Das seltsame Panzerbild

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“Manöver”? “Pulverdampf”? Von wegen!

Schauen Sie dieses Bild genau an. Es erschien in fast allen Schweizer Zeitungen mit Legenden wie: “Massive Panzermanöver in vollem Gange”. “100’000 bedrohen Kiew”, und so fort.

Ja, der T-72 im Vordergrund könnte rollen, könnte sogar “angreifen”, ungeachtet der offenen Luke. Aber beachten Sie den Panzer im linken Hintergrund:

  • Auf dem Schutzblech des Panzers steht ein Mann, womöglich in Uniform, mit warmer Jacke über dem Panzer-Combi > fahren kann der T-72 unmöglich, schon gar nicht ruppig, manövermässig.
  • Auch dieser Panzer hat die Luke offen, wie auch die beiden rechts entfernten Kampfwagen. Nun führt auch das russische Panzerkorps, je nach Lage, mit offener Luke. Nur erkennen wir in keinem Turm einen Wagenkommandanten.
  • Und gerade frisch wirken die Kettenspuren im Schnee nicht – so wenig wie das vermutlich rot-weisse Band links und der Zaun ganz hinten auf eine Szene im offenen, freien Manövergelände hindeuten.

Ein Betrug am Leser ist es nicht. Es kann eine Kampfpause sein, ein Manöver-Unterbruch, das Warten vor dem Auftanken; jedoch das, was Redaktoren dem Leser vermitteln wollen: Kriegsstimmung, Kriegsbedrohung, unverschämter Machtpoker – das bringt die Fotografie auf den zweiten Blick nicht.

Aus dem Osten kommen durchaus echte Manöverbilder; aber das folgende war Schweizer Redaktionen wohl zu wenig düster, zu wenig bedrohlich, obwohl es eine russischen Eliteverband im Manöver zeigt: die Garde-Luftlandedivision aus Pskow.

Ilyushin-76, Garde-Luftlandedivision aus Pskow.

Oder wie wäre es mit dieser Aufnahme gewesen, dunkel genug – doch was tragen die potentiellen Angreifer auf dem Kopf? Sind das Helme? Und was hat der vorderste Mann in der linken Hand? eine Pistole? ist er ein Offizier?