BISS – Wozu haben wir den Geheimdienst?

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Divisionär Jean-Philippe Gaudin, in die Wüste geschickt.

Der Schweizer Geheimdienst hatte viele gute Tage. Geführt von kompetenten Chefs wie den Divisionären Carl Weidenmann, Richard Ochsner, Peter Regli und Jean-Philippe Gaudin oder dem Obersten i Gst Hans Wegmüller diente er seinem Auftraggeber, dem Bundesrat, lange Jahre gut und zweckmässig.

Der Vaudois Jean-Philippe Gaudin, gelernter Panzeroffizier, ex-Chef des Militärischen Nachrichtendienstes und ex-Attaché in Paris, verstand viel von Krieg und Militär. Er kannte die Materie und führte straff. Für extreme Lagen wie dem Fall von Kabul oder dem Ausbruch des Ukrainekriegs wäre er richtige Mann an der SND-Spitze gewesen. Aber nein! Weil er kein Blatt vor den Mund nahm und ein paar intellektuelle Mimosen im Elfenbeinturm motzten, schickte ihn seine Chefin, Bundesrätin Viola Amherd, in die Wüste (wo er sich bestens bewährt).

Und lesen Sie heute die NZZ oder den Tages-Anzeiger. Die beiden Zürcher Blätter berichten über einen Brief der machtvollen GPDel, der Geschäftsprüfungsdelegation des eidg. Parlaments, an den Bundesrat. Die sechs Mitglieder der GPDel, je drei aus dem Stände- und dem Nationalrat, nahmen Anstoss am Versagen des Bundesrates, dessen Sicherheitsausschusses und der Kerngruppe Sicherheit in Sachen Afghanistan und Ukraine.

Obwohl es in Kabul und Kiew die Spatzen von den Dächern pfiffen, sei der Bundesrat am 15. August 2021 und am 24. Februar 2022 überrumpelt worden. Zugegeben, am Hindukusch hatte die CIA versagt, aber andere Dienste, sogar kluge Medien (nicht in Zürich) wussten, dass die Taliban vor Kabuls Toren standen und die Hauptstadt längst infiltriert war. Zum russischen Überfall versagten die Amerikaner nicht und prophezeiten aller Welt: “Am Donnerstag, den 24. Februar 2022, geht’s los”. Nur der Bundesrat soll zweimal auf dem falschen Fuss erwischt worden sein.

Ja, um Himmels willen, wozu unterhalten wir mit unseren Bundessteuern einen mehrere 100 Köpfe starken Nachrichtendienst – wenn er doch in seinem ureigenen Auftrag, der rechtzeitigen Warnung der Regierung, derart versagt! (Den genauen Personalbestand zu nennen, empfiehlt sich nicht; für böse Briefe ist in Bern immer Zeit.)

Der Auftrag eines jeden Geheimdienstes ist handfest, konkret, nicht gedankenblass abstrakt. Ein Nachrichtendienst hat zuverlässige Informationen zu beschaffen und korrekt auszuwerten, wie letzteres lange unter dem trefflichen Obersten i Gst Jürg Kürsener der Fall war. Ein Geheimdienst ist ein stiller Diener an der Sache. Je weniger Schlagzeilen er macht, desto besser dient er seinen Auftraggebern. Ein Gremium voller Intrigen, Machtspiele und Denunziantinnen versagt. Und man muss nicht Bond- und MI6-Fan sein, um zu wissen: Alle Agenten und Auswerter brauchen einen starken, mutigen Chef.

Übernehmen Sie, Herr Botschafter Dussey, greifen Sie durch!