BISS – Widerspruch in der heutigen NZZ

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“Grande terreur” 1793: die Guillotine. Wer heute nicht mit den Gender-, Klima- und Diversity-Gutmenschen heult, riskiert, moralisch geköpft zu werden.

In der NZZ kommen oft tapfere Gegner der neuen “cancel culture” zu Wort; sie wehren sich gegen das Ausgrenzen missliebiger Meinungen durch linke Gutmenschen.

Brillant macht das am heutigen 8. Mai 2021 Professor Josef Joffe: “Irgendwann kollabiert das Absurde unter seinem eigenen Gewicht. Umbenennen, verbannen, canceln: Wohin das führt, ist abzusehen.”

Auf Seite 40 schreibt Joffe ein brillantes Plädoyer gegen die Jakobiner unserer Zeit. Der NZZ-Feuilleton- (zum Glück nicht Kultur-)Redaktion sei Dank.

Wie eine Faust aufs Auge wirkt auf Seite 23 ein Erguss des Wirtschaftsredaktors Schöchli. Er gehört zu den notorischen EU-Turbos im Wirtschaftsressort und bekämpft mithin die Gegner des darniederliegenden Rahmenabkommens. In einer liberalen Ordnung ist das sein gutes Recht. Aber wie er draufhaut!

“Viele bürgerliche Politiker in der Schweiz benehmen sich wie Halbstarke auf einem Schulhof.”

Man reibt sich die Augen. Doch Schöchli findet derart Gefallen an seinem Spruch, dass er ihn in markantem Schriftgrad gleich noch wiederholt, umrahmt von viel kreativem Weiss. Also muss er es ernst meinen.

Wenn das nicht “cancel culture” in Reinkultur ist! In bester Linkenmanier kanzelt Schöchli Bürgerliche, die aus Sorge um die Freiheit der Eidgenossenschaft vor der Unterwerfung warnen, als Halbstarke ab – eine Frechheit, eine Ungehörigkeit, eine üble Entgleisung!

Was wohl der treffliche Aargauer Ständerat und Hauptmann Thierry Burkart zu seiner neuen Qualifikation sagt? Oder Nationalrat Gerhard Pfister? Oder die Mitglieder des Bundesrates, die am Abkommen zweifeln, y compris Bundesrätin Karin Keller-Sutter?

PS 1. Nochmals in der NZZ von heute hält der Rechtsanwalt und Buchautor Peter Kurer auf Seite 21 fest: “Wir wollen in der finalen Entwicklung nicht Teil des europäischen Grossprojekts oder gar einer europäischen Willensnation sein, komme dies nun über einen offiziellen Beitritt oder auch nur schleichend.”

Noch so ein Halbstarker?

PS 2. Thierry Burkart ist der Ständerat, der 2020 ziemlich einsam in der Politikerschar für den Kampfjet focht. Sein beherztes Engagement trug wesentlich zum knappen Ja-Mehr bei, auch in seinem Kanton Aargau, der am Schluss mit dem Stand Zürich den Ausschlag gab. Danke, Herr Ständerat!

Ständerat Thierry Burkart, EU-Skeptiker und Vorkämpfer für den Kampfjet – ein Halbstarker?