Das traurige Ende einer präzisen Geheimwaffe

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12 cm Fest Mw – Zwillingsrohre in Schiessposition. Links oben der abgedrehte, wie ein Stein getarnte Deckel.Alle ZEM-Bilder sind amtlich und unterliegen nicht mehr der Geheimhaltung!

Dem Tages-Anzeiger vom 22. Juli 2020, Seite 16, ist zu entnehmen: “Armee verkauft ehemalige Geheimfestungen”. Dazu das Bild des Festungsminenwerfers Desibach im Zürcher Weinland und die deklassifizierte Karte der einst geheimen zehn 12-cm-Monoblöcke im Kanton Zürich.

  • Wie der Tagi berichtet, wolle der Bund “die ausrangierten Artilleriewaffen loswerden: Armasuisse bietet sie den Kantonen, Gemeinden oder allenfalls Festungsvereinen zum Kauf an.”
  • Welch trauriges Ende einer präzisen, geheimen, effizienten Waffe!

Treffer im ersten Schuss

Die 112 Zwillings-Minenwerfer bildeten rund um die Schweiz eine ungewöhnlich feuerstarke, sichere Waffe. Vor der Abschaffung der Festungsartillerie hatten mit der noch stärkeren mobilen Artillerie (Sch Kan 10,5 cm, Pz Hb M-109 15,5 cm) die 12-cm-Monoblöcke ihren festen Platz:

  • Gemäss Schiller und dank tüchtigen Ingenieuren “festgemauert in der Erden” schoss sie im 360°-Grad-Radius auf neun Kilometer a.o. präzis. Nichts gegen die mobilen Kanonen und Panzerhaubitzen! Mit damals 31 Abteilungen stellten sie eine redoutable bewegliche Artillerie dar. In der Präzision konnte indes die Schwere Kanone mit den Monoblöcken nicht mithalten. Im Wallis, auf steinigem Grund, musste sie nach jeder Lage neu justiert werden. Die 12-cm-Minenwerfer trafen bei günstiger Meteo schon im ersten Schuss.

12 cm Fest Mw – raffiniert getarnt.

12 cm Fest Mw – das war alles, was zu sehen war: in der Mitte der geschlossene Deckel über den Zwillingsrohren.

  • Gewiss hatten sie den Nachteil, dass sie nicht mobil waren. Doch das entsprach nicht ihrem Auftrag. An allen entscheidenden Fronten schützten sie die Schweiz in einem kompakten Festungsgürtel. Sie waren nicht, wie der Tagi meint, streng geheim, aber geheim – und raffiniert verborgen. In vier der fünf Monoblöcken auf dem Thurgauer Seerücken kam es vor, dass sie von auswärtigen Offizieren nachts zu Fuss, versteht sich, nur mit Mühe gefunden wurden.
  • Unter taktischem Aspekt waren die Minenwerfer optimal placiert. Sie deckten in ihrem Raum manch passages obligés ab.
  • Ihre Kadenz war eindrücklich. Der Tagi meint es gut, wenn er von 24 Schuss/Minute berichtet. Doch die besten Kanoniere brachten im scharfen Schuss mit den Zwillingsrohren 2 x 10 = 20 Granaten auf die Flugbahn. Jeder Monoblock umfasste ein gut ausgestattetes Munitionslager. Als punktgenaue Steilfeuerwaffe bewährte sich der Minenwerfer heute selbst im urbanen Kampf gut – Beispiel Kreuzlingen, die Stadt am Grenztor, die Jahr für Jahr im Focus von Überlegungen steht. Sie liegt im Radius mehrerer 12-cm-Werfer.

12 cm Fest Mw – eine gute Geschützbedienung mit einer tüchtigen Feuerleitstelle brachte 20 Schuss/Minute auf die Flugbahn.

Tempi passati

  • Der Tages-Anzeiger rechnet damit, dass Schaulustige drei Zürcher Anlagen schon in einem Jahr besichtigen. Die Besucher werden staunen – was so ein Monoblock alles “beherbergt”, Geschütz, Granaten, Feuerleitstelle, interne und externe Übermittlung, Küche, Schlafstellen, alles, was es zum Überleben braucht.
  • Ein Jahr vor den ersten Besichtigungen darf das alles gesagt werden. Wenn man weiss, wie genau die Kanoniere von damals die Geheimhaltung respektierten, dann ist es ein Riesenschritt von den getarnten, versteckten Monoblöcken zu öffentlich zugänglichen Festungen “aus drei Generationen” (Tagi).
  • Das Parlament versetzte den 12-cm-Minenwerfern den Todesstoss. Das ist gemäss Primat der Politik zu akzeptieren, wenn auch mit Bedauern. Das gilt auch für mächtigen Bison-Rohre in den Alpen (Einsatzdistanz 40 Kilometer).

12 cm Fest Mw – Granaten waren reichlich gebunkert.

Zum Schluss noch die Liste der zehn Monoblöcke im Kanton Zürich

  • Buch am Irchel
  • Trüllikon
  • Guntalingen
  • Oberstammheim
  • Stadel
  • Aeugst
  • Hausen
  • Winkel
  • Glattfelden
  • Bassersdorf
  • Unübersehbar das Schwergewicht in den Räumen der Gz Br 6 und des Flughafenregiments. Im Weinland und dem Thurgauer Grenzland abgedeckt war auch die legendäre Russen-Sperre Stammheim (ZH)–Schlattingen (TG). Die Gemeinde Stammheim weist gleich zwei Monoblöcke auf: Oberstammheim und Guntalingen.