BISS – “Verdammte Statistik!”

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Auch wenn Nachbarn ihre Grenzen sperrten, standen und stehen auch über Land Fluchtkorridore offen. Wo und wie erfasst eine Statistik diese Flüchtlinge?

 

Seit dem Untergang der Republik Afghanistan am 15. August 2021 verbreiten die USA, Briten, Deutsche, Franzosen, die EU unablässig Statistiken zu den Menschen, die sie gerettet haben. Von Anfang an waren ihre Angaben widersprüchlich. Gewiss leisteten alle Ausserordentliches. Aber mit den Zahlenbergen hatten viele ein mulmiges Gefühl.

Nun nimmt sich der Militärblog “Augen geradeaus!” der deutschen Statistiken an. Der Herausgeber Thomas Wiegold, nie um ein offenes Wort verlegen, gelangt zu einer kritischen Bewertung – der Titel zu seinem Kommentar mag dem einen oder anderen Beobachter aus dem Herzen sprechen: “Verdammte Statistik!”

 

Thomas Wiegold schreibt:

“Verdammte Statistik!”

Nach dem Ende der Evakuierungsflüge der Bundeswehr aus Kabul ist auch Tage später noch nicht so ganz klar, wer alles ausgeflogen wurde. Offenkundig ist nur, dass weit mehr Afghanen aus Kabul nach Taschkent geflogen wurden als Deutsche und andere Ausländer; dennoch ist die Statistik noch alles andere als übersichtlich.

Das wird inzwischen ein Teil der politischen Debatte. Die Zahlen nach den von den verschiedenen Ministerien veröffentlichen Angaben:

A400M der Bundesluftwaffe.

Die Bundeswehr hatte die Zahl der mit ihren A400M-Transportern ausgeflogenen Menschen insgesamt auf 5.347 Personen aus 45 Nationen beziffert. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums vom sind in Deutschland 4.587 Personen aus diesen Evakuierungsflügen eingereist. Darunter waren 403 Menschen mit deutschem Pass und 3.849 afghanische Staatsangehörige, die Differenz Angehörige dritter Staaten.

Die Zahl der eingereisten Ortskräfte gab das Innenministerium mit 138 an, die mit 496 Familienangehörigen nach Deutschland kamen – also insgesamt 634 Menschen. Damit bleibt vorerst im Detail offen, wie der überwiegende Teil der eingereisten Afghanen zuzuordnen ist.

Das Inneministerium und Auswärtiges Amt wiesen allerdings darauf hin, dass über die Ortskräfte und ihre Angehörigen hinaus vor allem Afghanen ausgeflogen wurden, die zum Beispiel

  • Familienangehörige eines deutschen Staatsbürgers sind
  • als afghanische Staatsangehörige einen gültigen deutschen Aufenthaltstitel, also ein Aufenthaltsrecht in Deutschland haben
  • als Ortskräfte einer anderen europäischen Nation mit einem deutschen Flug aus Kabul gebracht wurden.

Mit anderen Worten: Die Statistik ist noch viel zu ungenau, als dass sie für eine Bewertung taugen würde.”