Das Zeichen der Zuversicht

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Zeichnung von Deborah Keller.

 

Zum 25. April 2021 sandte uns Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, die folgende frohe Botschaft, ihr Zeichen der Zuversicht.

Gebet 

Da fliegen sie: 

Sorglos, 

leichtflüglig, 

beschwingt 

durch die Lüfte – 

diese kleinen, gefiederten Geschöpfe. 

Und ich bleibe 

sorgenvoll, 

schwermütig, 

verwurzelt 

im Boden der Tatsachen, 

in den alltäglichen Sorgen, 

in den kreisenden Fragen um die Zukunft, 

festgefahren im Gedanken-Karussell, 

das beständig dreht… 

Doch ich will 

immer wieder 

meinen Blick erheben, 

meine Augen nach oben richten, 

zum Himmel aufblicken, 

zu den Vögeln in der Luft. 

Ich will 

von ihnen lernen 

mich selbst himmelwärts bewegen: 

mit Augen, Herz und Sinn 

immer wieder 

DIR entgegen, himmlischer Vater: 

vertrauensvoll, 

weil du sorgst – auch für mich, 

und weil du sagst: 

Du bist kostbar und wertvoll in meinen Augen 

und ich habe dich lieb! 

Das will ich glauben. 

AMEN 

© Sabine Herold (25.4.2021) 

Schaut genau hin: Die Vögel, die in der Luft umherfliegen, machen sich doch auch keine Sorgen! Sie säen nicht selbst, sie bauen sich keine Rücklagen auf und sammeln die Nahrung auch nicht in Vorratskammern. Und doch schenkt euer Vater, der über allen wacht, ihnen ihre Nahrung. Seid ihr nicht noch viel bedeutsamer als sie? (Matthäus 6,26; das buch) 

Jesus fordert seine Jünger, und ebenso seine Hörerinnen und Hörer dazu auf hinzusehen, mit offenen Augen und achtsam durch ihren Alltag zu gehen. Er lädt sie ein auf die Vögel am Himmel zu achten und zu beobachten, wie diese beschwingt durch die Luft fliegen – man könnte fast meinen sorglos, fröhlich, vertrauensvoll. 

Während ich dies schreibe, flattert es lustig im Rosenbusch vor meinem Fenster. Die Spatzen und Meisen zwitschern – vielleicht diskutieren und schimpfen sie auch temperamentvoll – sie begrüssen das Morgenrot und schlagen aufgeregt mit ihren Flügeln, was wie kleine Propeller tönt. Und jeden Morgen dasselbe lustige Spiel. Sorgen scheinen sie nicht zu kennen. Dabei hätten sie allen Grund, sich über die Gefahren des Lebens und der Welt Gedanken zu machen. 

Jesus nimmt die Vögel als Beispiel und Vorbild für den Umgang mit unseren Alltagsthemen und allen möglichen und unmöglichen Lebens-Sorgen. 

Wir Menschen sind damit beschäftigt zu säen und zu pflanzen, zu mähen und zu ernten und die Frucht zu lagern, den Ertrag zu speichern. Wir jagen danach unsere Speicher zu füllen – nicht nur die Vorrats- oder Speisekammern für unsere Ernährung, sondern auch das Bankkonto, um uns für jetzt und für später abzusichern (Altersvorsorge, Versicherungen…) Doch wir sind auch tagtäglich damit beschäftigt unseren Kopf und unser Herz zu füllen mit Informationen, mit Wissen, mit Gutem und weniger Gutem… – die Medien machen es möglich… Vieles davon trägt nicht wirklich dazu bei, dass wir vertrauensvoll der Zukunft entgegengehen, dass wir mehr Hoffnung haben oder ermutigt werden. Im Gegenteil. 

Darum lenkt Jesus unseren Blick auf die Vögel, die vertrauensvoll durch die Luft flattern, denn obwohl sie weder säen oder pflanzen, noch ernten oder in Vorratskammern sammeln (was sie ja auch gar nicht könnten!), dürfen sie leben, weil sie dennoch Nahrung finden, weil die Schöpfung genügend für sie hergibt, weil der himmlische Vater – unser himmlischer Vater – für sie sorgt. Ja, Gott sorgt sogar für diese kleinen Geschöpfe, weil auch sie zu seiner Schöpfung gehören! 

Gott schenkt auch den Vögeln Nahrung, die sie brauchen. Sie finden immer wieder etwas zum Fressen, damit sie wachsen und gedeihen können. Vielleicht denken wir insgeheim daran, dass ja manche dieser Kreaturen gefressen wird oder in einem harten Winter ums Leben kommt und verhungert… Und doch: Bis heute gibt es Vögel! Alle Jahre wieder, jeden Frühling neu bauen sie ihre Nester, brüten ihre Eier aus, ziehen ihre Jungen gross, bis diese flügge werden, und sich in die Lüfte schwingen. Und immer wieder neu gibt die Erde Nahrung für sie her… 

Schliesslich lenkt Jesus den Blick auf uns selbst und er beendet seinen Satz mit einer rhetorischen Frage: «Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?» Damit sagt er seinen Jüngern: Ihr seid viel wichtiger, viel kostbarer, viel wertvoller, viel bedeutsamer als die Vögel! 

Und wenn Gott schon diese kleinen Geschöpfe im Auge behält und sie versorgt – um wie viel mehr uns Menschen! 

An anderer Stelle sagt Jesus: Denkt doch einmal an die Spatzen! Zwei von ihnen kosten nicht mehr als einen Groschen, und doch fällt kein einziger Spatz auf die Erde, ohne dass euer Vater es zulässt. 30 Und bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. 31 Seid darum ohne Furcht! Ihr seid mehr wert als eine noch so grosse Menge Spatzen. (Matthäus 10,29-31; Vgl. Lukas 12,6-7) 

Heisst das nun, dass wir die Hände in den Schoss legen können und nicht mehr arbeiten gehen oder nichts mehr säen müssen…? Natürlich nicht, denn Gott hat diese Fähigkeit in uns hineingelegt und wir brauchen ja gewisse Dinge zum Leben und Überleben. 

Der Unterschied ist aber die innere Einstellung und woran das Herz hängt: Bin ich Tag und Nacht mit meinen materiellen oder geistigen «Vorratskammern» beschäftigt und mache mir ständig Sorgen um meine Existenz und Zukunft? Oder überlasse ich all diese Sorgen und auch mich selbst und meine Zukunft den Händen des himmlischen Vaters, im Vertrauen darauf, dass er für mich sorgt, weil letztendlich er den Überblick behält? … 

Ein vertrauensvolles Unterwegssein wünsche ich uns allen! 

Sabine Herold