Das 25. Zeichen der Ermutigung

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Zum 25. Mal sendet uns Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, ihr Zeichen der Ermutigung, illustriert von Deborah Keller, Sulgen/TG.

Gebet 

Gott, von dir kommt alles Leben. 

Du hast uns ins Dasein geliebt. Wir sind gewollt. 

Dein JA steht über unserem Leben. 

Bitte hilf uns, in diesem Bewusstsein zu leben, 

dass wir von dir kommen und zu dir gehören, 

und dass unser Leben einen Sinn hat. 

Gott, bei dir ist die Lebensfülle. 

Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. 

Bitte, wecke in uns immer wieder neu 

die Sehnsucht nach wahrem, erfülltem Leben 

und hilf uns dieses Leben mit dir zu leben 

und so deine Lebensfülle kennen zu lernen. 

Gott, bei dir ist die Lebenskraft. 

Ohne dich können wir nichts tun. 

Bitte, fülle uns neu mit deiner Kraft 

und hilf uns dort, wo wir sind, 

deine Liebe, Hilfe und Barmherzigkeit weiterzugeben 

und uns zu verschenken. 

Gott, bei dir ist unsere wahre Heimat. 

Wir leben nicht ewig auf dieser Erde. 

Einmal kommt für jeden von uns die Zeit zu gehen. 

Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Anfang: 

der Anfang eines neuen Lebens – 

wo du auf uns wartest. 

Jesus, du bist das Leben. 

Du lebst, und wir sollen auch leben! 

Du hast uns vorgelebt, wie wahres Leben aussieht. 

Bitte hilf uns, deinen Spuren zu folgen 

und mit dir zu leben – 

hier und jetzt und jeden Tag – 

bis ans Ende unserer Tage. 

AMEN 

© Pfarrerin Sabine Herold (2. November 2020) 

 

Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben. Ich bin gekommen, um Leben zu bringen: Leben in ganzer Fülle! (Johannes 10,10) 

Vielleicht hat der eine oder die andere von uns in der letzten Zeit gedacht: Das ist doch kein Leben – mit all diesen Massnahmen, mit all diesen Gesetzen, Vorschriften und Einschränkungen. Was soll das Ganze? Und manches fühlt sich an wie im falschen Film… 

Das ist doch kein Leben! Was ist denn das für ein Leben? 

Aber: Was ist denn Leben überhaupt – wahres, sinnerfülltes Leben mit Qualität? Ist es mehr als atmen, essen, schlafen, den Job und andere Aufgaben erledigen, mehr als funktionieren? 

Beginnt es mit der Geburt und endet mit dem Tod? Und was ist dazwischen? Was heisst Leben gerade jetzt in unserer aktuellen Situation mit all den Massnahmen, Vorschriften, Einschränkungen? 

Wir Menschen sehnen uns danach zu leben, richtig zu leben. Wir sehnen uns nach einem Leben, das mehr ist als geboren werden und sterben. Wir sehnen uns nach mehr. 

Jesus sagt von sich, dass er das Leben ist. Er bietet seinen Jüngern – und auch uns – Leben an. Er sagt, dass er gekommen ist, um Leben in Fülle zu bringen. Er sagt auch: Ich lebe und ihr sollt auch leben! (Joh 14,19) 

Das griechische Wort für Leben beinhaltet mehr als geboren werden und sterben: Es meint einerseits lebendig sein, da sein, am Leben sein. Es meint aber auch eine bestimmte Lebensweise, also wie gelebt wird; es fragt nach der Quelle des Lebens, danach, wovon und woraus gelebt wird. Das Wort spricht von etwas Bleibendem, von Leben, das Bestand hat. Und das Wort beinhaltet noch viel mehr: z.B. Erfolg, Gedeihen, Gelingen, Lebenskraft und Lebensblüte. 

Wenn Jesus «Leben» sagt, dann weiss er, wovon er spricht. 

Wie lebte Jesus denn? Was war das Besondere an seinem Leben? 

Über seinem Leben stand Gottes Ja. Jesus hatte eine Lebensaufgabe. Er kannte sein Woher, sein Wozu und sein Wohin. 

Jesus lebte nicht für sich selbst, sondern verschenkte sich immer wieder mit den Gaben und Fähigkeiten, die er von Gott hatte. Jesus bot ein Leben in Fülle, ein Leben mit Gott an, aber er zwang niemanden dazu. Jesus war auch bereit zu leiden. Sein Leben beinhaltete Leiden, Sterben, Tod. Aber der Tod war nicht das letzte. Am Tiefpunkt begann neues Leben: Auferstehung, ein Neuanfang. Jesus Christus besiegte den Tod und seine Endgültigkeit. 

Jesus hat uns vorgelebt, was echtes, wahres, erfülltes Leben heisst und beinhaltet. Es ist verwurzelt, es hat Halt und ein Fundament, es ist authentisch, erfüllt, sinnvoll, zielgerichtet. Es ist echtes Leben trotz Schwierigkeiten, Herausforderungen, Einschränkungen! 

Leben von und mit Gott ist Leben mit Lebensqualität. 

Jesus lädt uns ein, das zu leben, was er vorgelebt hat: in seiner Gesinnung, in seiner Grundhaltung. Doch was bedeutet das? 

Ein Mensch, der weiss, woher er kommt, wozu er lebt und wohin er geht, lebt anders als ein Mensch, der keinen Sinn im Leben sieht. 

Von unserem ersten Tag an, an dem es uns gab, sind wir von Gott gewollt und geliebt. Wir sind ein Gedanke Gottes und von ihm ins Dasein geliebt, und Gott kennt uns mit Namen! (Psalm 139; Jesaja 43,1.4) 

Von Gott kommen wir und zu ihm gehören wir eigentlich und ursprünglich. Die Zugehörigkeit zu Gott begleitet uns, und Gott hat in uns eine Sehnsucht gepflanzt, die bewirkt, dass wir nach mehr suchen, nach Sinn, nach einem Ziel, nach Gott selbst. Gott hat die Ewigkeit in uns Menschen gepflanzt (vgl. Prediger 3,11). Und unser Leben ist ein Suchen, ein Sehnen, ein Wandern zu diesem MEHR, zu dem, was uns wirklich ausmacht, zu dem, von dem wir kommen. 

Wenn ich weiss, woher ich komme, wenn ich weiss, dass mich Gottes bedingungsloses Ja und Seine vorbehaltlose Liebe begleiten, dann habe ich einen sicheren und festen Grund unter den Füssen – ein Lebensfundament, das hält und trägt, auch wenn sonst nichts und niemand mehr hält und trägt.

Das ist ein Gottesbewusstsein, das nicht von der Meinung anderer Menschen geformt wird oder abhängig ist. Das gibt Lebenskraft und das ist ein Leben in Freiheit – auch unter Massnahmen und Einschränkungen, und auch im Leiden, denn der lebendige Gott selbst steht uns zur Seite. Gott bleibt bei uns, jeden Tag von unserem Leben, bis ans Ende unseres Lebens und darüber hinaus – bis Daheim bei ihm. 

So dürfen wir leben, mit dem Zuspruch Jesu: Ich bin gekommen, um Leben zu bringen: Leben in ganzer Fülle! Und: Ich lebe, und ihr sollt auch leben! 

Dieses Leben wünsche ich uns allen von Herzen! 

Pfarrerin Sabine Herold