BISS – Wie entstand und was bringt die “Schweizer Lösung”?

Standard

 

 

 

Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg > Besatzungszonen.

 

Siehe auch > BISS – Kiew: Neutralität à la Schweiz?

Wie kam es von 1945 bis 1955 zur “Schweizer Lösung”? Welches waren die Grundlagen? Und wer erfand Österreichs “Neutralität nach Schweizer Vorbild”?

  • Im April 1945 besetzte die Rote Armee Wien und die umliegenden Bundesländer. Die sowjetische Besatzung war in Stein gemeisselt, bis Stalin am 5. März 1953 starb. Anfang April 1953 löste am Wiener Ballhausplatz, im Kanzleramt, der Neutralitätsfreund Julius Raab den Westpolitiker Leopold Figl ab.
  • Am 9. Februar 1954 liess in Moskau der knorrige Aussenminister Wjatscheslaw Molotow verlauten: Die Sowjetunion kann sich den Truppenrückzug vorstellen, wenn Wien nicht der NATO beitritt.
  • Am 11. April 1955 machte Raab in Moskau dem neuen Machthaber, dem Pragmatiker Nikita Chruschtschow, die Aufwartung. Die Österreicher sassen wie auf Nadeln: Der tragische Anschluss vom 13. März 1938 sass ihnen in den Knochen. Den Sowjets stiessen in Wien die Fürsprecher der Westbindung sauer auf.
  • Der Staatsvertrag drohte an Machtpolitik zu scheitern. Da zog Molotow, der Prototyp seiner Nachfolger Andrej Gromyko und Sergej Lawrow, die “Schweizer Lösung” aus dem Ärmel. Raab verpflichtete sein Land zur “Neutralität nach Schweizer Vorbild”. Am 15. Mai verkündete Figl im Wiener Schloss Belvedere den Abschluss des Vertrages, der bis heute hält.
  • Am 15. Oktober 1955 verliess der letzte Sowjetsoldat Österreich. Für die Legende, Raab und Figl hätten Chruschtschow und Molotow “unter den Tisch gesoffen”, gilt: Wenn es nicht wahr ist, ist es gut erfunden.

1955, Wien, Schloss Belvedere: Aussenminister Figl präsentiert den Staatsvertrag. Zweiter von rechts Figls russischer Amtskolle Molotow.