Das Zeichen der Ermutigung

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Zeichnung von Deborah Keller.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, herzlich für ihr neues Zeichen der Ermutigung.

Lieber Peter,

hier der Text und das Gebet. LG Sabine

Wenn Gott die Blumen auf dem Feld, die heute blühen und morgen ins Feuer geworfen werden, so herrlich kleidet, wie viel mehr wird er sich dann um euch kümmern, ihr Kleingläubigen! (Lukas 12,28; Neue Genfer Übersetzung)

Jesus erzählt in seinen Reden oft Gleichnisse und bringt bildhafte Vergleiche aus dem Alltag der Menschen. So können ihm die Hörerinnen und Hörer folgen und verstehen, was Jesus meint, weil es ihnen vertraut ist.
Jesus redet an dieser Stelle im Lukasevangelium über das Sorgen und Vertrauen, über echte und falsche Prioritäten und über Wesentliches: worauf es wirklich ankommt.
Jesus zeigt auf, dass das Leben mehr ist als Essen und Trinken, mehr als Kleidung und Besitz. Jesus lenkt den Blick der Anwesenden auf die Natur, auf die Felder und Wiesen. Vielleicht zeigt er sogar auf ein nahegelegenes Landstück. Er weist auf die Vögel hin, die sich keine Vorräte ansammeln, und doch versorgt werden. Dann erwähnt er die Pracht der Blumen, die so herrlich aussehen, ohne dass sie etwas dazu beitragen. Und schliesslich bringt Jesus sogar noch das Gras auf dem Feld als Veranschaulichung für seine Botschaft.

Ja, auch das Gras auf dem Feld ist einzigartig. Die Vielfalt der Gräser und wilden Blumen auf den Wiesen ist überwältigend.
Gott kleidet selbst diese einfachen Pflanzen herrlich. Wer im Frühling an einer Magerwiese vorbeiläuft, kann die Schönheit von einem solchen Stück Land bewundern, nicht nur die unterschiedlichen Arten und Farben, sondern auch die Geräusche der verschiedenen Insekten, die darin unterwegs sind.
Die Einzigartigkeit der Schöpfung bis ins Kleinste und Einfachste ist faszinierend, umso mehr, wenn man sich die Vergänglichkeit bewusst macht. An einem Tag stehen das Gras und die Wildblumen noch in voller Schönheit und Pracht auf der Wiese, am anderen Tag werden sie geschnitten, getrocknet und als Futter verwendet – zu Jesu Zeiten vielleicht sogar als Brennmaterial.
Von einem Moment auf den anderen sind sie nicht mehr da.

Trotz ihrer Kurzlebigkeit schenkt Gott diesen Pflanzen ein wunderschönes Aussehen. Ja, Gott bekleidet sie. Er zieht den Blumen und Gräsern ein einzigartiges Naturkleid an. Er umhüllt sie mit dem, was sie für ihre kurze Lebensdauer brauchen.
«Um wie viel mehr euch!» betont Jesus und lädt zum Vertrauen auf den himmlischen Vater ein.
Ja, der Mensch ist viel mehr: Jedes Organ ist ein Wunderwerk, denken wir an das Herz, an das komplizierte Auge, daran, wie ein Körper funktioniert und welche Fähigkeiten dadurch vorhanden sind oder entwickelt werden können. Doch auch die Lebensdauer eines Menschen ist nicht ewig: «Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hochkommt, so sind’s achtzig Jahre…», erkennt Moses in seinem Psalm über die Vergänglichkeit des Lebens (Psalm 90,10).

Gott bekleidet auch uns Menschen. Doch womit denn? In der Regel sorgen wir ja selbst für eine Körperbedeckung, einen Schutz gegen Hitze oder Kälte. Doch Gott bekleidet auch uns Menschen: Er hüllt uns ein. Er umhüllt uns mit seiner Liebe und Barmherzigkeit, mit seinem Heil, mit seiner Gerechtigkeit.
«Meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet» (Jesaja 61,10; vgl. Offenbarung 7,14).
Und genau darauf kommt es an: Lassen wir uns von Gott bekleiden mit dem, was grundlegend und wirklich wichtig ist im Leben – nicht nur für dieses Leben, sondern weit darüber hinaus?
Es geht um mehr. Es geht um mehr als dieses Leben hier.

Doch wie können wir darauf vertrauen, dass Gott wirklich für uns sorgt? Indem wir uns ganz und gar Gott überlassen – dem Gott, der uns und unser Leben in Seinen Händen hält.
An dieser Stelle nennt Jesus seine Jünger «ihr Klein-Gläubigen» und bezeichnet damit ihren Ist-Zustand, ihre Realität: sie haben nur wenig, einen schwachen, geringen Glauben, Zuversicht, Treue, Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit…
Gott will unser ganzes Leben, unser volles Vertrauen, damit er es mit seinen himmlischen und bleibenden Schätzen ausfüllen kann – darauf kommt es an, das macht uns kostbar, denn Gott gibt uns unseren Wert.

Ich wünsche uns offene Augen für diese Geschenke Gottes.
Sabine Herold

Gebet

Gott
du sorgst
du versorgst
auch mich.

Du bietest mir
was mir niemand geben
was ich nicht kaufen
was ich selbst nicht erreichen kann
wenn ich mich auch noch so bemühe.

Du bekleidest mich:
Ziehst mir dein Heil an, das Kleid deiner Liebe.
Du hüllst mich ein in den Mantel deiner Gerechtigkeit,
denn meine Gerechtigkeit ist ein vergänglicher Hauch,
meine Liebe reicht nicht weit.

Du bietest mir an,
was ich nur erbitten und empfangen kann:
DICH SELBST!
Und du willst mich:
Dass ich dir vertraue, denn du bist vertrauenswürdig.
Dass ich mich auf dich verlasse, denn du bist absolut verlässlich.
Dass ich mich an dich halte, denn du hältst dein Wort, du hältst zu mir!
Dass ich dir glaube, denn du bist wahrhaftig – die Wahrheit in Person.

Gott,
hier bin ich.
Kleide mich mit deinem Heil,
hülle mich ein in den Mantel deiner Barmherzigkeit.
Ja, sorge du für mich.

AMEN

© Sabine Herold (2.5.2021)