BISS – Wie HIMARS den Gegner zertrümmert

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Im Kontext mit der HIMARS-Lieferung an die Ukraine streiften wir kurz den HIMARS-Feuerschlag vom 26. Februar 2017 auf die ISIS-“Festung” am und im Flughafen Mosul. Wann, wie und warum zerschlug damals eine amerikanische HIMARS-Batterie die letzte ISIS-Front im Irak?

Es lohnt sich ein knapper Blick auf die Karte, die zwei Tage vor dem Angriff die Ausgangslage zeigt.

Schlacht um Mosul. Lagekarte vom 24. Februar 2017.

  • Violett erscheint der Frontvorsprung, den der Islamische Staat (ISIS) in West-Mosul auf dem Westufer des Tigris noch hält – mit terrestrischer Brücke nach Syrien, wo er 2017 stärker ist als in Irak.
  • Braungelb eingefärbt hält die irakische Armee mit amerikanischer Hilfe Ost-Mosul besetzt. Der ISIS hat die fünf Tigris-Brücken zerstört und verschanzt sich im Flugplatz.
  • Der ISIS beging den taktischen Fehler, seinen Gefechtsstand am Flugplatz im höchsten Gebäude einzurichten.

Flugplatz Mosul. Die Karte ist nicht exakt genordet.

Der Flughafen (blau) liegt südlich der Weststadt parallel zur Ausfahrtsachse nach Bagdad. Die Front verläuft direkt am Südende der Hauptpiste. Für die angreifenden Iraker bildet das Flugfeld das letzte schwere Hindernis vor der Befreiung der Weststadt – und dann zum Durchbruch an die syrische Grenze.

64 Kilometer südlich von Mosul

Nach gründlicher gewaltsamer Aufklärung setzen Iraker und Amerikaner zum finalen Stoss an. Die USA bringen südlich des Gefechtsstandes Hamam al-Alil ihre HIMARS-Batterie in Stellung. Sie ist nach dem germanischen Donnergott Thor benannt und trägt den Code “THOR”. Ihre Offiziere wissen: Der Gegner hat sein Flugplatz-Kommando in einem hohen Gebäude bezogen und hält sich auf dem Flughafen in starken Befestigungen zur Abwehr gegen Süden bereit.

Irakische Spezialkräfte in ihrer Basis Qayyarah West. Nur der vordere Operator hält sein Gesicht bedeckt – aber wie!

Reguläre Iraker nach dem Einzug in die Weststadt von Mosul.

Der HIMARS-Stellungsraum liegt 64 Kilometer vom Südende des Flughafens entfernt. Captain Geoffry Ross, der Kommandant, wählte ihn bewusst zwischen 60 und 70 Kilometern vor dem Ziel. Für die Munitionsart, die ihm befohlen wird, ist das eine gute Reichweite. Zudem bietet sich der Militärflugplatz Qayyarah West, von den Amerikanern Q-West genannt, für die Stellung an. In sicherem Abstand startet und landet eine Staffel AH-64-Apache-Kampfhelikopter.

Für Ross sind die gegnerischen Vorkehrungen kein Hindernis. Sein Auftrag lautet lapidar: “Zerstörung des ISIS-Kommandoposten und der ISIS-Stellungen, bevor der Bodenangriff einsetzt.” Zuerst richtet der Kommandant seine Rohre auf das von der Aufklärung als KP identifizierte hohe Haus. Innert zehn Minuten machen die HIMARS-Salven den feindlichen Gefechtsstand dem Erdboden gleich.

Befestigungen in Schutt und Asche gelegt

Nun gilt es, die ISIS-Befestigung in Schutt und Asche zu schiessen. Die HIMARS-Geschützmannschaften laden ganze Salven in fünf Minuten nach. Captain Ross’ Batterie besteht aus zwei Zügen, die abwechselnd feuern. First Lieutenant Mary Floyd führt den ersten Zug. Nachdem ihre Rohre den ISIS-Gefechtsstand ausgeschaltet haben, nimmt sie die feindlichen Feldbefestigungen ins Visier. Ihre Mannschaft arbeitet schwungvoll. In der Schlacht um Mosul ist es ihr 20. Einsatz im scharfen Schuss.

80 Millionen $ – das teuerste Artilleriefeuer.

Ununterbrochen hämmern die GMLRS-Raketen von Q-West auf die ISIS-Frontlinie ein. GMLRS steht für die Munitionsart Guided Multiple Launch Rocket System. Sie eignet sich für den Auftrag, den Captain Ross erhielt. GPS-gesteuert peilt die Rakete das Ziel relativ flach an, bevor sie in den waagrechten Flug übergeht. Über dem gegnerischen Objekt bricht sie die Ballistik jäh ab: Sie stürzt sich senkrecht auf das Ziel und zerschlägt es. Nach einer Stunde ist für den ISIS der Spuk vorbei. Fast kampflos nimmt die irakische Elite den Flugplatz in Besitz.

Der zähe Kampf um die Altstadt von Mosul steht noch bevor. Aber der HIMARS-Schlag gegen das Kommando und die Hauptstellung am Flugplatz hat den ISIS enthauptet und so geschwächt, dass ganz Mosul fällt. Der Vorstoss an die syrische Grenze ist dann noch Formsache.

Mary Floyd lobt a.o. Präzision

First Lieutenant Floyd lobt die a.o. Präzision der GPS-Geschosse. Die genaue Flugbahn und der vertikale Sturz auf das Ziel vermieden unnötige Schäden im Umfeld des Feindes. Die “gescheite” Munition sei teuer, jedoch das Geld wert. Am 26. Februar 2017 kosteten die 60 Minuten gegen den ISIS rund 80 Millionen $. Die Zahl der eingesetzten Raketen blieb geheim. Doch das HIMARS-Feuer ersparte den angreifenden Verbündeten kostbares Blut.

Viele halten das System M142 HIMARS derzeit weltweit für eine der besten Artilleriewaffen, manche sogar für die beste. Den Ukrainern jedenfalls wird sie, eingesetzt wie auch immer, ob 70 oder 300 Kilometer weit, zugute kommen.

Weltweit anerkannt: die a.o. Präzision.

HIMARS-Raketeneinschlag.