BISS – Wenn “Satire” zu weit geht

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Wer von Westen die Autobahn beim Stadion verlässt, fährt über die Fürstenlandbrücke nach St. Gallen hinein. Sie überspannt die Sitter über dem Tobel.

Vor Corona: Open-air im Sittertobel.

Karikatur darf vieles, Satire darf vieles. Aber Satire darf nicht alles. Als sog. “Satire” rubriziert das Magazin “Die Ostschweiz” den Text “Wann steht die Armee im Sittertobel?” Der dümmliche Text überschreitet die Grenze dessen, was Satire soll, kann und darf.

Auf Seite 114 lässt sich der Schreiber, der als “Bühnenautor und Nebelspalter-Redaktor” vorgestellt wird, über Corona, die Einschränkungen, die Leiden der Jugend, die Armee und den längst aufgehobenen Schiessplatz Sittertobel aus.

Lesen Sie selbst: Die Polizei stosse zusehends an Grenzen > “Deshalb muss die Armee helfen. Reninente OstschweizerInnen (sic!) zusammenschiessen wäre mal wieder ein richtiger Kampfeinsatz.”

Schon abgesehen vom Hofknicks vor der “politischen Korrektheit” muss man den Text 2 x lesen. Ausgerechnet die disziplinierte, bewusst geführte Armee soll Ostschweizerinnen und Ostschweizer zusammenschiessen! Der Text ist weder ironisch noch lustig noch irgendwie real oder gar fair.

Unsere Armee ist und bleibt eine Milizarmee (schon gemäss Verfassung) und wird von Berufsunteroffizieren und -Offizieren ausgebildet, die ihre staatsbürgerliche Verantwortung kennen und in den Schulen durchsetzen. Wie kann ein Autor, und nenne er sich noch so stolz Satiriker, einen derartigen Stuss verbreiten – “Renitente” Ostschweizerinnen und Ostschweizer zusammenschiessen?

Der Verlag des Magazins bringt den Hohn in einer teuer aufgemachten Werbenummer, die in der ganzen Ostschweiz verteilt wird. Ich erhielt von besonnenen Appenzellern, St. Gallern und Thurgauern unmissverständliche Reaktionen: Wir alle werden “Die Ostschweiz” nicht abonnieren.

Trotz des pompösen Magazinnamens “Die Ostschweiz” repräsentiert das Produkt nicht die wehrhafte Ostschweiz, wie wir sie kennen.

PS. Bis in die 1990er-Jahre befand sich im Sittertobel ein Schiessplatz, der von der St. Galler Inf RS neben dem Breitfeld auch im scharfen Schuss benutzt wurde. Dann wurde der neue Waffenplatz Neuchlen-Anschwilen in Betrieb genommen – nach langwieriger Geländebesetzung von Grün-Rot und der denkwürdigen linken Doppelniederlage im eidg. Urnengang vom Juni 1993.

Gleichzeitig wurde der militärische Schiessplatz im Sittertobel aufgehoben. Das Breitfeld blieb, doch im Sittertobel wird militärisch nicht mehr geschossen.

Eine der berühmten Bahnbrücken über dem Sittertobel. Hinten St. Gallen.

Im Gegensatz zum Schiessplatz Sittertobel bleib der Armee das Breitfeld erhalten.