BISS –Waffenkunde 2, peinlich falsch

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Das sowjetische Geschütz D-20 aus dem Kalten Krieg.

Das Bild im Tages-Anzeiger zeigt eindeutig ein azerisches D-20-Geschütz, links oben “signiert” von Aserbeidschan.

Karabach 2020: Azerisches Geschütz. Bild mit der Kriegsfahne gekennzeichnet. Es stammt von Bakus Propaganda.

Azerische Halbbatterie. Der Kanonier zieht am Seil den Schuss ab, rechts der Geschützführer mit roter Fahne.

Im Tages-Anzeiger erscheint eine Fotografie aus dem Karabachkrieg 2020. Sie zeigt gemäss Bildlegende ein armenisches Geschütz. Die Legende beginnt unzweideutig mit “Armenische Artillerie …”

Unverkennbar: das Emblem der Armee von Aserbeidschan.

Dummerweise prangt links oben Aserbeidschans Kriegsfahne mit dem goldenen Emblem der azerischen Armee. Die Geschützmannschaft bedient eine Waffe aus dem Sowjetarsenal der Azeris, nicht der Armenier: die gezogene 122-mm-Haubitze D-20 aus dem Kalten Krieg. Im Karabachkrieg hielten die Azeris den armenischen Gegner mit zwei D-20-Regimenten zu je drei Bataillonen mit je drei Batterien von je sechs Rohren nieder.

Fotografen und Kameraleute waren an der Karabach-Front schwach vertreten. Die Medien lebten vom Propagandamaterial beider Parteien. Die siegreichen Azeris kennzeichneten ihre Fotos manchmal mit ihrer blau-rot-grünen Flagge. Was also will der Tagi mit Armenien?

  • Will er den Kriegsverlierer stark machen? Das scheitert krachend. Das Geschütz mit seinem gewellten Schutzblech stammt aus den 1950er-Jahren. Der Geschützführer gibt den Schussbefehl mit roter Fahne, der Richter zieht zur Schussabgabe an einem Seil – Steinzeit für jeden Kanonier!
  • Oder war da schlicht ein Anfänger am Werk? Das Tagi-Bild kommt von Frankreichs hoch professioneller Agentur AFP, deren Redaktion die von den Azeris eindeutig zugeordnete Aufnahme kaum den Armeniern zuschrieb. Auch hier: Waffenkunde? Kriegsparteien? Fahnenkenntnis? Fehlanzeige!

Elementare Fahnenkunde

Armenien.

Aserbeidschan. Selbst im Krieg schwer zu verwechseln mit Armenien.