BISS – Der “EU-Armee” fehlt schlicht alles

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Fallschirmjäger der 82nd in Kabul – erkennbar am linken Ärmel: AA, All Americans. Die EU hätte Kabul nicht sichern können.

  • 2007, lange vor Putins Griff nach der Krim, schuf die EU grossspurig ihre Kampfgruppen. Seither setzte sie nicht ein einziges Mal ein. An der aktuellen Minister-Konferenz im slowenischen Kranj fragte der Litauer: “Was eigentlich machen unsere Kampfgruppen?” – und antwortete: “Nie werden sie aktiv, es fehlt am politischen Willen.
  • Dafür schwafeln einzelne Minister von einer neuen “EU-Eingreiftruppe von 1’500 Mann”; das im Gefolge der Kabul-Evakuation, die nur dank des robusten Engagements von 5’200 Amerikanern und 1’000 Briten zustandekam. Diese Rettungstruppe wurde in 24 Stunden nach Afghanistan verlegt. Allein dank des US Air Mobility Command und britischer C-17A Globemaster III waren die 82nd Airborne Division, die 24th Marine Expeditionary Unit, die Royal Marines und das SAS-Fallschirmregiment so schnell in Kabul.

Und nur dank dem amerikanischen Air Mobility Command konnten über 100’000 Menschen ausgeflogen werden. Was wäre passiert, wenn es nach der EU gegangen wäre – Fehlanzeige! Obwohl die deutsche Luftlandebrigade 1 unter General Artl gute Arbeit leistete (und bedrohte Schweizer rettete), hätten sie den Airport allein nicht sichern können, bei allem Respekt.

Viel weniger noch wäre die imaginäre EU-Eingreiftruppe von 1’500 Mann fähig gewesen, Kabul zu sichern und Zehntausende auszufliegen.

Wo wäre die Lufttransport-Kapazität?

Wenn sich die EU-Minister jetzt wieder wie eine Grossmacht gebärden, ist das Lug und Trug:

  • Es fehlt, wie gesagt, die politische Einigkeit. Die Balten, die Polen, die Bulgaren, die Rumänen und andere Osteuropäer vertrauen nur der NATO – will heissen: trotz des Kabul-Debakels den USA. Und die mediterranen Staaten haben ganz andere Sorgen als die Chimäre EU-Armee: Sie stehen unter permanentem Druck der Asylsuchenden von Afrika her.
  • Es fehlt die militärische Schlagkraft. Mit dem Brexit fällt die stärkste westeuropäische Armee aus; wobei die Briten seit dem Ersten Weltkrieg wissen, wohin sie gehören: an die Seite der cousins, der USA.
  • Eine Grossmachtarmee braucht, wie erwähnt, eine starke Lufttransportflotte. Obschon sich die lange pannenanfälligen Airbus A400M von und nach Kabul bewährten, könnte es eine “EU-Streitmacht” nie mit den USA, Russland oder China aufnehmen.
  • Unabdingbar ist zudem die Fähigkeit, ein schlagkräftiges HQ rasch ins Kriegsgebiet zu verlegen – NATO-Vokabular: forward deployable headquarter. Das fehlt komplett. Wohl unterhält die Europäische Union in Brüssel ein sogenanntes “EU-Hauptquartier”. Aber jedesmal, wenn es brennt, greifen die Staaten auf ihre eigenen HQ zurück, von denen sie wissen, was sie können – und was nicht können, so die Verlegung nach vorne.
  • Schwach ist die Satelliten-Aufklärung und die Potenz an AWAQS. Die europäischen Satelliten reichen für einen längeren Kriegseinsatz nicht aus; und die AWAQS-Kapazität liegt ist der Hand der NATO.

Dutzende verschiedene Schützenpanzer

  • Damit haben wir die Gretchenfrage noch nicht gestellt: Wie sollen sich Armeen, die Dutzende verschiedene Schützenpanzer, ebenso viele unterschiedliche Geschütze, keinerlei Abstimmung der Funkmittel, teils total unterschiedliche Doktrinen, Hierarchien, Militärkulturen aufweisen, zu einem kriegstauglichen Armee zusammenfinden? Ausgeschlossen!
  • Was noch funktioniert unter den Europäern, sind gewisse NATO-Standards und die NATO-Befehlssprache Englisch – oder wenn wir ehrlich sind: breites Amerikanisch.
  • Nur stellt sich dann trotz des Afghanistan-Debakels die Frage, die Balten, Mittelosteuropäer und – hinter vorgehaltener Hand – viele Deutsche stellen: Wenn wir schon den Nordatlantik-Pakt haben samt atomarem Schutzschild der USA, warum sollen wir unsere Sicherheit in ein Fata-Morgana-Projekt stecken?

Auch wenn es nicht alle offen zugeben: All das Geschwätz vom EU-Militär ist für die Galerie – oder gut schweizerisch: “zum Fenster hinaus”.