Das Ende der Miliz – in der Kirche!

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Vor mir liegt der Thurgauer “Kirchenbote”, das zuverlässige Organ der hiesigen Evangelischen Landeskirche. Auf Seite 2 berichtet die Zeitschrift über eine Ersatzwahl in die Vorsteherschaft einer mittelgrossen Kirchgemeinde.

  • Wahlberechtigt waren “1’553 Gemeindemitglieder”.
  • Gewählt wurde “mit 22-Ja-Stimmen” eine Frau. Gleichzeitig wurde in die kantonale Synode “mit 24 Ja-Stimmen” ein Mann gewählt – der Präsident der Vorsteherschaft.

Der Begleittext beklagt: “Um ein neues Mitglied gewachsen, ist die Vorsteherschaft jedoch weiterhin unterbesetzt, weshalb sich die Kirchgemeinde über weitere Bewerbungen freuen würde.”

Das passt alles zusammen. Zwei an sich gewichtige Ämter werden mit einer Wahlbeteiligung von rund 1,5% besetzt – in Worten: ein-komma-fünf Prozent aller Wahlberechtigten. Wer stellt sich da noch zur Wahl, wenn es 98,5% der Gemeinde egal ist, wer das Amt übernimmt?

  • Das ist das Ende der Miliz: des freiwilligen Mittragens von Vereinen, von Kirchen, Schulen, Gemeinden. 1,5% ist das Ende der demokratischen Legitimation von Amtsträgern.
  • Über die Gründe zu verweisen, mutet müssig an.
  • Seltsame linksgerichtete Stellungen von Pfarrern und übergeordneten, artifiziellen Gremien tragen gewiss nicht zur staatsbürgerlichen Verankerung der Kirchen bei. Die teils heute noch hängenden orangen Fetzen pro Konzerninitiative an Kirchtürmen und Pfarrhäusern lassen grüssen.

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PS. am Rande: Wie sehr selbst die sprachliche Verwahrlosung auch die Kirchen erodiert, belegt die verloren gegangene Unterscheidung von Wahl und Sachvorlage. “Ja-Stimmen” gibt es nur bei Sachgeschäften, nicht bei Wahlen.