Bittere Lektüre

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Das Center for Security Studies (CSS) an der ETH Zürich  veröffentlich sein Bulletin 2020. Die 215 Seiten umfassende gediegene Schrift steht im Zeichen der Corona-Pandemie.

  • Ein Schlüsseldokument hat gleich vier Autoren: Andrin Hauri, Kevin Kohler, Benjamin Scharte, Andreas Wenger.
  • Der Beitrag greift das Thema auf: “Pandemievorbereitung in der Schweiz: Krisenvorsorge als laufender Prozess” und bietet bittere Lektüre.

Fünf Pandemiepläne

Denn er ruft all die Experten in Erinnerung, die seit einer Generation vor Seuchen warnen; und dennoch zogen Behörden die dringend notwendigen Konsequenzen nicht. An Plänen, Berichten und Warnungen fehlte es fürwahr nicht:

  • 1995 Beginn der Arbeit am Pandemieplan
  • 2000 Abschluss dieser Arbeit
  • 2004 Erster Grippe-Pandemieplan
  • 2005 Strategische Führungsübung (SFU)
  • 2006 Teilrevision Epidemiengesetz (EpG)
  • 2009 Zweiter Grippe-Pandemieplan
  • 2012 Beginn Totalrevision EpG
  • 2013 Dritter Pandemieplan
  • 2014 Sicherheitsverbundsübung (SVU)
  • 2015 Vierter Pandemieplan
  • 2017 WHO evaluiert die Schweiz
  • 2017 Strategische Führungsübung (SFU)
  • 2018 Fünfter Pandemieplan

Das grösste Risiko

Die Autoren halten kompetent, gut belegt und zweifelsfrei fest:

  • Schon der SARS-Ausbruch 2002 offenbarte föderale Schwächen und verlieh der Pandemievorsorge neue Dringlichkeit.
  • Gemäss dem Risikobericht 2012 stellte von zwölf Gefährdungen eine Pandemie das grösste Risiko für die Schweiz dar.
  • Kein Fachgremium ist für die Gesamtsteuerung der Vorsorgeplanung verantwortlich. Ebenso unklar ist, wie Entscheide über neue operationelle Fähigkeiten auf die politische Stufe getragen werden.
  • Die SFU 2017 unterstrich, dass das Krisenmanagement des Bundes zu überdenken und die Anzahl der Stäbe zu reduzieren sei.

Potenziale waren bekannt

Vernichtend fällt die Quintessenz aus:

“Auf der Fachebene waren Verbesserungspotenziale bekannt – sie wurden aus zeitlichen, administrativen, finanziellen oder politischen Gründen (noch) nicht weiterverfolgt.”