Cyberwar: Wie Hacker Putin demaskieren

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Vielerorts gibt es Protest gegen Putin, wie hier in Krakau. Aber auch in Russland reissen die kritischen Stimmen nicht ab.

Oberst Martin Dreher ist als Berufsoffizier ein erfahrener, kenntnisreicher Kenner des Informationskrieges. Die Redaktion dankt ihm für den Hinweis auf Cyberattacken gegen Putin in der “Frankfurter Rundschau” (FR), der Konkurrenz zur “Frankfurter Allgemeinen” (FAZ). Die FR berichtet:

Ausgerechnet am „Tag des Sieges“ hagelte es in Russland Kritik am Ukraine-Krieg. Schon während der großen Militärparade am Morgen wurden nach einem Hackerangriff Anti-Kriegs-Botschaften im russische Fernsehen versendet. Doch es ging noch weiter. In einem eigentlich kremltreuen Medium tauchten für kurze Zeit rund 20 kritische Artikel über Wladimir Putin auf.

„Wichtigster Grund war das Gewissen“, begründete Poljakow sein Vorgehen. Da unabhängige Medien ohne alternative Internetzugänge in Russland nicht mehr aufzurufen seien, habe er sich mit seiner Mitarbeiterin dazu entschlossen, deren Materialien für die Leser seines Mediums zugänglich zu machen, sagte Poljako

Hacker attackieren russische TV-Sender

 Die Nachricht kam zum ungünstigsten Zeitpunkt. Ungünstig zumindest für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der mitten im Ukraine-Konfliktden „Tag des Sieges“ der Sowjetunion über Nazi-Deutschland mit einer großen Propaganda-Show in Moskau zelebrieren wollte. Doch die Menschen, die am Morgen in Russland vor den Fernsehern sassen, bekamen plötzlich Nachrichten zu lesen, die Putin sicher nicht gefallen haben dürften. Ausgerechnet während der grossen Militärparade am 9. Mai waren im russischen Staatsfernsehen Anti-Kriegs-Botschaften zu lesen.

„Das Blut von Tausenden von Ukrainern und Hunderten ihrer Kinder klebt an Ihren Händen“, war zum Beispiel eine der Schlagzeilen. Zudem wurden die Menschen gewarnt, dass „das Fernsehen und die Behörden lügen“. Und zum Abschluss: „Nein zum Krieg.“

 Im ganzen Land

Die Botschaft war im ganzen Land – im digitalen Programmführer, am TV-Gerät und in diversen Sendungen – zu sehen. Offenbar wurde diese Botschaft auch beim Umschalten eingeblendet. Auch die Namen der grossen Sender Rossiya-1, Channel One und NTV-Plus wurden von Hackern in den Anti-Kriegs-Nachricht geändert. Der Angriff traf auch den russischen Verteidigungsministeriumskanal TV Zvezda für das Publikum, das über die Yandex-Suchmaschine darauf zugriff.