bekannt – teil haarsträubend.

Acht Minuten im Schloss (Ablauf am 25. November 2019)

  • Nach 4 Uhr: Die Einbrecher beginnen am Westturm das schmeideiserne Gitter aufzubrechen – exakt an acht Schnittstellen. Sie verursachen keinen Funkenflug. Sie setzten ein Elektrowerkzeug ein, dass Metall durchstanzt (Nibbler).
  • 4.56 Uhr: Auch das Fenster (dreifaches Sicherheitsglas) ist aus der Verankerung gerissen, der erste Alarm geht los. Im Eingangsbereich des Schlosses, in der Sicherheitszentrale, bemerken die unbewaffneten Wächter den Einbruch.
  • 4.59 Uhr: Drei Minuten lang unternehmen die Wächter nichts, weil sie Angst hatten. Jetzt endlich erlassen sie den Notruf an die Dresdner Polizei, deren Direktion 600 Meter vom Gewölbe entfernt ist.
  • 5.04 Uhr: Die Polizei trifft bewaffnet vor Ort ein > die Täter sind mit reicher Beute schon entwichen, wieder durch das Fenster.
  • Will heissen > Die Verbrecher raubten in höchstens acht Minuten Kulturgut von unschätzbarem Wert und hauten noch rechtzeitig ab.

Diamantenschmuck von unschätzbarem Wert (scd).

Trafostation und Fluchtauto angezündet

  • Noch vor dem Einbruch fackelten die Gangster ausserhalb des Schlosses eine Trafostation ab, um den Strom abzuwürgen.
  • In den acht Minuten legten die Täter zwei Mal eine beträchtliche Strecke zurück: durch den Preziosensaal und das Wappenzimmer ins Juwelenzimmer.
  • Die Vitrinen mit den Kostbarkeiten schlugen sie mit einer Axt auf > auch die Vitrinen lösten in der Sicherheitszentrale Alarm aus.
  • Die Kamera im Juwelenzimmer funktionierte > aber ihre Bilder sind so grottenschlecht, dass sie wenig helfen > sie war weder mit Infrarot noch mit einem Restlichverstärker ausgerüstet, und der Raum war dunkel (Infrarot und Restlichverstärker sind heute günstig zu kaufen – das bei einem jährlichen Sicherheitsbudget von acht Millionen Euro des Schlosses Dresden).
  • Nach der Tat flüchteten sie in einem Auto, das ausgebrannt später in einer Dresdner Tiefgarage gefunden wurde.

Der abgefackelte Fluchtwagen in einer Tiefgarage (drp).

Gretchenfrage: Warum griffen die Wächter nicht ein?

Die Kunstschätze von König August dem Starken und von König August III. gehören zu den wertvollen Kuturgütern Detuschlands. Warum hatten die Verbrecher derart leichtes Spiel?

  •  Lange war das Grüne Gewölbe bewaffnet bewacht. Es war hochwertiges Personal, dass die Preziosen der sächsischen Monarchen schützte.
  • Dann zog man das Sicherheitspersonal in eine Zentrale am Eingang zurück.
  • Vor allem aber entwaffnete die Direktion im Zeichen der political correctness die Wächter > sie sind nur mit Schlagstöcken ausgerüstet.

Fazit

  • Die Sicherheitsvorkehrungen waren im Dresdner Residenzschloss ungenügend – wie oft in der Kulturwelt.
  • Die Wächter hatten nicht nur Angst – sie sollten mit ihren Schlagstöcken in der Zentrale bleiben.
  • Wären sie wie vor dem Zeitalter der political correctness bewaffnet gewesen oder gar in der Nähe des Grünen Gewölbes postiert, hätten sie das Verbrechen früh entdeckt und eingegriffen.
  • Die unersetzlichen Kunstschätze wären gerettet worden.
  • Es bewahrheitet sich: Führungsfehler rächen sich.