Das Zeichen der Ermutigung

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Illustration von Deborah Keller.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr neues Zeichen der Ermutigung.

Gebet 

Du, Gott, 

kommst. 

Du näherst dich mir 

mit deiner Gegenwart. 

Dein freundliches Nahe-Sein 

ist mir angenehm, 

ist ein Wohlgeruch, 

ist wie ein erfrischender Frühlingsregen. 

Deine Nähe tut mir gut! 

Du, Gott, 

bleibst bei mir. 

Darum und dennoch und trotz allem 

richte ich mich auf dich aus, 

wende mich dir zu. 

Bei dir, JHWH, 

berge ich mich, 

denn du bist da, 

bist für mich und für mich da. 

Du bist, der du bist: meine Zuflucht. 

Das Aufgehoben-Sein in dir 

bedeutet für mich Glück! 

Du, Gott, 

wirkst weiter, 

wirkst unendlich, 

wirkst beständig: 

Staunenswertes 

Wunder 

Schöpfung 

Verwandlung – 

auch in mir. 

Dein lebendiges Nahe-Sein 

bewirkt ein Echo in mir, 

das in alle Richtungen schallt… 

AMEN 

© Sabine Herold (18.4.2021) 

 

Gott nahe zu sein, ist mein Glück! (Psalm 73,28) 

Diesen Satz formuliert und bekennt ein Psalmenbeter namens Asaf. 

Er wirkt hauptamtlich als Musiker, Dichter und Prophet im Dienst in Gottes Heiligtum, dort wo Gott versprochen hat gegenwärtig zu sein. 

Asafs Psalm ist allerdings kein «Hoch» auf das Leben eines Gläubigen auf «Wolke 7» – im Gegenteil: Asaf wird in tiefe Zweifel gestürzt, die er in Psalm 73 offen und ehrlich formuliert. Er fragt sich, ob es sich wirklich lohnt, weiterhin und überhaupt an Gott zu glauben. 

Denn ihm fällt auf, dass es den Gottlosen scheinbar so gut geht… 

Asaf, der bisher ein Leben in Verbindung mit Gott gelebt hat, gerät in eine schlimme Krise. Er versteht Gott nicht mehr. Er grübelt und grübelt, doch das Nachdenken bringt ihn nicht weiter. Er erkennt: Er kann Gott nicht begreifen. Schliesslich sucht er bewusst Gottes Nähe und richtet sich auf Gott aus – an dem Ort, wo Gott gesagt hat, dass er unter seinem Volk wohnen will: im Heiligtum. Hier sucht Asaf Gottes Gegenwart. – Und genau hier, in Gottes Gegenwart, erlebt er einen Perspektivenwechsel und erhält eine ganz neue Sicht der Dinge: 

Er schaut nicht mehr auf das Glück und den Wohlstand der Gottlosen, sondern er sieht auf ihr Ende, auf ihr Lebensende. 

Hier macht er eine interessante Feststellung: 

Die Gottlosen können Gott zwar völlig aus ihrem Leben ausblenden und damit sogar sehr erfolgreich sein. Aber sie können Gott nicht daran hindern, sie eines Tages zur Rechenschaft zu ziehen. Das gottlose Handeln wird eines Tages seine Konsequenzen haben, und dann ist es gut, in Gottes Nähe zu sein. Wohl dem, der am Ende in Gottes Nähe ist – am besten schon jetzt! 

Doch genau in dieser Formulierung steckt ein Geheimnis, 

denn wörtlich übersetzt heisst dieser Vers 28: Aber was mich betrifft: 

Das Herannahen Gottes zu mir, ist angenehm/ macht mich glücklich. Ich richte mich auf den Herrn aus. Bei JHWH berge ich mich, um alle deine Werke zu verkündigen. 

Asaf erkennt: Zuerst kommt Gott. Es ist Gott, der Schritte auf den Menschen zu macht. Sein Sich-Nähern, sein Nahe-Sein ist Erfüllung. Und dann antwortet der Mensch, indem er sich auf Gott ausrichtet, sich in JHWHs Dasein und Gegenwart birgt und bei ihm Zuflucht sucht. 

Die Folge davon ist: Es geht nicht anders, als von diesem Geschenk Gottes weiterzuerzählen… 

Asaf sucht die Nähe Gottes, aber letztendlich ist es Gott, der ihm diese Nähe gewährt und zu Asaf kommt. In dieser geheimnisvollen Gegenwart von Gott erkennt Asaf nun sein eigenes Herz und was da alles drin ist an Neid, Bitterkeit und Zerrissenheit. Er sieht sich selbst und zugleich merkt er: Ich komme von Gott nicht los. Ich brauche Gott! Darum bleibe ich. DENNOCH bleibe ich! DENNOCH bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand… (V.23) 

Asaf will Gott treu bleiben und dann erlebt er, dass Gott ihn hält. 

Gott umfasst seine Hand und lässt nicht los. Gott lässt ihn nicht fallen – und Asaf ergreift diese ausgestreckte Hand Gottes – trotz allem, DENNOCH. 

Zum Abschluss des Psalms bekennt er sogar: Aber du, Gott, nimmst mich am Ende meines Lebens an. Das lässt mich zuversichtlich und mit Freude meinem Lebensende entgegen gehen. Denn du bist da. Deine Nähe ist mein Glück! 

Auch unsere, auch meine Entscheidung ist gefragt: 

Wende ich Gott den Rücken zu oder halte ich an ihm fest? 

Kann auch ich wie Asaf sagen: Aber was mich betrifft: Das Herannahen Gottes zu mir macht mich glücklich. Ich richte mich auf den Herrn aus. Bei JHWH berge ich mich… 

Ja, auch ich darf mich Gott anvertrauen, mich von Gott ergreifen und an der Hand nehmen lassen und so Gottes Nähe zulassen. 

Bei ihm bin ich gut aufgehoben. 

Diese Erfahrung hat auch der bekannte Wissenschaftler Blaise Pascal gemacht. Er sagte: 

«Die einen sagen: Haltet Einkehr bei euch selbst, 

dort werdet ihr Ruhe finden. – Und das ist nicht wahr. 

Die anderen sagen: Wendet euch nach aussen, 

sucht das Glück, indem ihr euch zerstreut. – Und das ist nicht wahr. 

Das Glück ist weder ausser uns noch in uns. Es ist in Gott 

Eine segensreiche Zeit in dieser wohltuenden Gegenwart Gottes wünscht von Herzen 

Sabine Herold